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Christoph Werner

Schloss am Strom
Roman


Schinkel kämpft in seinen Fieberträumen um die Vollendung seines Bildes "Schloss am Strom". Er durchlebt auf seinem Krankenbett noch einmal sein erfülltes und von krankmachendem Pflichtgefühl gezeichnetes Leben und die Tragik des Architekten und Künstlers, der sich zum Diener des Königs machen ließ

 Das „Hexengrab“ auf dem Bad Dübener Friedhof

Das „Hexengrab“ auf dem Bad Dübener Friedhof

Lutz Fritzsche

Grabstein auf dem Dübener Friedhof.
Grabstein auf dem Dübener Friedhof.

Wenn Sie das Hauptportal des Bad Dübener Stadtfriedhofes durchschreiten, sich nach rechts begeben und bis zur Ecke gehen, dann kommen Sie an jene Stelle, wo in früheren Zeiten die Selbstmörder begraben wurden. Dies geschah immer zu einer Zeit, wo die Stadt noch im Schlaf lag. Früh um vier oder um fünf Uhr, kein Pfarrer, keine Nachbarn und ganz selten Familienmitglieder, nur die Totengräber waren zugegen. Wie so eine Beerdigung abzulaufen hatte, wurde vom Konsistorium in Leipzig bestimmt. Aber ein Grab bekamen auch diese armen Menschen, eben in jener Ecke.

Anfang des 19.Jahrhunderts war es aber damit vorbei und der Ort war dann eine ganz normale Begräbnisstätte. Und genau in der Ecke befand sich einst das Grab der Familie Wellner. Hier hatte der Faktor des Alaunwerkes Schwemsal (heute ist das Alaunwerk ein Stadtteil von Bad Düben) Karl Gotthilf Wellner seiner 1808 verstorbenen Frau ein Denkmal in Form eines außergewöhnlichen Grabsteines gesetzt.

Auf der Vorderseite ist seine Frau abgebildet und der Zeit der Aufklärung entsprechend darunter zwei gekreuzte, verlöschende Fackeln, als Sinnbild des Sterbens. Auf der Rückseite des Steines ist dann folgende Inschrift zu lesen: "Caroline Friederike Wellner geb. Lepsius, gegeben der Erde den 23.Juni 1779 - dem Himmel den 31.Januar 1808. Ihr Staub ruhet hier im Staube, ihr Geist bei Gott, auf diesem vergänglichen Stein ihr Name, ihr Bild in aller Lieben Gedächtnis und ewig im Herzen ihres trauernden Gatten".

Alaunwerk um 1800.
Alaunwerk um 1800.

Karl Gotthilf Wellner war in Raschau (Sachsen) geboren und seit 1788 studierte er an der Bergakademie in Freiberg. 1794 finden wir ihn schon als Faktor auf dem kurfürstlichen Alaunwerk Schwemsal. Am 12.Juli 1807 heiratet er Caroline Friederike Lepsius, Tochter des schon verstorbenen Johann August Lepsius, einst Oberbürgermeister von Naumburg, wo auch die Hochzeit stattfand.

Faktor Wellner blieb noch bis 1831 auf dem Alaunwerk und ging dann in seinen wohlverdienten Ruhestand.

Die Zeit verging, der Stein für seine Frau aber blieb, und da es zu allen Zeiten recht abergläubische Menschen gegeben hat, so verwundert es nicht, dass viele das Grab für das von einer Hexe gehalten haben, weil er sich in jener Ecke der Selbstmörder befand und auch noch das Bild von Caroline Friederike Wellner zu sehen war. Wenn sie an jene Stelle kamen, hielten sie inne, schauten nach links und rechts, ob sie auch nicht beobachtet wurden, um dann dreimal auf jenen Ort zu spucken. Als 1936 ein neuer Gustav - Adolf -Stein zur Erinnerung an den Schwedenkönig und sein Zusammentreffen mit dem Kurfürsten von Sachsen errichtet werden sollte, musste die Ecke des Friedhofes weichen und der Grabstein von Caroline Friederike Wellner kam an die Außenseite der Friedhofkapelle, wo er heute noch steht. Und der aufmerksame Besucher wird hin und wieder vor diesem Stein ein Grablicht brennen sehen. Auch nach über 200 Jahren ist diese Frau nicht vergessen.

 

(Wer mehr wissen möchte: „Geschichte des Alaunwerk Schwemsal" Herausgeber: BW Gutsscheune Schwemsal - 2013 - Preis 5,50 €)