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Sachsens letzter König, seine Nachkommen und der Widerstand gegen das NS-Regime

Sachsens letzter König, seine Nachkommen und der Widerstand gegen das NS-Regime

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Friedrich August III. in Uniform, die er so sehr liebte (1)
Friedrich August III. in Uniform, die er so sehr liebte (1)

Des Königs ausgesprochene sächsische Mundart, seine Unbeholfenheit im Wesen und die Art Fragen zu stellen und Bemerkungen zu machen, stießen nicht nur beim preußischen Reichskanzler Bernhard von Bülow auf unwillige Verwunderung. Völlig anders reagierten die Sachsen: Sie empfanden mit dem Schriftsteller Hans Reimann „dn Geenisch“ als „Inkarnation des Sachsentums“. Die Bevölkerung brachte ein großes Maß an Zuneigung und Sympathie ihrem König, Friedrich August III., entgegen. „Dr Geenisch“ war die Inkarnation charakteristischer „sächsischer Empfindsamkeit“. Diese Zuneigung hat sich bei vielen sächsischen Bürgern bis heute erhalten. Übrigens: Auch die Abneigung der Wettiner gegen die preußischen Hohenzollern hallt in Sachsen nach.

http://www.sachsen-lese.de/index.php?article_id=54.

Friedrich  August III. im Kreise seiner Kinder (2)
Friedrich August III. im Kreise seiner Kinder (2)

Die Ehe mit dem Kronprinzen wurde geschieden. Fortan widmete sich Friedrich August als alleinerziehender Vater fürsorglich der Erziehung seiner Kinder.

In seiner Regierungszeit (1904-1918) bekannte Friedrich August „...die Armee... war meine große Liebe“. Er liebte Uniformen und Militärmusik. Viel Zeit widmete er den Protokollpflichten und Ordensverleihungen und der Nobilitation. Unermüdlich reiste er ständig in Sachsen umher, um sich „vor Ort“ ein Bild zu machen. Um seine Begegnungen mit den „Landeskindern“ ranken sich viele Anekdoten. Regierungserfolge konnte er nicht erzielen, ein großer Staatsmann war er nicht, er hielt sich auch nicht dafür. Nach 14 Jahren Regentschaft musste Friedrich August 1918 wie alle anderen Regenten in Deutschland im Sog der Kriegsniederlage und Revolution abdanken. Die Herrschaft der Wettiner ging nach 829 Jahren zu Ende, ausgerechnet der populärste Sachsenkönig musste die Ära beenden.

Schloss Sybillenort (3)
Schloss Sybillenort (3)
Er zog sich auf sein Schloss Sybillenort bei Breslau zurück und führte ein Leben als Landedelmann. Hier starb er am 18. Februar 1932 an den Folgen eines Gehirnschlages. Die Trauerfeierlichkeiten in Dresden gestalteten sich zu einem unerwarteten Triumphzug für den früheren König. Über eine halbe Million Menschen nahmen am Trauerzug teil – viel mehr als damals Dresden an Einwohnern zählte. Wohlgemerkt befehligten das militärische Ehrengeleit Generalmajor Ludwig Beck und Oberstleutnant Friedrich Olbricht, zwei prominente spätere Widerständler des 20. Juli 1944.
In der Mitte Kronprinz Georg, li Prinz Ernst Heinrich, re Prinz Friedrich Christian (4)
In der Mitte Kronprinz Georg, li Prinz Ernst Heinrich, re Prinz Friedrich Christian (4)

War das nur ein Zufall?

Der erste Sohn des letzten Königs, Georg Prinz von Sachsen, intellektuell hochbegabt und von starker persönlicher Ausstrahlungskraft, hatte vor seinem mysteriösen Tod im Groß Glienicker See auffallend viele Kontakte zu Widerständlern des 20. Juli 1944 – vergleiche dazu

http://www.sachsen-lese.de/index.php?article_id=54.

Der dritte Sohn des letzten Königs, Ernst Heinrich Prinz von Sachsen, war als Mitglied des „Stahlhelms“ am Tage des sogenannten Röhm-Putsches von der SS verhaftet worden und im Konzentrationslager Hohenstein interniert. Die SS stellte ihn vor ein feuerbereites Exekutionskommando an die Wand, initiierte eine Scheinhinrichtung. Aber noch scheuten die Machthaber davor zurück, Mitglieder eines ehemaligen Königshauses anzutasten. Nach fünf qualvollen Tagen wurde der Prinz entlassen. Als er nach dem Tod seines ältesten Bruders 1943, P. Georg von Sachsen S. J., öffentlich einen Unfall-Tod bezweifelte und eher an einen verdeckten Mord glaubte, wurde er erneut inhaftiert und von der Gestapo vernommen. Wieder ließ man ihn frei.

Der zweite Sohn des letzten Königs, Friedrich Christian Prinz von Sachsen Markgraf von Meißen, war seit dem Tod seines Vaters 1932 bis 1963 Chef der albertinischen Linie des Hauses Wettin. Sein Sohn, Maria Emanuel Prinz von Sachsen, (später Chef des Hauses Wettin von 1963 bis 2012) lebte 1943 in einem Internat. Die Gestapo fing einen Brief ab, in dem er gegen das NS-Regime mit deutlichen Worten Stellung bezog. Er wurde inhaftiert und wegen Wehrkraftzersetzung und Rundfunkverbrechen angeklagt. Kurz vor Eröffnung des Prozesses kam der zuständige und berüchtigte Richter Roland Freisler im Bombenhagel um. Der in Berlin gut vernetzte Vater Friedrich Christian schaffte es, dass die Anklage auf ein Jugendvergehen abgemildert werden konnte, andernfalls hätte Maria Emanuel die Todesstrafe gedroht. Erst die einrückende sowjetische Armee befreite in Potsdam den politischen Häftling Maria Emanuel Prinz von Sachsen.

Fazit: Die Wettiner lehnten die Nationalsozialisten und deren Ideologie ab. Jedoch ist das Verhältnis der Wettiner zum Nationalsozialismus noch nicht in vollem Umfang wissenschaftlich erschlossen.

Im Jahre 2002 startete der Mitteldeutsche Rundfunk eine Umfrage. Ergebnis: 60% der befragten Bürger in Sachsen konnten sich durchaus wieder ein Königreich vorstellen – mit einem Wettiner an der Spitze. Das war kein Kompliment für den Freistaat Sachsen, aber ein großes Kompliment an die Wettiner. Als Kronanwärter stünde zur Zeit der Chef des Hauses Wettin, Rüdiger Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen Markgraf von Meißen, im Fokus. Er ist ein Ur-Enkel des letzten sächsischen Königs, in der Linie
Großvater: Ernst Heinrich Prinz von Sachsen,

Vater: Dedo Prinz von Sachsen.

Die Ehen der beiden Söhne von Friedrich Christian blieben kinderlos.


Bildnachweis

Kopfbild und Abb. 3: Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Abb. 1, 2 und 4: Sammlung U. Brekle

Literatur

Fellmann, Walter: Sachsens letzter König Friedrich August III. Berlin, Leipzig 1992.

Dresdner Geschichtsverein e.V. (Hrg.): Das „Rote Königreich“ und sein Monarch. Dresdner Hefte, 22. Jahrgang, Heft 80.

Albert Herzog zu Sachsen: Die Wettiner in Lebensbildern. Styria-Verlag. Graz/Wien/Köln 1995.

Hans Reimann: Der Geenich. Anekdoten über den letzten König der Sachsen. Lehmstedt, Leipzig 2007.

Friedrich Kracke: Friedrich August III. Sachsens volkstümlichster König. Ein Bild seines Lebens und seiner Zeit., München 1964.

Luise von Toskana: Mein Leben. Dresden 1991.