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36 kurze und lange Geschichten, geschrieben von Ingrid Annel, erzählen von den Abenteuern unbekannter und bekannter Fantasiegestalten.
In dem Buch „Glücksdrachenpech" sind Märchen über Drachen, Kobolde, Nixen und Hexen, die vielleicht auch heute noch ihr Unwesen in der Lausitz treiben, versammelt. Wunderbare Schwarz-Weiß-Illustrationen von Marga Lenz begleiten den Leser durch die abenteuerliche Welt der sorbischen Fabelwesen.
Zu bestellen bei: http://bertuch-verlag.de/311-0-Gluecksdrachenpech.html

Dreimal schwarzer Kater

Dreimal schwarzer Kater

Ingrid Annel

Schwarzer Kater. Foto: Piotr Czerniawski, via Wikipedia Commons 13.11.2012
Schwarzer Kater. Foto: Piotr Czerniawski, via Wikipedia Commons 13.11.2012

Im Hause eines Bauern hatte der Drache in Gestalt eines schwarzen Katers Einzug gehalten. Von diesem Tag an ging es dem Bauern gut, sein Reichtum wuchs zusehends. Dafür sorgte der Drache des Nachts, wenn alle Welt schlief. Zum Lohn verlangte er nichts weiter, als ausreichend mit Hirsebrei versorgt zu werden. Die Bäuerin kochte Milchhirse in großen Portionen, ließ die Speise auf die richtige Temperatur abkühlen und befüllte alle Weile den Fressnapf des Katers damit.

An einem Sonntag, als die Bauersleute in die Kirche gehen wollten, wurde die Magd beauftragt, Hirsebrei zu kochen. Da die Magd aber neu auf dem Bauernhof war, wurde sie von der Bäuerin ermahnt: ,,Pass auf, falls der große Kater betteln kommt. Mag er schnurren, so viel er will! Du gibst ihm nichts von der heißen Speise." Die Magd nickte nur und schob den großen Topf auf den Herd, in dem alsbald der dicke Brei blubberte und süße Duftschwaden verbreitete. Die lockten den Drachenkater herbei. Schnurrend strich er der Magd um die Beine und maunzte so herzzerreißend, dass die Magd Mitleid bekam. ,,Es wird schon nicht auffallen, wenn ich dir etwas abgebe", sagte sie, tauchte den Rührlöffel in die dicke Masse und füllte etwas davon in den Napf. Gierig stürzte sich der hungrige Kater darauf und verbrannte sich das Maul. Vor Schmerz laut aufjaulend rannte er zur Tür hinaus.

lm gleichen Augenblick überfiel die Bäuerin in der Kirche eine dunkle Ahnung, dass zu Hause etwas Schreckliches passiert sei. Sie verließ vorzeitig die Kirche, eilte nach Hause und sah, dass das ganze Gehöft in Flammen stand. Der Kater, dem das Maul noch von der heißen Hirse brannte, hatte in seiner Wut Feuer gespien und Haus und Ställe damit angezündet. Und weil ein kräftiger Wind die Flammen verteilen half, brannte alles sehr schnell nieder. Zum Glück konnte sich die Magd retten. Doch der Kater war und blieb verschwunden.

Kaum hatten die Bauersleute ihr Gehöft neu errichtet, stolzierte mit erhobenem Haupt der Kater wieder herein. Doch der Bauer wollte das Tier nicht mehr in seinem Haus dulden. Er packte den Kater, schnürte ihn in ein Bündel Stroh und ging damit weit hinaus aufs Feld. ln einer Kuhle legte er das Bündel ab, zündete das Stroh an und rannte nach Hause. Als er dort eintraf, kam ihm durchs offene Hoftor der Kater entgegen und maunzte: ,,Welch ein Glück, dass wir beide so rennen können, sonst hätte uns das Feuer aufgefressen."

Das Kinderbuch Glücksdrachenpech handelt von Wassermännern, Drachen und Irrlichtern. Autorin: Ingrid Annel, erschienen im Bertuch Verlag.