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Weihnachten bei Familie Luther

Christoph Werner

Luthers jüngster Sohn erzählt vom Christfest

Paul Luther, der jüngste Spross der Lutherfamilie, gewährt dem Leser Einblick in sein Leben und das seiner Familie.
Er berichtet von seiner Kindheit in Wittenberg und der Krankheit seines Vaters, von seiner Verwicklung, die ihm als Leibarzt widerfuhren, und von den Intrigen am Gothaer Hof. Reichlich illustriert öffnen sie dem Leser die Tür zur Weihnachtsstube der Familie Luther.

Wie 's dr Schnawel een gibt ein - Dialekte in Sachsen

Wie 's dr Schnawel een gibt ein - Dialekte in Sachsen

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Wie 's dr Schnawel een gibt ein - Dialekte in Sachsen

Auf relativ engem Raum wird in Sachsen so unterschiedlich gesprochen. Den Dresdnern wird es schwer, einen Vogtländer zu verstehen. Ein Vogtländer und auch ein Leipziger haben Mühe, die Rede eines Oberlausitzers zu verfolgen und ihn zu verstehen. *
In der Hauptsache sind fünf sächsische Dialekte zu unterscheiden:
1 der osterländische, auch Leipziger Dialekt
2 der meißnische
3 der Lausitzer
4 der vogtländische
5 der erzgebirgische Dialekt.
Wissenschaftlich betrachtet gehören die beiden erstgenannten dem obersächsischen Sprachzweig an. Der vogtländische Dialekt gehört zum ostfränkischen Sprachzweig. Der Lausitzer und der erzgebirgische Dialekt sind ostfränkische-obersächsische Mischdialekte. Diese Verschiedenartigkeit hängt mit der wechselvollen Geschichte der Besiedlung Sachsens, insbesondere zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert, zusammen. Gewissermaßen haben die sächsischen Dialekte an der Tragödie ihrer Geburt zu tragen. Von "einem sächsischen Dialekt" kann also nicht die Rede sein. Und dann gibt es in Sachsen, das ursprünglich ganz von Slawen bewohnt war, noch eine Besonderheit: Ganz im Osten leben die Sorben, die ihre sorbische Sprache pflegen.
Mit Beispielen sollen die Sprachregionen, wie sie in der Karte (sehr grob) eingezeichnet sind,  vorgestellt werden:
Karte: Jonas Brekle
Karte: Jonas Brekle

 

1  Wenn der alte Leipziger seine „Gefiehle" der Welt „verginnded", klingt das so:
„Na weeste, Gustav, das is eechentlich änne Unverschämtheit von dir. Vor acht Dachen hawich dir meinen Rächenscherm geborcht, un du hast'n mir bis heite noch nich widder gebracht!" „Nu, wieso denne? Das gonnt' ich doch nich. ‚s hat doch jeden Dach gerächent!" (Aus: Lene Voigt: Säk'sches Gemiese. Erstausgabe 1936)
Die wichtigste Ausspracheregel dabei ist: „Die Weechen besiechen de Hard'n." (Bernd-Lutz Lange)


2  Der eingesessene Meißner verwendet typisch die Partikel „nicht wahr" und „nicht wahr nicht?" in fragender Form. Das hört sich dann wie „norr" und „norr ni?" an.
Eine Zugansage als Beispiel: Eben. Und desweechen fahren mer enfach ma zu diesem herrlichen Fleggschen Erde, norr.


3  Das Kennwort des echten Lausitzers ist „oack" und steht für „nur, doch oder bloß": Kumm oacke! Find'ch oack rei! Sieh oack har!
Beispiel:    
            nbsp;             Hoans und sei Maidl
Hoansel soaß an Schweinestoal, flickte seine Schuh'.
Do koam Nubbersch Gretel rim und guckt 'n Hoansel zu.
Tiralala, juchhei rasa!

Hoansel, wenn de heiroatst, heiroat oack miech!
'ch hoa junoa drei Pfennge, die lang' für miech und diech.
Tiralala, juchhei rasa!                                                   (Aus dem Volksmund)

Charakteristisch für die Aussprache ist das retroflexe (gerollte) "R", ansonsten wird nicht guttural gesprochen.


4  Wenn „gevogtländert" wird, erkennt man das am markanten Singen, an der überstarken Betonung der Satzmelodie und an der lang gezogenen überbetonten Aussprache der Vokale. Es existiert kein gerolltes „R":

Mit'n Zügel of Wiesenthol

Gerod war dos Zügel lusgefahrn, hielt's langk wieder a, fuhr er Stückel, hielt a, fuhr wieder un hielt a.
Do sat aaner vun de Raasenden, die dermiet of Wiesenthol wollten: "Schaffner, sog när emol, worüm hält dä daar Zug schu wieder?" "Wall e Kuh of de Gelaaser stieht", sat daar. "Wos dä", mischte sich e annerer ei, "dos is nu mehro de sechste!"  Do sat dr Schaffner: "Falsch. Dos is diesalbe, mer habn se bluß wieder eigehult!"

5  Dieses Sprachbeispiel stammt vom Saafnlob aus Eibenstock im Erzgebirge (aus: Das lustige Buch der Erzgebirger. Leipzig o. J.):

Do hat dr alte Lang vun Elternhaus geredt, vun Vater un Mutter un esu wetter. Un ar fröget aah de Kinner, wie alt Vater und Mutter wärn. Un wie ar zr Grußemutter kam und fröget: „ Na, Christel. Wie alt ist denn deine Großmutter?" Do saat is Christel: „Dos waß iech net, die hamm mir schu lang."

Und so ist Sachsen heute ein Bundesland mit sprachlichen und kulturellen Besonderheiten.
Unser ehrwürdiger Johann Wolfgang von Goethe schrieb zum Thema in Dichtung und Wahrheit: „Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, aus welchem die Seele ihren Atem schöpft."

* Der Autorin wird widersprochen. Folgende Mail erreichte sie: " Dass ein Voigtländer und ein Leipziger Schwierigkeiten beim Verstehen eines Oberlausitzers haben sollen, trifft nicht immer zu. Wenn z.B. ein Voigtländer, dessen Vorfahren nachweislich im 17. Jahrh. in Richtung Döbeln aus dem schönen Voigtland ausgewandert sind oder rausbefördert wurden, in Dresden geboren wurde, in der Oberlausitz aufwuchs, in Zittau studierte und nun in Halle (Saale) lebt, hat der (fast) gar keine Schwierigkeiten, einen Oberlausitzer (Verwandten) zu verstehen. Aber das ist eben ein Sonderfall. gez. Bernd Voigtländer."

Quellen
Horst Becker, Gunter Bergmann: Sächsische Mundartenkunde, Max Niemeyer Verlag,
Halle (Saale) 1969.
Oertel, G.: Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Königsreichs Sachsen. Leipzig 1890
Für die Karte: Lizenz: cc by-sa
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de )
Erstellt von:
http://commons.wikimedia.org/wiki/User:TUBS
http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Alexrk2
http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Jbrekle