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Berndt Seite

N wie Ninive
Erzählungen

In metaphorisch einprägsamen Stil  werden verschiedene Schicksale erzählt, die ihren Haupthelden alles abverlangen, sie an ihre Grenzen bringen. Bei der Frage nach der Schuld, nach Gerechtigkeit und Gott verstricken sich Zukunft und Vergangenheit. 

"Er hat einen eigenen Ton, ein bisschen mecklenburgisch erdenschwer, aber dann auch wieder sehr poetisch"

Frankfurter Allgemeine 07.10.2014 Nr. 232 S. 10 

Vun dr Langeweil'

Vun dr Langeweil'

Wie iech amol durch L. ging, wann saah iech – ne Koarl, mei Schulkamerod. ´r log zun Fansterbraadel ´raus, in dr Gusch hatt‘ ´de lange Paff un ließ se zr Mauer ´ro bammeln.

Mr hatten uns ena zenst Reih‘ Gar‘ haar net gesaah‘, drim drzöhleten mr uns nu, wie‘s uns dohaar

drgange is, epp Dos un Genn‘s noch äsn is, wu vun unsern Kameroden Daar oder dr Annere itze

stacket – nu, ihr wisst ´s schuh, wos nu su ´rüber un ´nüber geredt werd.

Do drfuhr ich nu , dos is‘n Koarl ganz gut gieng: ´r hatt‘ su en richting Faulenzerposten drwischt –

fast ne ganzen Tog über nischt ze thu‘ un enn sichern Pfeng Gald drbei. ´s werd net äjeden su wuhl!

Wie ´r nu dos su soong that, doss‘r manning Toog stundenlang an Fanster lögn ´naus söhch, wos draußen verbei ging, fröget ienge*:

„Werd dr dä do net Zeit un Weil‘ lank?“

„Fr wos,“ spricht ´r do, „soll mr dä neer de Zeit lank waar‘n, iech ho doch nischt ze tuh‘!“

Jetzt wußt‘ iech‘s, dor dr Koarl Ener war, dann de Zeit neer bei dr Arwett lank wur‘. ´s söll

manning setten gaam.

* ich ihn

Quelle

Anekdoten und Gedichte. Annaberg 1904