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Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerinerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Wie huech dr Schnie leit

Wie huech dr Schnie leit

Louis Riedel

Gemeine Fichte.
Gemeine Fichte.

Übersch Vuegtland und aah übersch Erzgeberg hot sue e Schofkopf vun enn Büchermacher - ne Name ho ich vergessen, wie'r gehissen hot - sue viel Lügn ne Leiten weisgemacht, un andere Bücherschreiber und sinstige gescheite Leit habn's ne noochderziehlt und nochgeschriebn, aß's ann de Leit gar nimmer glaabn well'n, wenn mer'n sogt: "Gett mr när weg mit eier'n Mootsch. 'S is net esue schlimm be uns mit dr Kelt und mit ne Schnie und mit ne Erdepfelessen und ne Kaffeetrinken, wie's ne Leiten drunten in Niederland virgeredt werd!"

Kaaner hot sich über die alten Lügn in sann Lebn mernergeargert wie dr alte Pummerfranz. 'R wur sue gehissen, weil'r immer en Pummer gehalten hot. Dr Franz war aah e alter, guter tüchtiger Mah, der kaa Kind belaadign kunnt. Ober wenn ne aans wos Uhrechts über sei Vuegtland gesogt hot, noochert war'r epper kaa Feiner, do kunnt'r 'sche ne Leiten stecken und hot's  ne gesteckt, aß se de Köpf neigezuegn habn wie de arme Sünder.

Emoll hot'r fer enn Viehhännler enn Trieb Ochsen nunter af Leipsig geschafft. 'R is dort in enn Gasthuef eigekehrt, und de Leit habn ne ausgefregt, wue'r her wär und wos'r do in Leipsig machet und esue fort.
Wie'r no gesogt hot, aß'r sei Haamet in Vuegtland hett, habn ne de Leit barmharzig ahgeschaut und habn gemaant: "Ach, Sie armer Mann! Aus diesem Sibirien sind Sie, wo man den Sommer kaum kennt und der Winter, der schreckliche Winter, Ihnen das Eis in Massen und den Schnee in der Höhe von mehreren  Ellen bringt, wo der Wind Ihnen die Schnehwehen zehn, fünfzehn Ellen hoch auftürmt, wie wir schon oft gelesen und in der Schule gehört haben! Oh, Sie armer Mann, Sie armer Mann!"

"Fuffze Ehln", hot dr Pummerfranz gesogt, "des is gar nix; be uns leit dr Schnie oft sechzig, aah achtzig und wuehl neinsig Ehln huech!" Do habn de Leit Maul und Aagn aufgesperrt und immer wieder gesogt: " Ach! Die armen, armen Leute!" Ober dr. Pummerfranz hot siech net irr machen lossen und hot immer watterfort derziehelt: "Hah, kumme Se när emol nauf ze uns und senne se unnere huehng Fichten und Tanne ah! Wos des fer Baamer sei! Die sei manichs Mol wuehl hunnert Ehln huech. Und wos glaabn Se denn? Do leit sen aah noch drauf bis nauf de öberschten Giebel. Kumme Se ner emol nauf un senne Se siech's ah!" Do habn de Leit immer noch Maul und Aagn aufgesparrt, ober gesogt habn se nix mehr.