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Julius von Pflug – ein sächsischer Hoffnungsträger in dramatischer Zeit

Julius von Pflug – ein sächsischer Hoffnungsträger in dramatischer Zeit

Friedrich Ekkehard Vollbach

Julius von Pflug Porträt
Julius von Pflug Porträt

1. Herkunft und Bildungsweg

Wegen seiner versöhnlichen Wesensart, seiner umfassenden Bildung sowie wegen seines diplomatischen Geschicks hofften viele seiner Zeitgenossen, der Reformkatholik Julius Pflug, letzter katholischer Bischof von Naumburg - Zeitz, könne einen akzeptablen Ausgleich zwischen den zerstrittenen Konfessionen zustande bringen. Doch er scheiterte mit seinem Bemühen ebenso wie sein Gegenüber Philipp Melanchthon auf protestantischer Seite an den damaligen unversöhnlichen politischen und konfessionellen Gegensätzen.

Geboren wurde Julius von Pflug im Jahre 1499 in Eythra, 15 km südlich der Stadt Leipzig in der fruchtbaren Aue der Weißen Elster gelegen. Sein Vater Cäsar von Pflug, seines Zeichens Landes - und Appellationsrat, Gesandter, Statthalter und vermögender Rittergutsbesitzer, hatte in Bologna studiert, sprach Lateinisch und Griechisch. Ende des 15. Jahrhunderts begleitete er den Kurfürsten Friedrich den Weisen nach Jerusalem.

Zusammen mit Kanzler Kochel leitete er als Vorsitzender die Leipziger Disputation zwischen Eck und Luther im Jahr 1519. Die Mutter von Julius hieß Magdalena von Carlowitz und stammte aus einer Familie des meißnischen Uradels. Sie verstarb zeitig und konnte die Zukunft ihres Sohnes Julius nicht miterleben. Der war ein schwächlicher Knabe, klein von Wuchs, ernst und von ruhiger Natur, doch außerordentlich begabt. Bereits im Alter von 11 Jahren wurde er am 16. Oktober 1510 in das Album der Universität Leipzig eingetragen. Seine Lehrer waren bekannte Humanisten. Besonders faszinierte ihn Peter Schaden, genannt Mosellanus. Dem verdankte er vor allem das Rüstzeug für seine künftige wissenschaftliche Arbeit und die Freude daran. Dankbar formulierte er einmal: Alles, was der Mensch von Menschen in der Gemeinschaft des Lebens erhalten könne, habe er von ihm erhalten. (1524 hält er eine so hervorragende Leichenrede zu Ehren seines verstorbenen Lehrers, dass man noch Jahre später bewundernd von ihr spricht.) Mosellanus rät seinem Schüler Julius Pflug, doch seine Studien an der Universität Bologna, der Hochburg der Jurisprudenz, fortzusetzen.

1517 begibt der sich deshalb mit Christoph Türk (später gelehrter Rat und Kanzler des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg) und einem wehrhaften Diener auf die sicher anstrengende, beschwerliche und abenteuerliche Reise. Um die 730 km misst die Entfernung zwischen Leipzig und Bologna. Zu Fuß benötigt man bei einer Tagesleistung von 33 km etwa 24 Tage. Dabei bleiben allerdings beschwerliche und ermüdende Anstiege (etwa in den Alpen) unberücksichtigt. Ein Reiter war keineswegs schneller, denn um die Pferde zu schonen, ritt man nicht länger als sieben Stunden am Tag. Ein Fuhrwerk aber brauchte für diese Strecke etwa einen Monat. Die Straßen waren zum Teil miserabel und verdienten diesen Namen nicht. Zollstationen forderten von den Reisenden entsprechende Gelder (nur Pilger brauchten keinen Zoll zu zahlen) und man war vor Wegelagerern nicht sicher.

Representation of the cities of Italy, pedestal of the statue of Vittorio-Emmanuele II on the Vittoriano, in Rome: Milano (center), Genoa (left) and Bologna (right).
Representation of the cities of Italy, pedestal of the statue of Vittorio-Emmanuele II on the Vittoriano, in Rome: Milano (center), Genoa (left) and Bologna (right).

 

Und dann Bologna!

Kein Vergleich mit Leipzig, wo es 1507 lediglich 9000 Einwohner gab. Bologna dagegen zählt in seiner Blütezeit 72000 Bürger. Nach Rom war Bologna mit seinen prächtigen Bauten die bedeutendste Stadt Italiens. Einer ihrer Spitznamen lautet la Grassa (die Fette), denn es ist ein Zentrum kulinarischer Genüsse (Spaghetti bolognese, Lasagne, Tortellini und Mortadella wurden hier kreiert).

Der andere Spitzname ist la Dotta (die Gelehrte). Ende des 11. Jahrhunderts gegründet, ist die Universität Bologna (neben der Sorbonne in Paris) die älteste Universität der westlichen Welt. Sehr bald erwarb sie sich den Ruf der führenden Universität auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft. An dieser Universität lehrten bekannte Professoren wie Francesco Petrarca oder Luigi Galvani oder in neuester Zeit Umberto Ecco und Ramono Prodi. Hier studierten unter anderem Erasmus von Rotterdam und Albrecht Dürer.

Neben dem Jurastudium widmete sich Julius Pflug vor allem der griechischen Literatur und der Einübung in die lateinische Beredsamkeit. Sein Lehrer auf diesem Gebiet war Romulus Amasius aus Udine (Professor der klassischen Sprachen, Ratssekretär in Bologna und später Sekretär des Papstes). Dieser taktvolle, feine und gebildete Italiener lehrte den jungen Sachsen, die lateinische Sprache harmonisch zu schreiben und sich in ihr elegant und fließend auszudrücken. Das war übrigens zu damaliger Zeit die Grundvoraussetzung, um eine kirchliches oder staatliches Amt zu erlangen. 1520 folgte Julius Pflug einer Einladung seines Freundes Eberhard von der Tann nach Padua, einer der ältesten Städte Italiens. Stadt und Universität galten als Ort der Renaissance, der Freiheit und der religiösen Toleranz. Zur Zeit Pflugs erlebte die Stadt eine Blütezeit. Die medizinische Fakultät der Universität Padua galt als die führende in Europa. Auch in Padua widmet sich der Student aus Leipzig den Sprachstudien. Nach 10 Monaten Aufenthalt in Padua ist Julius Pflug wieder in Bologna und erwirbt dort den Titel eines Dr. iur.
Georg der Bärtige
Georg der Bärtige

2. Im Dienste Georgs des Bärtigen

1521 kehrte er mit diesem erfolgreichen Abschluss seiner Studien nach Hause zurück.
Bereits 1522 beruft Herzog Georg der Bärtige den 22 jährigen Julius Pflug als Rat an seinen Hof. (Dies geschah sicher auch in der Absicht, den fähigen jungen Mann einem möglichen protestantischen Einfluss zu entziehen.) Die Räte des Herzogs nahmen unterschiedliche Aufgaben wahr. Sie waren nicht nur Ratgeber in wichtigen Angelegenheiten, sondern auch in diplomatischen Diensten unterwegs oder hatten Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Was auch immer ihre Aufgabe war, mit dem Fürsten sind sie eng verbunden.

Pflug zieht nach Dresden und lebt dort in gewisser Eleganz. Von Caspar Borner lässt er sich Bücher, Gemälde, mathematische Geräte und Landkarten besorgen, Dinge, die ihren Preis hatten.

Im Jahr 1523 wird Julius Pflug Beisitzer am Oberhofgericht Leipzig, das anfänglich aus 9 Beisitzern bestand (drei Ritter, drei Vertreter des niederen Adels und drei doctores iuris). Die Kompetenz des Gerichts beschränkte sich auf Zivilrechts- und Lehensrechtsfälle. Die Sitzungen des Gerichts fanden vierteljährlich statt. Immerhin war dieses Gericht die erste selbständige, vom Fürsten und vom Hofe losgelöste Behörde Sachsens.

1530 begleitet er Georg den Bärtigen zum Augsburger Reichstag, auf dem Kaiser Karl V. eine Klärung der religiösen Fragen erzielen wollte. Auf dem Reichstag übergaben die protestantischen Fürsten und Reichsstände das von Philipp Melanchthon erarbeitete und von Luther gebilligte Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana). Der Kaiser ließ daraufhin von Eck, Cochläus, Fabri und anderen (evtl. auch Pflug) eine Gegenschrift verfertigen, die das Augsburger Bekenntnis widerlegen sollte. Zu einer Einigung kommt es auf dem Reichstag nicht. Die Reichsacht gegen Luther wird bestätigt und die Protestanten werden aufgefordert, sich bis zum April 1531 zu unterwerfen.
1531 wird Julius Pflug Propst des Kollegialstifts Zeitz. Als Propst ist er Leiter der äußeren Angelegenheiten des Domkapitels oder Domstifts. Pflug zieht nach Zeitz und wohnt dort in der am Nicolaiplatz und an der Domherrenstraße gelegenen Propstei.
Das Bistum Zeitz wurde im Jahre 968 von Otto, dem Großen gegründet, aber bereits 1028 verlegte man das Domkapitel nach Naumburg. Damit verlor der Zeitzer Dom seine Stellung als Kathedralkirche. Mithin residierten die Bischöfe nun in Naumburg. Der Stadt Zeitz verblieb ein Kollegialstift, das weiterhin die Rechte eines Domkapitels beanspruchte, die allerdings um 1330 aufgegeben werden mussten.

Das Bistum Naumburg - Zeitz besaß vier Archidiakonate, nämlich die Dompropstei Naumburg, die Propstei Zeitz, die Domkantorei Naumburg und das Dekanat Zeitz. In Zeitz hat Julius Pflug alle Hände voll zu tun, um den sog. Fürstentag vorzubereiten, der in dieser Stadt stattfinden soll. Beim diesem sog. Fürstentag (1537) ging es nicht nur um Fragen und Probleme der Erbeinigung unter den Fürsten, sondern auch um die konfessionellen Gegensätze. Jede religiöse Partei versuchte, die Teilnehmer des Fürstentages, die sich bisher nicht eindeutig festgelegt hatten, auf ihre Seite zu ziehen. Pflug vertrat auch hier die Meinung, durch Zugeständnisse an die Protestanten einander näher zu kommen.
Für die Stadt Zeitz war der Fürstentag eine enorme Belastung. Für 1800 Pferde musste Platz und Streu geschaffen werden (allein Kurfürst Johann Friedrich samt Gefolge erschien mit 520 Pferden), 150 Bewaffnete hielten bei Tag und 50 bei Nacht Wache. Auf den Türmen und auf der Stadtmauer standen Posten. 

Herzog Georg residiert bei Pflug in der Propstei.

Im gleichen Jahr wählt man Julius Pflug in Meißen zum Domdechanten. Als zweithöchster Würdenträger des Domkapitels steht er diesem Gremium vor. Um den neuen Aufgaben gerecht werden zu können, nimmt er in Meißen Wohnung. Mit Bischof Johann von Maltitz leistet er nach dem Tode Herzog Georgs (1539) mit allen Kräften Widerstand gegen die Übergriffe des neuen Kurfürsten auf das Bistum Meißen.

Schlacht bei Mühlberg 1547 und Gefangennahme Kurfürst Johann Friedrichs von Sachsen.
Schlacht bei Mühlberg 1547 und Gefangennahme Kurfürst Johann Friedrichs von Sachsen.

3. Das Wirken als Reformkatholik

Am Hofe Georgs von Sachsen bilden Julius Pflug, Georg von Carlowitz und Georg Witzel (auch Wicel geschrieben, protestantischer Pfarrer in Niemegk, Verhaftung, Übertritt zum Katholizismus,1538 in Dresden, ab 1554 eifriger Schriftsteller in Mainz), eine Reformgruppe. Carlowitz lag sehr daran, endlich eine Einigung zwischen den Konfessionen zu erreichen. Während der Neujahrsmesse 1539 ermöglicht er ein erneutes Religionsgespräch in Leipzig. Doch auch dieses Religionsgespräch führte zu keinem Erfolg. 1539 überreicht er im Auftrag seines Bischofs dem Nachfolger Georgs, Herzog Heinrich, die Schrift „Die Gemeine Christliche Lere in Artickeln", die das Gemeinsame beider Konfessionen in den Vordergrund stellt. Auf Betreiben des Bischofs Johann von Maltitz reist Pflug nach Prag, um dort den Kardinallegaten Aleander für die Einführung des Laienkelchs beim Abendmahl und für das Dulden der Priesterehe zu gewinnen, was ihm den Hass des Kurfürsten Johann Friedrich einbringt.

Im November 1540 findet das Wormser Religionsgespräch statt. Nicolaus Perrenot de Granvelle (1486 - 1550), Justizminister Kaiser Karls V. und dessen engster Vertrauter, gibt den Auftrag, einen gemeinsamen Lehrartikel zu verfassen. Diese Schrift soll dann die Grundlage für das Gespräch auf dem Regensburger Reichstag sein. Auf dem ein Jahr später (1541) stattfindenden Reichstag in Regensburg setzt sich Julius Pflug engagiert für den von ihm erhofften Ausgleich der religiösen Gegensätze ein. Mit großem Eifer und viel bewunderter Beredsamkeit wirbt er für seine Position.

Zusammen mit Johannes Gropper verfasst er die Denkschrift „ad praesides colloquii", das Regensburger Buch genannt. 1546 ordnet Kaiser Karl V. ein Religionsgespräch in Regensburg an. Doch dies war Im Grunde nur ein Ablenkungsmanöver, das dem Kaiser helfen sollte, seine Vorbereitungen des Schmalkaldischen Krieges zu verschleiern. Den Vorsitz bei diesem Gespräch führte Julius Pflug. Ein Ergebnis kam - wie vom Kaiser auch nicht erwartet - nicht zustande.

Am 24. April 1547 erlitten die im Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossenen protestantischen Kräfte in der Schlacht bei Mühlberg eine empfindliche Niederlage. Mithin versuchte Kaiser Karl V. auf dem Regensburger Reichstag im Jahr 1548 die im Schmalkaldischen Krieg unterlegenen Protestanten zur kompromisslosen Annahme der katholischen Lehre zu nötigen. Er beauftragt Julius Pflug, Michael Helding (Mainzer Weihbischof) und den Brandenburger Hofprediger Johann Agricola ein zweites Interim zu verfassen. Darin waren vor allem römisch - katholische Positionen und Inhalte festgehalten worden. Den Protestanten kam man lediglich mit einigen wenigen nebensächlichen Zugeständnissen entgegen. Schon am 15. Mai 1548 wurde dieses zweite Interim als Reichsgesetz verkündet, doch weder die Katholiken noch die Protestanten halten sich daran.

Kurfürst Moritz von Sachsen (1521-1553), Ausschnitt aus dem Ehebild von Lucas Cranach d.J.
Kurfürst Moritz von Sachsen (1521-1553), Ausschnitt aus dem Ehebild von Lucas Cranach d.J.

In Sachsen allerdings nimmt es Kurfürst Moritz für seine Person an, denn er hatte im Schmalkaldischen Krieg die Seiten gewechselt, da der Kaiser ihm in diesem Falle die Übertragung der Kurwürde versprochen hatte. (Seine Untertanen nannten ihn deswegen den „Judas von Meißen"). Moritz wagte es aber nicht, das Interim unverändert seinem Lande aufzudrängen.

So kam Pflug wieder ins Spiel. Er war an Verhandlungen in Leipzig beteiligt, bei denen eine Kirchenagende erarbeitet wurde, die gewundene, vieldeutige und unbestimmte Formulierungen enthielt und nach dem Verhandlungsort die Bezeichnung „das Leipziger Interim" erhielt. 1549 machte man es in Sachsen zum Landesgesetz. Doch schon 1552 verliert es wieder an Geltung, da sich Kurfürst Moritz gegen den Kaiser erhob.

1555 kommt es schließlich zu einem Ende der Auseinandersetzungen. Der Augsburger Religionsfrieden (ohne Mitwirken des Kaisers, nunmehr Ferdinand I., und des Papstes) löst das Problem. Die Lutheraner sind nun als gleichberechtigte Konfession anerkannt. Aber nur den Fürsten ist es erlaubt, ihre Konfession und die ihres Landes zu wählen. (Cuius regio, eius religio). Für die Untertanen gab es diese Wahlfreiheit nicht. Mithin ist der Augsburger Religionsfrieden ein Sieg der Territorialherren über das Reich. Dennoch, der Augsburger Religionsfrieden bedeutet einen ersten Schritt in Richtung Toleranz. Und, was nicht unwichtig ist, er sicherte dem Reich 60 Jahre lang Frieden. 

Julius Pflug hofft nun, dass durch das Konzil in Trient eine dauerhafte Kirchenspaltung vermieden werden kann. Er selbst nimmt an der 2. Sitzungsperiode (November 1551 bis zum März 1552) teil, doch er verlässt das Konzil nach kurzer Zeit, als ihm der Seitenwechsel Moritz‘ von Sachsen bekannt wurde.

Stifterfiguren Ekkehard II. und Uta im Naumburger Dom. Urheber:Josep Renalias.
Stifterfiguren Ekkehard II. und Uta im Naumburger Dom. Urheber:Josep Renalias.

4. Der Kampf um das Bistum Naumburg - Zeitz

Nach dem Tode des Bischofs Philipp von der Pfalz (er war zugleich Fürstbischof von Freisingen), der sein Bistum Naumburg - Zeitz übrigens kaum besucht hat, wählte das Naumburger Domkapitel, das sich gegen die Ausbreitung der lutherischen Lehre mit aller Kraft wehrte, am 20. Januar 1541 den Dompropst Julius Pflug zum neuen Bischof. Der nahm die Wahl an, aber erst nach einer längeren Bedenkzeit. Die Wahl eines katholischen Bischofs widersprach jedoch den Plänen des Kurfürsten Johann Friedrich. Es gelang ihm, den Naumburger Stadtrat dazu zu bringen, einen evangelischen Bischof anzuerkennen. Der Kurfürst ernannte daraufhin Nikolaus von Amsdorf zum neuen Bischof von Naumburg - Zeitz. Die Aktivitäten Johann Friedrichs im Hinblick auf das Bischofsamt in Naumburg - Zeitz stieß auf heftigen Widerstand des Domkapitels und des Adels. Auch Julius Pflug fand sich mit der Entscheidung des Kurfürsten nicht ab.

Am 8. 2. 1544 nimmt Kaiser Karl V. Pflugs Gesuch zur Klärung seines Bischofsamtes persönlich entgegen. Philipp von Speyer wird vom Kaiser beauftragt, mit dem sächsischen Kurfürsten zu verhandeln. Da die Verhandlung zu keinem Ergebnis gelangt, ergeht an Johann Friedrich ein Mandat des Kaisers mit der Auflage, seine Entscheidung bezüglich des Bistums Naumburg zu begründen und keine weiteren Schritte in dieser Sache zu unternehmen. 1545 wird Julius Pflug vom Kaiser offiziell mit dem Bistum Naumburg - Zeitz belehnt. Und an den Kurfürsten ergeht im Oktober 1545 der Bescheidt, den Nikolaus von Amsdorf binnen 14 Tagen zu entfernen. Johann Friedrich aber denkt nicht daran. Auf Grund dessen wird 1546 über den Kurfürsten von Sachsen die Reichsacht verhängt, was von diesem allerdings ignoriert wird.

Doch 1546 sorgt Moritz von Sachsen dafür, dass Pflug das Amt in seinem Bistum antreten kann, kurze Zeit später wird er aber vom Kurfürsten Johann Friedrich wieder vertrieben. Erst durch den Sieg des Kaisers über die Truppen des Schmalkaldischen Bundes am 24. 4. 1547 wird es möglich, dass Julius Pflug unwiderruflich Bischof in Naumburg - Zeitz ist. Der nunmehrige Bischof residierte nicht in Naumburg, sondern in Zeitz.

Bischof Pflug hat es nicht leicht. Fast alle Menschen in seinem Sprengel halten es offen oder insgeheim mit der lutherischen Lehre. Der katholische Gottesdienst kann lediglich im Naumburger Dom und in der Stiftskirche Zeitz wieder eingeführt werden. Der Bischof plante wahrscheinlich, mit Hilfe des Interims alle evangelischen Pfarrer aus seinem Bistum zu entfernen Doch der Bischof musste einlenken. Der Bischof musste es ertragen, dass Kurfürst August von Sachsen in Zeitz, immerhin die bischöfliche Residenz, ein evangelisches Konsistorium einsetzte. Der Dom zu Naumburg, die Kathedralkirche, wurde sogar zur Simultankirche.

Auch die Klöster bleiben aufgehoben. (So dient der ehemalige Klosterbesitz der Zisterzienserabtei Pforta nun der finanziellen Absicherung der 1543 vom Kurfürsten Moritz von Sachsen gegründeten Fürstenschule Schulpforta.)
In Pflugs inzwischen weitgehendest protestantisch gewordenem Bistum gibt es zum Beispiel nur noch einen unverheirateten Pfarrer.

Trotz all dieser Widerstände versuchte Julius Pflug, soziale Missstände in seinem Sprengel abzustellen. Er erließ Vorschriften zum Jagdwesen, die vor allem die Sicherung der Landwirtschaft zum Ziel hatten. 1549 verfasste er eine allgemein verbindliche Kleiderordnung, eine Hochzeits-, Luxus- und Taufordnung, um zu verhindern, dass sich die Leute bei Festen und Feiern durch übermäßige Ausgaben verschulden. 

1550 gründete er eine Lateinschule in Zeitz, da ihm die Bildung der Jugend in seinem Sprengel am Herzen lag. Die 1561 eingeführte Polizeiordnung richtete sich vor allem gegen das Unwesen des Wuchers. In seinem Testament vermacht Julius Pflug 1000 fl den Armen in Zeitz und Naumburg.  

Die wissenschaftliche Tätigkeit

In seinem Testament verfügte der Zeitzer Bischof: „Meine Bibliothek ... sie soll unvermindert allhie in Zeitz an dem Port, dahin ich sie gelegt, bleiben, und meinen successoribus und dem Stift zum Besten erhalten werden."

Seine Bibliothek ist in der Tat fast vollständig erhalten geblieben und bietet dadurch einen reichen Bestand an Schriften der Reformationszeit und zugleich einen Überblick über das Wissensspektrum des 16. Jahrhunderts. Etwa 1100 Bücher und 400 ungebundene Schriften umfasst diese Bibliothek.

Der Zeitzer Bischof korrespondierte mit den geistigen Eliten seiner Zeit, so zum Beispiel mit dem von Maximilian I. mit der Dichterkrone ausgezeichneten Humanisten Ulrich von Hutten (1488 - 1523), mit dem Juristen und Humanisten Willibald Pirckheimer (1470 - 1530), dem Theologen, Philosophen und Philologen Erasmus von Rotterdam (1478 - 1536), dem Theologen Johannes Eck (1494 n- 1554), dem Humanisten und Theologen Philipp Melanchthon (1497 - 1560) oder dem Theologen Martin Bucer (1491 - 1551).

Resigniert lebte Julius Pflug ab 1557 still und zurückgezogen. Er starb am 3. September 1664 in Zeitz und wurde in der Stiftskirche zu Zeitz bestattet.

Quellen

Deutsches Biographisches Archiv (DBA), I Online, hg. B. Fischer, bearb. W. Gorzny, bei De Gruyter Saur

 Brecher, A., „Pflug, Julius von", in: Allgem. Deu. Biographie, hg. Von der Historischen Kommission bei der

Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd 25, 1887, S. 688 - 692.

Raupp, W., Julius von Pflug, in: Biographisches - Bibliographisches Kirchenlexikon (BKL), Bd 15

Herzberg 1999, Sp. 1156 -- 1161

Geschichte des Stiftes Naumburg Zeitz, oder allgemeine Nachrichten von J. P. Chr. Philipp, Zeitz, bei W. Webel, 1800, S.. 93

Bieck, J.E., „Das Dreyfache Interim, So in Regenspurg, Augspurg u. Leipzig...", 721 bei Joh. Chr. Coerner

Johann Bugenhagen und das Leipziger Interim, Bremisches Jahrbuch Bd 67, S. 141 - 143, 198

www.Muenster.de FNZ-online/polistrukture

 Stolllberg - Rilinger, B., Der Augsburger Religionsfrieden, 2003

 Germania Sacra, a .a. O, S.986ff

Stadtarchiv Naumburg, Urkunde 216 / 1, S. Wagner Übertragung des Textes

Stiftsbibliothek und Domherrenbibliothek, in: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland,...  

Bildnachweis

Die Bilder sind Wikimedia Commons entnommen. Sie sind gemeinfrei. 

Bild: Stifterfiguren im Naumburger Dom. Urheber:Josep Renalias.