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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Erzgebirgische Volkskunst – Raachermännel, Nußknacker & Co

Erzgebirgische Volkskunst – Raachermännel, Nußknacker & Co

Andreas Schneider

"Raachermannel" aus Seiffen
"Raachermannel" aus Seiffen

Wer kennt sie heute nicht - die hölzernen, ebenso dickbäuchigen wie gemütlich erscheinenden „Raachermännel" bzw. Räuchermännchen, wie sie zu gut hochdeutsch heißen, die das Siegel „Echt erzgebirgische Holzkunst" genau so stolz auf ihrer Grundplatte in die Welt tragen wie ihre „Brüder" und „Schwestern", die Nußknacker, Reiterlein und Engelorchester, die Kurrendesänger, Spanschachtelfiguren und Spieldosen, die diversen Lichtträger wie Hängeleuchter, Weihnachtspyramiden und Schwibbögen, aber auch die Weihnachtskrippen und Weihnachtsberge mit ihren beweglichen Figuren? Sie alle versammeln sich heute jedes Jahr aufs Neue in der Advents- und Weihnachtszeit in trauter Gemeinschaft in den Fenstern, Stuben und Märkten nicht nur des Erzgebirges und gelten wohl weltweit als stumme Symbole und Botschafter dieses einzigartigen „Weihnachtslands" aus Sachsen.(http://www.sachsen-lese.de/redaxo/index.php?page=content&article_id=514&category_id=253&mode=edit&clang=0)

Natürlich sind sie auch außerhalb der Advents- und Weihnachtszeit zu bewundern - in den großen Schauausstellungen und Erlebnismuseen der erzgebirgischen Volkskunst. Zu nenen wäre da die Ende Oktober 2010 eröffnete „Manufaktur der Träume - Sammlung Erika Pohl-Ströher" in Annaberg-Buchholz mit ihren mehr als 1000 Objekten aus vier Jahrhunderten, für die sich ganzjährig ein Besuch mehr als lohnt, ebenso wie beim 1977 begründeten „Ersten Nussknackermuseum" der Familien Uwe & Jürgen Löschner in Neuhausen im Erzgebirge mit seinen über 5000 Exponaten.(http://www.nussknackermuseum-neuhausen.de) Wir begegnen ihnen aber auch auf Schloss Scharfenstein, in Schneeberg und überall in den Werkstätten und Verkaufsläden der Region. 

Lichterbogen aus Seiffen mit dem Motiv der achteckigen Dorfkirche
Lichterbogen aus Seiffen mit dem Motiv der achteckigen Dorfkirche

 

Überregional erlangte vor allem das „Spielzeugdorf" Seiffen besondere Bedeutung und steht quasi stellvertretend für das ganze „Weihnachtsland": Nicht umsonst wirbt der Ort mit dem Slogan „Im Kurort Seiffen ist immer Saison". Seine unübersehbare achteckige Dorfkirche ist eines der beliebtesten Sujets auf Schwibbögen oder Weihnachtspyramiden geworden und wird auch als Miniaturkirche in der berühmten Zündholzschachtel gern gekauft.
Aber ihre größte Anziehungskraft haben all diese so besondere Stimmung verbreitenden Figuren und Symbole, haben Raachermännel, Nußknacker & Co natürlich zur Advents- und Weihnachtszeit, wenn sie aus ihren Aufbewahrboxen in Kellern und auf Dachböden hervorgeholt und wieder in ihre Funktion als schönste Weihnachtsdekoration eingesetzt werden, auf Fensterbänken, Tischen und Tafeln ...

Holzkunst aus dem Geist der Region – ein neues Markenzeichen

Raachermännel, Nußknacker & Co aus Seiffen
Raachermännel, Nußknacker & Co aus Seiffen

 

Noch vor hundert Jahren waren all diese schönen Holzfiguren außerhalb ihrer Heimat, ihres Entstehungsgebietes im Erzgebirge, kaum bekannt. Dabei gab es im Erzgebirge neben dem Bergbau als Haupterwerbsquelle schon immer eine nicht unbedeutende Hausindustrie, spätestens seitBildnachweis dem Ausgang des Mittelalters. In Nebenerwerbs- und Heimarbeit waren vor allem die Frauen und Kinder der Bergleute tätig: Mit Bortenwirkerei, Spitzenklöppelei und dann um Annaberg auch mit Posamenten konnte sich so manche Familie zusätzlich über Wasser halten. Im 17. Jahrhundert wurde diese textile Volkskunst sogar zum wichtigsten Broterwerb. Sie ist bis heute v. a. im mittleren und westlichen Erzgebirge verbreitet geblieben.

Nussknacker aus dem Erzgebirge
Nussknacker aus dem Erzgebirge
Nach Feierabend pflegte der Bergmann des Westerzgebirges gern ein wenig zu schnitzen und zu basteln: Spielzeug für seine Kinder, Werkzeuge, aber auch dekorative Schaukästen und Geduldflaschen mit Motiven seines Alltags, der bergmännischen Arbeit. Seit um 1650 ist der lichttragende Bergmann in Arbeits- oder Festkleidung als Figur der Weihnachtszeit belegt, anfänglich auch aus Zinn. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde ihm gern ein gedrechselter Engel als zweiter Lichtträger beigestellt. Als Paar wurden die beiden, Bergmann und Engel, nun auch gewerblich hergestellt und sind zu einem bekannten Symbol der erzgebirgischen Weihnacht geworden.
Die hölzernen Weihnachtsfiguren als eigentümliches Genre der Volkskunst sowie die spezielle Volkskultur wurden so etwas wie ein neues Markenzeichen des Erzgebirges, das aber stark vom Bergbau und der in den Weihnachtsbräuchen deutlich sichtbaren Sehnsucht des Bergmanns nach Licht geprägt blieb. Denn als im 18. Jahrhundert der Bergbau im Erzgebirge zurückging, fanden viele Bergleute in der Schnitzkunst einen neuen Haupterwerb. Die Fertigung von Spielwaren sowie überhaupt die Holzverarbeitung besonders der Weihnachtsfiguren entwickelten sich zu einem bedeutenden Zweig der Hausindustrie, also der Fertigung in Heimarbeit und des Vertriebs über so genannte Verleger. Die kamen bis um 1900 zumeist aus Nürnberg, diktierten die Preise und verbreiteten die im Erzgebirge eher billig aufgekauften Waren dann für teuer Geld, auch über die Leipziger Messe. Etwa ab um 1750 wurde die neue Spielzeughausindustrie vor allem im Osterzgebirge prägend; ihre Zentren sind bis heute Seiffen, Olbernhau und Waldkirchen/Grünhain geblieben. Schon im 19. Jahrhundert reisten die Vertreter der Verleger mit großformatigen Musterbüchern durchs Land. Heute gelten sie als wertvolle Quellen der Geschichte der Spielzeugherstellung - die schönsten sind wiederum zwischen 1830 bis 1880 aus Seiffen, Olbernhau und Waldkirchen überliefert. Aus der Feierabendtätigkeit war längst ein Kunsthandwerk geworden, das auch durch die Errichtung Fachgewerbeschulen gefördert wurde, 1853 in Seiffen sowie 1874 in Grünheide. Heute sind hier im Erzgebirge etwa 2000 Beschäftigte in 60 Verbandsbetrieben als „Männelmacher" tätig; ihr Jahresumsatz wird mit etwa 50 Millionen Euro angegeben.

Breite Palette an Motiven und Erzeugnissen – vielfach aus dem Leben des Bergmanns

Die „Häusel- bzw. Männelmacher", also die Spielzeughersteller, Drechsler und Schnitzer, gestalten in ihren Erzeugnissen gern auch ihre Lebenswelten. Ihre Figuren zeigen in ihren Mienen die Sorgen und Hoffnungen des schweren Alltags im Bergwerk, bei der Verhüttung des Erzes und in der Nebenerwerbslandwirtschaft. Berg- und Hüttenleute sowie ihre Lebenswelt findet sich verkleinert auch auf Pyramiden und Weihnachtsbergen. Schon seit dem 16. Jahrhundert bastelten die Bergleute mechanisch betriebene Bergwerksmodelle; aus ihnen gingen dann all die Paradiesgärten, Heimat- und Weihnachtsberge hervor, an denen besonders die beweglichen Einzelfiguren faszinieren. Die Weihnachtsberge vermitteln aber wie die Weihnachtskrippen auch Botschaften des Glaubens - tiefe Frömmigkeit als Anker in schwerer Zeit.
Nach und nach entstanden so die heute typischen Erzeugnisse der erzgebirgischen Volkskunst: die Schwibbögen, die Ende des 18. Jahrhunderts noch aus Eisen gefertigt waren und erst seit um 1900 als Laubsägearbeiten, die Weihnachtspyramiden, für die der älteste Beleg für gewerbliche Produktion aus dem Jahr 1803 stammt und die seit den 1930er-Jahren auch als meterhohe mehrstöckige Ortspyramiden üblich geworden sind, um 1865 die Nussknacker, dann auch Räuchermännchen und Kurrendesänger und seit Ende des 19. Jahrhunderts die Hängeleuchter oder „Spinnen". Vorrangig für Seiffen typisch wurden auch kleine Tierfiguren, die durch Reifendreherei entstehen, sowie die anmutigen Zündholzschachtelminiaturen.

Bildnachweis

Alle Bilder: Archiv U.u.H.Drechsel. Frau Drechsel fotografierte einige Exponate aus ihrer Sammlung erzgebirgischer Holzkunst, die alle aus Seiffen stammen.