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Paulus Luther

Sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben. Ein wahrhaftiger Roman

Christoph Werner

Ein lesenswerter und informativer historischer Roman, der das Leben Paul Luthers - jüngster Sohn Martin Luthers und seines Zeichens fürstlicher Leibarzt und Alchimist - erzählt.

Hans-Joachim Böttcher - Interview mit dem Autor und Denkmalschützer

Hans-Joachim Böttcher - Interview mit dem Autor und Denkmalschützer

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Das Ehepaar Hans-Joachim und Eli Böttcher auf dem Sommersitz in Bulgarien (1)
Das Ehepaar Hans-Joachim und Eli Böttcher auf dem Sommersitz in Bulgarien (1)

1. Sie sind in (Bad) Düben geboren und wohnen noch heute in Ihrer Geburtsstadt. Was gefällt Ihnen an diesem Städtchen ?

Dem ist nicht ganz so. Bad Düben ist meine Heimat-„stadt", die Dübener Heide im weiteren Sinne meine Heimat. Mit beidem verbindet mich alles, was man unter „Heimatgefühl" versteht. Obwohl meine Wurzeln also in der Dübener Heide liegen, habe ich natürlich die Zeit meiner Ausbildung und des Studiums in anderen Städten verbracht, wo es mir auch gut gefiel. Seit Jahren ist es zudem so, dass ich mit meiner Frau jährlich zeitweise in Bulgarien lebe, das mir zur zweiten Heimat wurde.

2. Wie war Ihr beruflicher Werdegang?

Bis zur sogenannten „Wende" war ich in leitender Position im Bereich Wissenschaft-Konstruktion in einem Industriebetrieb tätig. Daneben wirkte ich in meiner Freizeit als ehrenamtlicher Denkmalpfleger des Kreises Eilenburg. 1991 erhielt ich dann das Angebot beruflich als Denkmalpfleger des Kreises Eilenburg (der sodann im Kreis Delitzsch und zuletzt Nordsachsen aufging) zu wirken. Diese Chance nahm ich sehr gern wahr, da ich damit endlich dem nachgehen konnte, was ich für meine eigentliche Berufung hielt; der Rettung des architektonischen Erbes meiner Heimat sowie der Beschäftigung mit ihrer Geschichte.

3. Welche Projekte lagen Ihnen als Denkmalpfleger besonders am Herzen?

Neben den technischen Denkmalen, deren Existenz besonders gefährdet ist, da sie zumeist kaum nutzbar sind, waren es besonders die Sakral- sowie herrschaftlichen Bauwerke denen mein besonderes Engagement galt. Besonders lagen mir aber auch kleinere kunsthistorisch bedeutsame Objekte am Herzen, wie historische Grabdenkmale, über die ich auch ein Buch verfasste.

4. Das Land Sachsen hat eine reiche Architekturgeschichte. Welches Gebäude-Ensemble oder Bauwerke gefallen Ihnen besonders? Warum?

So wie zu meiner ehemaligen Wirkungszeit als Denkmalpfleger sind es auch heute noch immer die Schlösser sowie Burgen, Kirchen und von den technischen Denkmalen die Mühlen, die ich gern aufsuche; egal, wo ich mich befinde. Hier glaube ich den Atem der Geschichte besonders deutlich spüren zu können. Besonders faszinieren mich von ersteren Objekten solche, welche in Jahrhunderten baulich gewachsen sind und sich dieses in deren unterschiedlichen am Gebäude vorhandenen Baustilen ablesen lässt, während mich bei alten Mühlen deren urige Technik in den Bann zieht.

Vorn: S.K.H. Dr. Albert Prinz von Sachsen und seine Ehefrau I.K.H. Elmira von Sachsen. Mitte: Hans-Joachim Böttcher (2)
Vorn: S.K.H. Dr. Albert Prinz von Sachsen und seine Ehefrau I.K.H. Elmira von Sachsen. Mitte: Hans-Joachim Böttcher (2)


5. Schon sehr früh traten Sie mit Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitungen, Zeitschriften, Jahrbüchern und dergleichen, aber auch mit Büchern in die Öffentlichkeit. Seit 2011 sind es vorranging ganz speziell Biografien, davon mehrere zu Persönlichkeiten aus dem sächsischen Herrscherhaus der Wettiner, mit denen Sie Aufmerksamkeit erregten. Warum wenden Sie sich diesen Themen zu ?

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Denkmalpfleger begann ich ab 1986 Veröffentlichungen zu verfassen, um interessierte Leser im historischen mitteldeutschen Raum auf Denkmale und ihr geschichtliches Umfeld aufmerksam zu machen und für ihren Erhalt zu sensibilisieren. Dabei berührte ich auch mehrmals das Geschlecht der Wettiner. Das hatte zur Folge, dass der bekannte Historiker S.K.H. Dr. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen mich eines Tages aufforderte über seine, von ihm sehr verehrte Ahnin Christiane Eberhardine, der Gemahlin August des Starken, eine Biografie zu verfassen. Er selbst fühlte sich dazu altersbedingt und durch andere Projekte gebunden nicht mehr in der Lage. Erst mich sträubend, da es ein völlig neues Arbeitsgebiet war, stellte ich mich schließlich der Herausforderung. 2011 brachte der Dresdner Buchverlag die Biografie in den Handel, für die im Übrigen Prinz Albert das Geleitwort verfasste, da sie voll seine Zustimmung fand. Seine Gemahlin Prinzessin Elmira war es sodann, welche mich animierte mich weiter mit den oftmals doch relativ unbekannten weiblichen Mitgliedern der Wettiner-Familie zu beschäftigen. Das erste Ergebnis war das Buch „Anna Prinzessin von Sachsen 1544-1577 - Eine Lebenstragödie", für das Prinzessin Elmira das Geleit schrieb.

Der Autor während einer Lesung auf Schloss Pretzsch (3)
Der Autor während einer Lesung auf Schloss Pretzsch (3)

6. Welche ihrer Bücher sind aus Ihrer Sicht die Wichtigsten?

Jedes meiner Bücher liegt mir am Herzen, da sie alle mit großen Zeit- und Energieaufwand verfasst wurden. Dementsprechend ist diese Frage schwer zu beantworten. Von Anfang an war mein Grundsatz, keine Biografie über eine Person auf den Markt zu bringen, über die es schon „X" Veröffentlichungen im Handel gibt. Demzufolge weisen alle meine Bücher ein Alleinstellungsmerkmal auf und sind so allgemein für Biografie-Freunde, für solche die tragische Schicksale faszinieren und für an der Geschichte Sachsens interessierte Leser gleichermaßen interessant. Außerdem glaube ich mit den meisten meiner Bücher Personen vor dem Vergessen zu bewahren, die das auf Grund ihrer bemerkenswerten Schicksale nicht verdient haben.

7. Welche Quellen nutzen Sie? Was sind historisch belegbare Fakten, was ist Fiktion in Ihren
Büchern?

Alles in meinen Büchern beruht auf historisch belegbare Fakten, die zumeist mühsam aus einzelnen Sekundärquellen, aber auch originalen Materialien in den Archiven zusammengetragen werden. Wo sich Faktenlücken ergeben (wie in der Regel bei Hintergründen von Mordfällen!), die jedoch unbedingt zur Aufhellung der eventuellen historischen Abläufe darzustellen sind, erfolgen das in einer eindeutig erkennbaren spekulativen Wortwahl.

8. Mit Otto von Bismarck haben Sie gemeinsam: Sie arbeiten gern nachts. Warum?

Ich bin eine Nachtmensch und demzufolge zu jener Zeit am produktivsten. Obwohl mich meine Frau in meiner Arbeit sehr unterstützt ist man, davon ganz abgesehen dennoch in den Nachstunden natürlich auch am ungestörtesten. Zur Wahrung des Familienrhythmus nutze ich dennoch diese für mich ideale Arbeitszeit nur sehr eingeschränkt.

9. Welche Projekte beschäftigen Sie im Augenblick?

2016 soll das Buch „Wenig und bös war die Zeit meines Lebens - Anna von Sachsen (1567 - 1613)" in den Handel kommen. In dieser Biografie wird wiederum das mehr als tragische Schicksal einer Prinzessin beschrieben. Sie wurde durch einen italienischen Magier unter sehr merkwürdigen Umständen verführt, was ihren Gemahl, einen Coburger Herzog, zu einer bis zu ihrem Tod währenden unmenschlichen Rache gegen sie veranlasste.
Über das Schicksal von deren Schwester Elisabeth ist das Manuskript zurzeit in Arbeit und im Kern fertiggestellt. Im Rahmen eines Jahre schwelenden Religionskonfliktes mit ihrem Gemahl Johann Kasimir von der Pfalz wurde sie letztlich des Ehebruchs und der Beteiligung an einem Mordanschlag gegen ihn bezichtigt, womit ihr Ehedrama, allerdings bald auch für ihren Gemahl, mit dem Tod enden sollte.
Sehr weit gediehen ist allerdings auch schon ein weiteres Manuskript, in welchem die Beteiligung Sachsens an den sogenannten Türkenkriegen vom 16. bis 18. Jahrhundert abgehandelt wird.
Welchem Buchprojekt ich mich im Anschluss daran zuwenden werde und ob überhaupt, gilt es dann erst einmal abzuwarten; man wird ja schließlich auch nicht jünger.

10. In welchen Vereinigungen oder Gremien sind Sie tätig?

Durch meine intensive Schreib- und der dazugehörigen Forschungstätigkeit zeitlich und nervlich sehr eingespannt und natürlich auch altersbedingt muss ich Prioritäten setzen. So kann ich mich nur noch sehr eingeschränkt auf anderen Gebieten engagieren. Dazu gehört, dass ich ehrenamtlicher Denkmalpfleger bin, wie auch seit 2003 Ehrenmitglied des Mühlenverein Nordsachsen e.V. sowie seit 2014 Ehrenmitglied des Lions Club Eilenburg.

Hans-Joachim Böttcher und das Denkmal (4)
Hans-Joachim Böttcher und das Denkmal (4)

11. Welche Auszeichnungen erhielten Sie?

Abgesehen von den obig genannten Ehrenmitgliedschaften bekam ich 2015 den renommierten Gellert-Preis für Literatur verliehen, der nur alle drei Jahre vergeben wird. Diese Anerkennung meiner langjährigen Autorentätigkeit hat mich natürlich sehr gefreut; denn wann erhält man schon einmal ein öffentliches Lob?

12. Welches Buch, ganz privat, würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ich war wohl sechs-sieben Jahre alt, als mir meine Mutter während einer Krankheit das Buch Robinson Crusoe vorlas. Das hat mich zutiefst beeindruckt und blieb dementsprechend in meinen Erinnerungen haften. Es wäre also für mich überhaupt keine Frage, dass ich dieses noch in meinen Besitz befindliche Buch (im Übrigen eine Ausgabe von 1930) mit auf die Insel nehmen würde, da es noch dazu auch gut vom Thema passen würde.

13. Haben Sie ein Vorbild? Welches Bildungserlebnis war für Sie prägend?

Weder als Mensch noch als Autor habe ich irgendein Vorbild. Ich glaube auch nicht, dass man so etwas braucht; jeder muss seinen eigenen Weg im Leben finden und dann unbeirrt gehen.

14. Was wünschen Sie unserem Freistaat Sachsen in den nächsten Jahren?

Rosa Luxemburg äußerte: "Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei - mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. " Im Sinne dieser Worte hoffe ich als Bürger und besonders Autor, dass in Sachsen und damit Deutschland, trotz derzeitiger massiver gegenteiliger Tendenzen, die Freiheit des Wortes und damit der Meinung jeglichen Couleurs für jedermann uneingeschränkt erhalten bleibt!

Bildnachweis

Bilder 1, 2, 4: Hans-Joachim Böttcher

Bild 3: Archiv Wolfgang Brekle