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Weihnachten

Ein Fest der Familie und des Friedens

Florian Russi, Herbert Kihm (Hg.)

Alle Jahre wieder feiern wir das Weihnachtsfest im Kreise unserer Familie und lassen althergebrachte Traditionen in familiärer Atmosphäre aufleben. Doch wo hat das Fest seinen Ursprung, warum feiern wir Weihnachten und woher stammt der Christbaum?

Das liebevoll gestaltete Heftchen gibt Auskunft hierüber und enthält zudem eine kleine Sammlung der bekanntesten Weihnachtslieder. Des Weiteren Rezepte laden zum Kochen und Backen ein.

Die Buschweiblein

Die Buschweiblein

Ein Bauer aus Spitzkunnersdorf pflügte einst gegen Abend noch auf seinem Felde, das am Fuße eines Hügels lag und sich bis an den Busch erstreckte. Da hörte er ein Geräusch und mehrere weibliche Stimmen. Als er sich umsah, dampfte der Gipfel des Berges und eine Menge Holzweiblein wimmelte umher, die backten Kuchen. Der Bauer bat, auch für ihn einen Kuchen zu bereiten. Und siehe da, als er am nächsten Morgen aufs Feld kam, fand er auf dem Raine neben seinem Acker den schönsten Kuchen.

Musikschule der Stadt Markneukirchen (Vogtland)
Musikschule der Stadt Markneukirchen (Vogtland)


Oft ließen die Buschweiblein sich im Dorf blicken und suchten bei einem Bauern Unterschlupf. In Markneukirchen in der Mühle halfen sie tüchtig in der Wirtschaft mit. Sie trugen Wasser und Stroh herbei, stampften Viehfutter und halfen auch beim Füttern. Die Mägde waren froh über die Hilfe der Kleinen, dabei schenkten sie dann und wann ein Stück Brot und einen frischen Trunk. Einst wurde eine neue Magd aufgenommen. Diese fluchte und wetterte bei der Arbeit, dass den Holzweiblein Hören und Sehen verging. Von dieser Zeit an mieden die guten Geister die Mühle.

Die Buschweibel, die in den Wäldern am Hohenstein zwischen Graslitz und Markneukirchen wohnten, kamen häufig in die Häuser und baten um Essen. Zum Dank schenkten sie den Leuten einen seltenen, kostbaren Stein oder eine heilkräftige Pflanze. In Steinbach bei Grumbach saß ein solches Buschweibel manch liebes Mal auf der Ofenbank und spann. Wenn es das Gespinst in die Stube warf, musste man ihm zu essen geben.

Bei einer Bäuerin unterhalb des Astberges sprach alle Tage ein Buschweiblein vor, ganz zerrissen und in Lumpen gehüllt. Das half der Frau bei der Arbeit. Wollte die Bäuerin melken, so tat das Weiblein mit und brachte immer mehr Milch als die Bäuerin. So ging es bei jeder Arbeit; aber das Buschweiblein sprach niemals ein Wort dabei. Wenn die Leute mit der Hausarbeit fertig waren, setzte sich das fremde Weiblein an den Spinnrocken und spann in ganz kurzer Zeit so viel, wie die Bäuerin in zwei Tagen kaum fertig brachte. Darüber freute sich der Bauer, denn sein Hausstand gedieh, so dass er bald seine Schulden bezahlen konnte. Jedes mal wenn es zum Mittag läutete, ging das Buschweibel wieder den Astberg hinauf und verschwand. Nun wollte die Bäuerin dem fremden Weiblein auch einmal eine Freude machen. Sie nähte ein Kleidlein von der selbst gesponnenen Leinwand und schenkte es ihm. Aber da wurde das Buschweiblein ganz traurig und kam nie mehr wieder – die Hilfskraft sollte unbemerkt bleiben!