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Sesenheimer Liebeslyrik

Florian Russi

Während seines Studiums in Straßburg lernte Johann Wolfgang von Goethe die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion kennen. Die beiden verliebten sich ineinander und Goethe wurde durch Friederike zu wundervollen Gedichten angeregt.

Einige von ihnen (Heideröslein, Mailied, Willkommen und Abschied u. a.) zählen zu seinen besten und beliebtesten überhaupt. In diesem Heft sind sie vorgestellt und mit Bildern und Erläuterungen angereichert.

Kieselack
Blick auf den Lilienstein und die Sächsische Schweiz über die Felsen der Bastei (1)
Blick auf den Lilienstein und die Sächsische Schweiz über die Felsen der Bastei (1)


Das war so ungefähr zwischen 1880 und 1890, dass in ganz Europa der Name «Kieselack» bekannt wurde.

Kaiser Franz Joseph 1898 (2)
Kaiser Franz Joseph 1898 (2)

Kieselack war Sachse. Er war von der fixen Idee besessen, seinen Namen bekannt zu machen. Er war ein Reklamegenie, aber ohne jedes Ziel. Selbst hatte er gar nichts davon, er wollte nur bekannt werden. So schrieb er, wo er nur hinkam — und er kam leider überall hin —‚ auf Tisch und an Wände, quer über Felsen und Pyramiden, in Gasthofzimmer und an Denkmäler, bald klein, bald wieder in bunten Farben riesengroß seinen Namen Kieselack. Kieselack las man auf Ministertischen und in Aborten, Kieselack am Mont Blanc und in den Tälern der sächsischen Schweiz.
Ganz besonders wild aber hatte er es in den österreichischen Alpen getrieben. Dem alten Kaiser, demselben, dem „nichts erspart geblieben ist“‚ blieb auch der Kieselack nicht erspart. Und so befahl er denn, dieses seltsame Menschentier einzufangen und ihm vorzuführen. Eines Tages also hatte Kieselack «Audienz». An einem schönen Marmortisch saßen er und der alte Franz Joseph einander gegenüber. Der Kaiser nahm sich die Mühe, seinem Berühmtheitskollegen klarzumachen, dass er doch seine Alpen verschonen möchte. Und da der Kaiser sehr lieb bat und einen so sympathischen Bart hatte, wurde Kieselack schließlich gerührt und versprach dem alten Herrn in die Hand, ihm sein Österreich nicht mehr zu verkieselacken. Bis an die Tür begleitete ihn der Monarch. Als er aber an seinen Marmortisch zurückkehrte, las er darauf in großen Buchstaben:

«Kieselack»!

Bildnachweis

Foto 1: Attribution: I, Jörg Hempel

Foto 2: Wikimedia - gemeinfrei