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Der Bronstein-Defekt

und andere Geschichten 

Christoph Werner

"Ich stellte bald an mir selbst die Verführung durch Zählen und Auswerten fest und empfand die Wonne, Gesetzmäßigkeiten bei gewissen Massenerscheinungen festzustellen. Nichts war vor mir sicher. Als erstes machte ich mich über die Friedhöfe her..."

Der Gewinneberg bei Taucha

Der Gewinneberg bei Taucha

Dr. Jürgen Friedel

Gigili-Geister. Urheber James Steakley.
Gigili-Geister. Urheber James Steakley.

Der Berg ist eine Erhebung, wo einmal das Schloß Wyn gestanden haben soll, das die Hussiten 1430 zerstörten.

Schon lange erzählt sich das Volk, dass in dem Berg ein großer Schatz verborgen liegt, der nur alle 100 Jahre gehoben werden kann. Hellauf loderndes Feuer tut den Tag kund. Aber der Schatz wird bewacht von einem Geist, der durch eigenes Verschulden den Wachdienst leisten muß.

Ein Tagelöhner bekam einmal nachts Besuch. Ein gespenstisches menschliches Wesen trat an sein Bett und sprach: "Folge mir! Ich verhelfe dir zu großem Reichtum." Der Tagelöhner stand auf und ging mit. Sie schritten durch ie menschenleeren Straßen und kamen auf den Gipfel des Gewinneberges.

Dort schlug aus einer Grube ein helles Feuer. Der arme Mann zauderte.

"Geh nur keck darauf zu!" sagte die unheimliche Gestalt zu ihm. "Das Feuer wird dir nichts tun. Hebe den Kessel mit dem Schatz heraus und trage ihn nach Hause. Gib acht, daß du nichts verschüttest, sonst ist alles verloren." Dann gab er ihm noch eine kleine klingende Schelle und verlangte, daß er sie um den Hals trage. "Sie wird immer läuten, wenn du etwas Gutes tust oder einen schlechten Gedanken aufgibst„ Nimm mich als Mahnung. Ich habe den Schatz schlecht angewendet und mußte ihn zur Strafe fast 100 Jahre ruhelos wandelnd bewachen."

Nach diesen Worten verschwand die Gestalt, und der Tagelöhner schleppte den Kessel zu seiner Hütte. Als er dort das viele Geld sah, wußte er vor Freude nicht aus noch ein. Dann nahm er sich vor, anders zu leben als sein Vorgänger. So beschloß er, als erstes eine Kirche bauen zu lassen von seinem Geld. Er machte sich auch gleich ans Werk, bestellte Baumeister und Bauleute, und weil er gut bezahlte, ging es schnell voran.

Wo man das Klingen seiner Schelle hörte, wandte man sich ihm zu, denn Arme und Bedrängte waren sicher, dass er ihnen Hilfe brachte,

Aufziehende Gewitter. Gemälde von Karl Kaspar Pitz 1782.
Aufziehende Gewitter. Gemälde von Karl Kaspar Pitz 1782.

Je mehr der Bau voranging, nahm auch der Schatz ab. Als der Mann das bemerkte, fing an,sich Geiz im Gemüt des so schnell Reichgewcrdenen zu regen. Die Summen für die Kirche und die Armen begannen ihm leid zu tun. Was für schöne Tage hätte er sich mit dem Geld machen können! Er wurde geizig und hartherzig, quälte fortan die Bauleute bis aufs Blut. Seine Schelle erklang nicht mehr. Wer ihn von weitem sah, ging ihm aus dem Weg. Jeder dachte, da naht der Peiniger.

Aber es nahte auch seine Strafe!

Eines Tages, er saß an reichgedeckter Tafel, brach ein furchtbares Gewitter hernieder. Ein gewaltiger Blitz schlug ein und tötete ihn auf der Stelle. Zugleich zerstörte er den noch nicht fertiggestellten Kirchenbau. Den Rest des Schatzes trugen zur selben Stunde die Geister wieder zum Gewinneberg, wo er wieder wachsen konnte.

Der Geist des habgierigen Tagelöhners muß nun dort wachend umgehen.

Bildnahweis:

Alle Bilder sind Wikimedia Commons entnommen. Für das "Aufziehende Gewitter" und die Abb. "Dämon" sind die Urheberechte abgelaufen. Für die  " Gigili-Geister" ist die Namensnennung erfolgt.