Sachsen Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.sachsen-lese.de

Weiterempfehlen

Unser Leseangebot

Tee mit der Königin

Kurzgeschichten aus Wales herausgegeben und übersetzt von Frank Meyer und Angharad Price.

Der treue Hund von Pegau

Der treue Hund von Pegau

Dr. Jürgen Friedel

Wilhelm Grimm schieb über die Sagen:"Die Volkssage will aber mit keuscher Hand gelesen und gesprochen sein. Wer sie hart angreift, dem wird sie die Blätter krümmen und ihren eigensten Duft vorenthalten." In den Sagen stecke ein großer Fund an reicher Entfaltung und Blüte ... Es ist Erbe, das wir bewahren müssen, aufbewahren durch Weitergeben, indem wir es unseren Kindern vorlesen oder erzählen und somit weiterleben lassen.

Jürgen Friedel

Bernhardiner Foto: aus Wikipedia-gemeinfrei
Bernhardiner Foto: aus Wikipedia-gemeinfrei

Auch Pagau hatte vor der Reformation ein Kloster. Noch lange nach dessen Schließung konnte man an einem der Gebäude in 2 - 3 Meter Höhe ein kleines Steinbild sehen, das einen Hund zeigte, der ein Körbchen im Maul trug. Was hatte's damit auf sich?

Es lebte im Kloster Pegau einst ein Mönch, der sich schlimmste Untaten hatte zuschulden kommen lassen. Er wurde verurteilt zum Tode durch Einmauern bei lebendigem Leibe. Als der letzte Stein ins Mauerwerk geschoben war und kein Strahl Licht mehr Zugang fand, müssen furchtbare Stunden begonnen haben für den Menschen. Trotz der wilden Verzweiflung, die ihn in dem schauerlichen Grab befiel, hörte er nach einer Weile von außen her ein Scharren und Winseln. Schnell wurde ihm klar, daß das nur sein treuer Hund sein konnte. Mit großer Mühe gelang es dem Mönch, einige Steine zu lockern und nach innen zu ziehen, daß eine kleine Öffnung entstand. Dadurch konnte er sich seinem vierbeinigen Freund bemerkbar machen.

Der eilte sofort weg und kehrte nachts zurück. Leise bellte er, um sich zu melden. Der Mönch schob einen aus seiner Kleidung gerissenen Streifen nach draußen, und der Hund befestigte daran das Körbchen mit Speisen, das er im Maule hergetragen hatte. Sein Herr zog es vorsichtig in sein Gefängnis. Woher die Speisen kamen, hat man nie erfahren. Jedenfalls ernährte der treue Hund seinen Herrn auf diese Weise viele Tage lang. Eines Tages jedoch entdeckte man das Verhalten des Tieres. Obwohl die Zeiten damals hart und finster waren, fühlten sich die Menschen angerührt durch dieses Beispiel von Treue. Ein Richter fand sich, der den Bösewicht begnadigte. Bis zu seinem Tode blieb er ein friedfertiger Mensch.