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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Christoph Schlobachs großer Hund

Christoph Schlobachs großer Hund

Willy Winkler

An der Schwarzbach bei Battaune. (1)
An der Schwarzbach bei Battaune. (1)

Weit durch den Wald zieht der herbe Duft schwelenden Kiefernholzes. Leicht und kaum sichtbar steigt er aus den Pechöfen drunten im Tale des Deubitzbaches, der Durchwehnaer Pechhütte. Schon seit einem Jahrhundert gehörte diese Hütte den Schlobachs, Pechbrennern und Wassermüllern der Dübener Heide. Und heute wie ehedem schwelen die Kiefernwurzeln in den runden Öfen und geben Pech, Kienöl, Holzteer und andere Produkte, die auch heute noch in der weiten Welt gebraucht werden. Es liegt ein Stück Waldromantik über dem alten niedrigen Gebäude, aber die Friedrichhütte war einst ein angesehenes Unternehmen, und die Kurfürsten von Sachsen haben mehr als einmal bei ihren großen Jagden in der Dübener Heide in den niedrigen Häusern der Schlobachschen Pechhütte zu Gast gesessen.

Als der Dreißigjährige Krieg beendet und der erste Schlobach die Hütte von seinem Schwiegervater‚ dem Pechbrenner George Döringk zu Falkenberg, erwarb, sah es böse aus, "allermaßen daselbst nichts als ein altes verfaultes Häuslein, ohne Dach, Decke und Ofen gestanden, wie auch ein alter ruinierter Brennofen dabei". Aber die Schlobachs waren arbeitsame und tatkräftige Männer, die aus den Trümmern einen ansehnlichen Besitz schufen, der weithin bekannt wurde.

War es so ein Prachtkerl?
War es so ein Prachtkerl?

Christoph war als der zweite aus der Schlobachschen Besitzerreihe 1697 geboren und von ihm wird eine hübsche Geschichte erzählt, die das Volk bis heute in Erinnerung hat:

Eines Tages hatte Christoph Schlobach eine Kuh auf den Markt nach Schmiedeberg bringen lassen, um einen Erlös für die Wirtschaft daraus zu gewinnen.

Es war aber ein ausgesprochener schlechter Geschäftsgang auf dem Markte, so daß bald dieser und jener wieder abzog, um sein Vieh anderswo anzubieten. Aber Christoph konnte seine Kuh nicht loswerden, so sehr er sich auch darum bemühte, die Käufer boten schlecht. Da sah er zufällig einen außergewöhnlich großen Hund vor dem Wagen eines Fleischers, den er gern erworben hätte. Schon längst hätte er einen solchen für seinen Hof gebraucht, der ja mitten im Walde einsam lag.

Wie gut konnte dieses mächtige Tier bei den immer unsicheren Zeiten einen Mann bezwingen und dazu fünf in die Flucht jagen. Aber auch bei der Sauhatz wäre er gut zu gebrauchen. - Der Fleischer aber, dem der Hund gehörte, wollte keinen geringeren Preis haben als die Kuh, die Christoph zum Markte brachte. Das schien diesem allerdings etwas hoch zu sein, aber trotzdem, wenn auch zögernd, willigte der Pechbrenner in den Tausch ein. - Der Schmiedeberger Fleischer meinte ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Einige Zeit hütete der große Hund sorgsam und gut Haus und Hof der Friedrichshütte. Zuweilen ging der auch mit dem Hausherrn zur Jagd, und dabei fand er besonderes Wohlgefallen, seine Kräfte mit den starken Ebern und den tapferen Sauen der Wildbahn zu messen. Kein Hund griff so zäh und unermüdlich an wie dieser.

Eine Sauhatze.
Eine Sauhatze.

Da kam zur Winterszeit der Kurfürst auf die Pechhütte zu Besuch und zur Jagd. Der fand an dem großen starken Hund Gefallen, zumal der ja bei der Sauhatz so gut zu gebrauchen war. Und das Tier konnte der Stolz seiner Meute werden. Also fragte der Kurfürst den Pechbrenner, ob er das Tier haben könne und um den Preis. Der aber beeilte sich, seinem Landesherrn und Freund seines Hauses ein Geschenk damit zu machen, das der Kurfürst freudig annahm. So kam der Hund zur Meute des Kurfürsten und konnte nun alle Tage Freude an der schönen Jagd haben.

Fürstenzug am Dresdner Schloss, August der Starke.
Fürstenzug am Dresdner Schloss, August der Starke.

Dem Pechbrenner Christoph Schlobach aber schickte der Kurfürst, da er wieder daheim zu Dresden in seiner Residenz war, ein vollständig gesattelt und gezäumtes Reitpferd!

Fürwahr, schien der Tausch eine Kuh gegen einen Hund auch schlecht, einen Hund gegen Pferd und Sattel zu tauschen und dazu noch die Freundschaft des Kurfürsten zu haben, war mehr als gut gelungen!

Bildnachweis

Bild (1) Archiv W. Brekle

Alle anderen Bilder stammen aus Wikimedia Commons, sie sind gemeinfrei.