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Sonderausstellung in Bad Düben
Sonderausstellung vom 06. Oktober bis 10. November 2013 im Naturparkhaus Bad Düben.
Die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 - 2013

Die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 - 2013

Hans-Joachim Böttcher

Gedenkmünze 1913 Foto: gemeinfrei
Gedenkmünze 1913 Foto: gemeinfrei
Seitdem die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 stattfand, erfolgt für diese größte Massenschlacht des 19. Jahrhunderts, die zu den blutigsten militärischen Auseinandersetzungen der Weltgeschichte überhaupt gehört, ein stetiges Gedenken in den vielfältigsten Formen. Für das Jahr des 200. Erinnerns an die Schlachttage, im Oktober 2013, planen verschiedene Vereine die Durchführung von umfangreichen internationalen Veranstaltungen. In deren Vorbereitung soll die Restaurierung des Völkerschlachtdenkmals weitestgehend abgeschlossen sein. Viele andere Erinnerungsstätten an diese furchtbaren Schlachttage sollen sich ebenfalls in einem angemessenen Erscheinungsbild präsentieren. Zu deren besseren touristischen Erschließung soll die nun erfolgte Ausschilderung der "Route Napoleon de Saxe 1813" dienen. Auch schickte  man schon die Wanderausstellung "Napoleon - Gesichter" auf die Reise, um das zwiespältige Bild des französischen Kaisers einem breiten Publikum auf eine originelle Art nahe zu bringen.

Was man auch immer von Gedenkveranstalturgen für Schlachten und militärischen Inszenierungen hält, so bieten diese doch die Chance, die bisherige Geschichtsschreibung teilweise zu korrigieren. Denn in der Literatur und in den Köpfen der Menschen hat sich seit der Reichseinigung 1871 eine rein preußische Betrachtungsweise auf die Geschichte der Napoleonischen Kriege verfestigt. Diese in Teilen zu korrigieren und zu einer mehr unabhängigen und damit auch eine die sächsische Sicht auf die damaligen Ereignisse zu berücksichtigende Betrachtung der napoleonischen Kriege zu finden ist schon lange überfällig. Und wie erfreulicher Weise festzustellen ist, beginnt sich diese auch langsam durchzusetzen.

Im Zuge der Napoleonischen Kriege propagierten die Preußen zur Mobilisierung aller ihrer Kräfte und zur Schwächung der mit Frankreich verbündeten deutschen Rheinbundstaaten einen deutschen Patriotismus. Dieser Nationalgedanke war damals etwas ganz Neues, der auch in Sachsen viele begeisterte Anhänger fand. Von den Preußen als "Befreiungskriege" dargestellt, brachte letztlich die Schlacht bei Leipzig für Sachsen keine Befreiung von den sich auch hierzulande oftmals nicht gerade als Verbündete auffuhrenden Franzosen. Sondern es war so, dass die Preußen ihre historische Chance nutzten und Sachsen beim Wiener Kongress zwangen, etwa die Hälfte seines Territoriums zumeist an Preußen abzutreten. Sachsen war damit als deren Konkurrent ein für allemal ausgeschaltet, Preußen einen großen Schritt auf seinem Weg Deutschlands vorherrschende Macht zu werden voran gekommen.

Napoleon spricht zu den sächsischen Truppen, Gemälde: Volker Pohlenz
Napoleon spricht zu den sächsischen Truppen, Gemälde: Volker Pohlenz
In den annektierten ursächsischen Gebieten wurde sofort preußisches Recht, Maße, Gewichte und eine neu strukturierte, militärisch straffe Verwaltung eingeführt. Diese zeigte natürlich ein ungewohntes Verhalten, das nichts mehr mit dem traditionellen legeren sächsischen Gebaren gemein hatte. Ob sie wollten oder nicht, den zu "Muss-Preußen" gewordenen Sachsen blieb gar nichts anderes übrig, als sich mit ihrer neuen Herrschaft und den Veränderungen abzufinden und sich unterzuordnen. Das in dem Prozess der Annexion der sächsischen Lande und ihrer Menschen oftmals demütigende Verhalten der Preußen gegenüber den Sachsen hatten deren deutsch-patriotisch fühlende Menschen nun allerdings nicht erwartet. Die Enttäuschung darüber war groß und führte, exemplarisch im Bereich der zu den Preußen ursprünglich freiwillig übergegangenen Soldaten, zu mancherlei tragischen Vorkommnissen.

Über eines, das zu jener Zeit die Menschen in Sachsen sehr bewegte, wurde im "Jahrbuch der Dübener Heide 2000", einer Buchreihe, die im übrigen immer wieder viele interessante Aufsätze zur sächsischen Geschichte enthält, berichtet. Hierbei handelt es sich um den Beitrag "Der Tambour Johann Gottfried Kanitz aus Süptitz - ein Sachse 1815 in Lüttich von den Preußen erschossen", den der Autor diese Beitrages verfasste. In der Folge soll dieser Aufsatz als Beispiel für das rigorose, verständnislose Verhaltens der Preußen gegenüber den Empfindungen ihrer neuen sächsischen Untertanen wiedergegeben werden.

Mit freundlicher Genehmigung des Malers Volker Pohlenz.

Das Schlachtengemälde "Probstheida brennt" ist dem "Leipziger Schlachtfeldführer 1813/1913" entnommen, Leipzig 1913.