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Unser Leseangebot

Martinsfest - Wir feiern Martini

Florian Russi

Kleine Broschüre mit Texten und Liedern zum Martinstag

Laterne, Laterne ... Im dunklen Monat November hält das Martinsfest einen Lichtpunkt für uns bereit. Vor allem Kinder freuen sich weit im Voraus auf den Martinstag, um mit ihren leuchtenden Laternen durch den Ort zu ziehen. Die Hintergründe zur Geschichte des festes und den traditionellen Bräuchensind in dieser Broschüre festgehalten. Mit einer Anleitung für eine selbstgebastelte Laterne, drei leckeren Rezepten und vielen Liedern, Gedichten und Reimen ist sie ein idealer Begleiter für jedermann.

Lutz Fritzsche - Interview mit dem Historiker und Chronisten

Lutz Fritzsche - Interview mit dem Historiker und Chronisten

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Mein Name ist Lutz Fritzsche. Ich bin am 8. Januar 1955 in Bad Düben geboren.


1. Sie sind in (Bad) Düben geboren und wohnen noch heute in Ihrer Geburtsstadt. Was verbindet Sie mit Ihrer Heimat, die sie selten verlassen haben?

Zuerst sind es die Menschen und dann natürlich die reichhaltige Geschichte und die Natur, die mit der „Dübener Heide“ direkt vor der „Haustüre“ liegt.

Alaunwerk Schwemsal bei Bad Düben
Alaunwerk Schwemsal bei Bad Düben


2. Gibt es einen Ort, wo Sie sich besonders gern aufhalten?

Da gibt es viele Orte. Als Historiker am liebsten auf dem alten Alaunwerk. Dieses war die erste frühkapitalistische Industrieanlage in der „Dübener Heide“, den Dübener Mühlen natürlich und der Burg, mit dem Landschaftsmuseum.

Lutz Fritzsche links mit seinem Großvater Willy Winkler
Lutz Fritzsche links mit seinem Großvater Willy Winkler


3. Wer und was hat Sie in Ihrer Entwicklung gefördert?

In erster Linie mein Großvater Willy Winkler, auch wenn er sich selbst nicht als Historiker sah, sondern als Schriftsteller. Er hat aber in mir die Liebe zur Geschichte meiner Heimat geweckt. Auch sein alter Freund, beide kannten sich schon seit der Schulzeit, Hans Wannewitz, unterstütze meine Arbeit.

4. Hatten Sie Vorbilder?

Meine Vorbilder bleiben wohl immer meine Großeltern, Erika und Willy Winkler. Bei ihnen verbrachte ich die schönste Zeit in meiner Kindheit und den Jugendjahren. Sie waren da, wenn ich Sie brauchte und ich half Ihnen so gut ich konnte.

Lutz Fritzsche bei einer Buchvorstellung
Lutz Fritzsche bei einer Buchvorstellung


5. Seit wann traten Sie mit Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitungen, Zeitschriften, Jahrbüchern und dergleichen, aber auch mit Büchern in die Öffentlichkeit?

Seit 1990, wobei im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig habe ich schon seit 1987 geforscht. Aber einfach etwas veröffentlichen konnte man nicht in der DDR. Alles wurde streng kontrolliert und allen Menschen erst einmal misstraut.

Heute können wir in einem freiheitlichem, demokratischem Rechtsstaat leben und dürfen aber nicht vergessen, dass das nicht immer so war. Bei allen Unzulänglichkeiten und bei allem was wir noch verbessern müssen in unserem Land, dürfen wir nicht vergessen, das es allen die hier leben, noch nie so gut ging wie Heute. In Erinnerung ist mir geblieben, wie ich im Januar 1990 noch nach Eilenburg, zum damaligen Rat des Kreises, fuhr und nach einer Druckgenehmigung fragte und nach einer Woche dann die Mitteilung kam, das ich diese jetzt nicht mehr brauche. Waren vorher nur die Gedanken frei, ab da war es auch mein Wissen und meine erste kleine Broschüre entstand.

Lutz Fritzsche beim Aktenstudium
Lutz Fritzsche beim Aktenstudium


6. Wann wurden Sie zum Chronisten der Stadt Bad Düben berufen?

Dies geschah auf der 35. Sitzung des Stadtrates von Bad Düben, am 11. April 2017. Alle anwesende Stadträte und unsere Bürgermeisterin, Astrid Münster, stimmten zu.

7. Welche Themen interessieren Sie besonders? Warum gerade diese Themen?

Es sind meist die noch nicht so viel erforschten Sachen, Themen die kaum Erwähnung finden in der Geschichtsschreibung, die aber das wahre Leben unserer Vorfahren widerspiegeln. Es hat mir, zum Beispiel, viel Freude gemacht, den Nachweis zu erbringen, dass Martin Luther wirklich 1519 in Düben die Reformation eingeführt hat. Als Atheist, ist mir aber auch bewusst geworden, das Religionen für viele Menschen wichtig sind, sie dürfen nur nicht über andere Menschen bestimmen und versuchen vorzuschreiben was jeder zu denken hat.

Ein anderes Thema ist die Entwicklung von Bad Düben und Umgebung nach den Befreiungskriegen von 1813, bis zur raschen Entwicklung des Kapitalismus nach 1850 in unserer Heimat. Von Bad Düben alleine gibt es ungefähr 8500 Akten in den Archiven, etwa 1000 habe ich bis jetzt gelesen. Es bleibt also noch viel zu tun.

Lutz Fritzsche auf Spurensuche
Lutz Fritzsche auf Spurensuche


8. Welche Projekte beschäftigen Sie im Augenblick?

Es sind oft mehrere Sachen, auch abhängig von Jubiläen und historischen Höhepunkten. Im Hintergrund läuft aber immer die Hauptaufgabe – sammeln, archivieren, publizieren. Bewahren des Guten in der Geschichte, erinnern an das Schlechte, damit es sich nicht wiederholt und möglichst viele Menschen in die Arbeit, auf verschiedenste Weise, mit einbeziehen.

Dazu kommen noch verschiedene Sammlungen, zum Beispiel Plakate, Fotos, Zeitungen und Werbung. Aber auch Publikationen anderer Autoren.

Wichtig ist auch, dass wir nicht nur bewahren, was man uns hinterließ, sondern auch aus der Gegenwart etwas für die Zukunft sammeln. Sonst sind wir wirklich nur diejenigen, die eine kaputte Welt hinterlassen. Und es ist wichtig, dass wir es aufschreiben, denn das geschriebene Wort bleibt. Alles andere ist manipulierbar. Neben den im vorigem Jahr, begonnenen Lutherführungen, gibt es ab Mai 2018 auch die thematische Stadtführung „Kriegsspuren“. Hier geht es um den 30jährigen Krieg, die Befreiungskriege 1813, den 1. und 2. Weltkrieg und die hinterlassenen Spuren dieser Kriege in Bad Düben.

9. Welche ihrer Bücher oder Veröffentlichungen sind aus Ihrer Sicht die Wichtigsten?

Örtlich gesehen sicher alle. Die Geschichte des Alaunwerkes Schwemsal, als erste frühkapitalistische Industrieanlage in der Dübener Heide und eines der größten Alaunwerke weltweit, hat dann natürlich einen größeren Stellenwert.

10. Welches Buch, ganz privat, würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

„Die Elenden“ von Victor Hugo

11. In welchen Vereinigungen oder Gremien sind Sie tätig?

Im Verein „Museumsdorf Dübener Heide e.V.“

12. Was wünschen Sie dem Freistaat Sachsen in den nächsten Jahren?

Eine Politik für die Zukunft und Politiker die über den nächsten Wahltermin

hinaus schauen und sich mehr den Bürgern zuwenden, statt ihrem Schreibtisch.

Bildnachweis

Alle Abb. und Fotos stellte Lutz Fritzsche für den Artikel zur Verfügung.