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Das Funkenhäuschen

Das Funkenhäuschen

Gnom, Gemälde von Carl Spitzweg (1808-1885)
Gnom, Gemälde von Carl Spitzweg (1808-1885)

 

Vor Zeiten wohnte in dem gegen Abend vor Eilenburg gelegenen Schlossberge ein graues Männchen, das den Eilenburgern Einwohnern oft großen Nutzen brachte. Den an der Mulde wohnenden Fischern bei ihren Geschäften zu helfen und den von der Oder nach Leipzig fahrenden Frachtfuhrleuten mit seinen scheinbar geringen Kräften die Wagen den Berg hinauf schaffen zu helfen, war seine größte Freude. Ungerufen kam der Zwerg und war überall dort zu finden, wo Not am Mann war. Jeder kannte ihn, nahm ihn freundlich an und suchte sich seine fernere Liebe zu erhalten. ln der Nähe des Berges, am Rande eines Gehölzes, stand ein kleines Hüttchen, welches man den kleinen Zwerg oft besuchen sah. Was er darin tat, wusste man allerdings nicht, denn niemand durfte hinein. Nahte sich jemand demselben, so wurde er durch eine unsichtbare Macht abgehalten, und mancher Vorwitzige hat tagelang wie gebannt davor stehen müssen. Gewarnt durch solche Strafe trat daher jeder gern den Rückzug an und ließ dem gutmütigen Zwerg sein Geheimnis.

Der Sorbenturm auf dem Eilenburger Burgberg
Der Sorbenturm auf dem Eilenburger Burgberg

Viele behaupteten, des Nachts gesehen zu haben, dass Funken aus der kleinen Esse des Hüttchens gekommen seien, und nannten es deshalb das Funkenhäuschen. Das ging viele Jahre gut, bis sich eines Tages ein böser Geselle in Eilenburg niederließ und allerlei Streit und Händel mit dem kleinen Männlein anfing. WoIlte der Zwerg einem Fuhrmann helfen, so jagte der Böse den hilfreichen Zwerg davon. Zu feige in den Bannbereich der Hütte zu kommen, warf er aus sicherer Entfernung Steine auf die Hütte, dass bald alle Ziegel vom Dach herunter waren. Den Eilenburgern gefiel zwar das Treiben des bösen Gesellen nicht, aber dem kleinen Zwerg in seiner Not beizustehen, fehlte ihnen ob der Bärenkräfte des Gesellen der Mut.  

Das graue Männchen aber, das sich wegen töricher Neckereien durch undankbare und rohe Menschen in den Berg zurückgezogen hatte, soll noch leben. Mancher nächtliche Wanderer will ihm im sogenannten „TaIe" begegnet sein, keiner wagte es aber, es anzusprechen. Denn so freundlich es einst den Menschen gesinnt war, so feindlich scheint es ihnen jetzt zu sein. Es soll sogar, als man die Turmruine der alten „Hildeburg" abzutragen suchte, die Steine, welche man am Tag abgebrochen hatte, des Nachts wieder aufgemauert haben, bis man die unnütze Arbeit endlich aufgab (darum steht heute noch der Sorbenturm).

Am meisten hatten aber nun die Fuhrleute mit ihren schwer bepackten Wagen zu leiden, denn von nun an schien ihnen der Eilenburger Berg unüberwindlich.

Die Bilder stammen aus Wikimedia Commons, sie sind gemeinfrei.