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Burg Kriebstein

Burg Kriebstein

Ute Rosner

In Mittelsachsen, im Zentrum der Städte Chemnitz, Leipzig und Dresden, erhebt sich auf einem steilen Felsen über der Zschopau, umgeben von Wäldern und hügeliger Landschaft, die Burg Kriebstein.

Mit ihrem markanten Wohnturm, ihrer einzigartigen Dachsilhouette und imposanten Ringmauer gilt sie als die schönste Ritterburg Sachsens.

Der Burgbau

Burg Kriebstein. Foto: Deutsche Fotothek.
Burg Kriebstein. Foto: Deutsche Fotothek.

Durch ihre Lage auf dem äußersten Ausläufer eines Felsens bzw. Bergsporns gehört die Burg Kriebstein zum Typ der Bergspornburg. Ein künstlich angelegter Halsgraben trennt den Bergsporn vom Hinterland. Eine Brücke über den Halsgraben führt durch ein Torhaus in den Burghof. Gleich rechts hinter dem Torhaus führen Treppen zu dem die Burganlage dominierenden Wohnturm hinauf. Mit seinen 45 Metern ist er das höchste Gebäude der Burg.

In Zeiten, als die Burg bewohnt war, befanden sich im Wohnturm wichtige funktionale Räumlichkeiten. In den beiden unteren Geschossen Vorrats- und Wirtschaftsräume, im zweiten Obergeschoss repräsentative Säle. Die Räume im dritten Obergeschoss bewohnte die Burgherrschaft. Die oberen Bodengeschosse wiederum dienten der Lagerung. Der Besuch des Wohnturms heute gleicht schon fast einer kleinen Zeitreise. Über Flure, Stufen und verwinkelte Gänge gelangt man zu den Räumen, die besichtigt werden können – zum Arbeits-/Herrenzimmer, welches im 19. Jahrhundert durch die Familie von Arnim neu gestaltet wurde, dem Rokoko-Zimmer mit seiner wunderbaren Möbilierung aus dem 18. Jahrhundert und dem Biedermeierzimmer mit seinen originalen Einrichtungsstücken aus der Zeit um 1850.

Diesen wohnlichen Räumen folgt der Rittersaal als einer der repräsentativen Säle im Wohnturm. Beeindruckend hier die Holzbalkendecke mit ihrer Bemalung aus der Zeit nach 1470. Der Alte Festsaal, der zweite der repräsentativen Säle und mit mittelalterlichen Malereien gestaltet, schließt sich direkt an den Rittersaal an. Eng um den Wohnturm herum befinden sich das turmartige Torhaus, der Kapellenflügel, der spätgotische Küchenbau, die Gotische Halle und das Hintere Schloss mit dem Schatzgewölbe.

Die Gotische Halle, ein zweijochiger Raum mit Kreuzrippengewölbe, und das Hintere Schloss bilden einen Gebäudekomplex, der durch ein durchgehendes Obergeschoss aus dem 17.Jahrhundert verbunden ist. Das Schatzgewölbe gehört zu den beeindruckendsten Ausstellungsräumen des Burgmuseums. Über die Jahrhunderte hinweg wurde es mehrfach baulich verändert. Heute zeigt es sich wieder in der Gestaltung des späten 15. Jahrhunderts mit einer illusionistischen Architektur in Form von aufgemalten Porphyrrippen und -bossen. Im Schatzgewölbe ausgestellt sind Gegenstände aus der reichen Kunstsammlung der Familie von Lehndorff, welche kurz vor Kriegsende 1945 in einem Kamin versteckt wurden.

Die Ringmauer mit den Wirtschaftsflügeln schließt den Kreis der Burganlage. Der daraus resultierende Grundriss zeigt deutlich die Anlage als Kombination aus Turm- und Ringburg. Der Wirtschaftsflügel, im 15. Jahrhundert entstanden, beherbergte früher ein Brauhaus, das Gefängnis, einen Tiefkeller, eine Küche und den Burgbrunnen. Im 19. Jahrhundert erfuhr der Flügel größere bauliche Veränderungen und wurde um ein Stockwerk reduziert. Zu besichtigen ist heute hier der Große Festsaal, die Säulenhalle und der aus der Errichtungszeit des Wirtschaftsflügels stammende Burgbrunnen. Der Brunnen wurde bis in das 19. Jahrhundert hinein genutzt, erst nach den letzten großen Baumaßnahmen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts mit Bauschutt zugefüllt. 1981 entdeckte man bei Grabungen die gemauerte Burgkrone.

Geschichte

Burg Kriebstein 1848. Gemälde von Hermann Lungkwitz (1813-1891).
Burg Kriebstein 1848. Gemälde von Hermann Lungkwitz (1813-1891).


Die Burg Kriebstein kann auf eine über 600-jährige Geschichte zurückblicken.

Mit ihrer Gründung Ende des 14. Jahrhunderts befand sie sich im Besitz der Familie von Beerwalde. Erste urkundliche Erwähnung fand sie 1384 in einem Brief Dietrich von Beerwaldes „...den Krywensteyen czubuwen, daruffe myn vater geseßin und uf mich geerbet hat ...“. Bei der Anlage seines Vaters, die hier erwähnt wird, handelte es sich um eine kleine Turmhügelburg, den „Waal“, unweit von Kriebstein im Dorf Beerwalde gelegen, auf der die Familie im 14. Jahrhundert lebte. Durch Brand zerstört und nicht wieder aufgebaut, folgte dieser kleineren Anlage als Nachfolgebau eine neue steinerne Burg: die Burg Kriebstein.

Bis 1407, als der Burgherr erneut mit Kriebstein belehnt wurde, entstanden neue Gebäude wie der Kapellenflügel und kleinere Wirtschaftsgebäude um den zuvor erbauten Wohnturm als ältesten Baubestandteil der Burg herum. 1408 fiel, nach dem Tode Dietrich von Beerwaldes, die Herrschaft an seine Witwe Elisabeth und später an seine Tochter Klara als Leibgedinge. 1465 erwarb die Familie von Schleinitz die Burg, eine Phase größerer Um- und Ausbauten begann ab 1471 unter der Leitung von Arnold von Westfalen, dem berühmten Erbauer der Albrechtsburg zu Meißen. Der Umbau- und Neubau des Wirtschaftsflügels mit dem Tanzsaal sowie des Hinteren Schlosses sowie der Neubau des Küchenhauses sind die wichtigsten Maßnahmen, die in diese Bauphase fallen und in deren Zuge die Burg ihre heutige Ausdehnung, aber auch ihre gotischen Formen erhielt.

In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Burg Kriebstein häufig den Besitzer, bis im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts die Familie von Schönberg die Herrschaft in Kriebstein übernahm. Von Neuem begann eine rege Bautätigkeit, die vor allem die an den Wohnturm grenzenden Bauten und das Torhaus betrafen. In zunehmendem Maße erhielt die Burg ihr heutiges Gesicht. Nachdem im 18. Jahrhundert die Familien von Milkau und von Pflugk die Burg ihr eigen nannten und ihre Spuren hinterließen, erwarb 1825 Hans Carl von Arnim Kriebstein. Die von ihm und seiner Familie veranlassten Baumaßnahmen erfolgten vor allem unter nutzerpraktischen Aspekten. Unter anderem wurde die nördliche Wehrmauer stufenförmig abgetragen, der hölzerne Wehrgang entfernt. Den ursprünglichen Küchenbau aus Fachwerk mit Krüppelwalmdach ersetzte man, der mächtige Kaminschlot wurde abgerissen. Gemäß dem vorherrschenden Stil dieser Zeit hielten neogotische Formen Einzug.

Bis 1945 blieb Kriebstein im Besitz der Familie von Arnim. Bereits 1930 wurden Teile der Burg der Öffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich gemacht, das erste Museum entstand. 1945 wurde die Familie von Arnim enteignet, die Burg „volkseigen“. 1949 öffnete erneut ein Museum seine Türen. Ungenügende Instandhaltung in den folgenden Jahrzehnten führten zu gravierenden Bauschäden, die Bausubstanz insgesamt konnte jedoch erhalten werden. Seit 1993 ist die Burg Kriebstein Eigentum des Freistaates Sachsen, in dessen Auftrag bis 2004 umfangreiche Restaurierungen durchgeführt wurden. Heute zählt sie zu den beliebtesten Ausflugszielen Sachsens.

Die Burgkapelle

Die Burgkapelle gehört zu den ältesten erhaltenen Räumen auf Burg Kriebstein. Sie hat einen quadratischen Grundriss und einen Mittelpfeiler. Die Decke besteht aus vier Kreuzgratgewölben. Sehenswert sind die Wandmalereien aus dem ersten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts, in Secco-Technik ausgeführt. Sie behandeln vorrangig Themen der Marienverehrung – Marienkrönung, Marientod, Anbetungsszene, die überlebensgroße Madonna im Strahlenkranz. Andere Darstellungen befassen sich mit der Legende vom Drachentöter Sankt Georg oder dem heiligen Martin. Immer steht jedoch die christliche Ikonographie im Mittelpunkt.

Die Ausmalungen der Burgkapelle von Kriebstein gehören zu den besterhaltenen spätmittelalterlichen Wandmalereien in Deutschland. Im Zuge der Reformation und auch in den darauffolgenden Jahrhunderten mehrmals übermalt und überformt, wurde die Malerei 1933 bei Sicherungsarbeiten des felsigen Baugrundes wiederentdeckt und restauriert. Bauwasser, damals angewandte Konservierungsmethoden und Verschmutzung durch hohen Besucherverkehr in der Kapelle führten jedoch zu starken Schäden an den kostbaren Wandmalereien. Um diese langfristig zu erhalten, wurde 1994 ein Projekt zur Restaurierung, gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und unterstützt durch das Landesamt für Denkmalpflege und der Hochschule für Bildende Künste Dresden, ins Leben gerufen. 1999 konnte es abgeschlossen werden.

Das Kriebsteinzimmer

Das Kriebsteinzimmer ist eine farblich gestaltete Bohlenstube aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts, der Zeit der Spätgotik. Sie befindet sich im dritten Obergeschoss des Wohnturms, ist 3 x 4,30 Meter groß und gehörte früher wohl zu den Privatgemächern des Burgherrn. Sie entstand erst nachträglich durch den Einbau der Holzwände. Ihre Holzbalkendecke und die Bohlenwände sind reich mit Rankenwerk dekoriert, die Außenwand ist mit figürlicher Darstellung versehen und zeigt den heiligen Christophorus und die Pilger.

Auch mit dem Ziel, diesen besonderen Raum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, übergab 1902 der damalige Burgbesitzer Heinrich Curt von Arnim die drei Holzbohlenwände als Schenkung dem Königlichen Kunstgewerbemuseum Dresden. Viele Jahre war das rekonstruierte Zimmer dort ausgestellt, überstand unversehrt den Krieg und war dann lange Zeit nicht mehr zu besichtigen. 1997 wurden die Holzbohlenwände nach Burg Kriebstein zurückgeführt und das Kriebsteinzimmer als besonderes Exemplar mittelalterlicher Raumgestaltung an seinem Ursprungsort wieder erschaffen.



Quellen:

www.schloesserland-sachsen.de

www.burg-kriebstein.eu

www.burgenarchiv.de