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Alle unter dreißig! – 103. Ausgabe der allmende – Zeitschrift für Literatur

Herausgegeben von Hansgeorg Schmidt-Bergmann im Auftrag der Literarischen Gesellschaft, Karlsruhe
Redaktion: Matthias Walz und Hansgeorg Schmidt-Bergmann
39. Jahrgang

Wer schreibt eigentlich die Literatur der Gegenwart? Junge deutschsprachige Autorinnen und Autoren im Fokus: In der neuen Ausgabe stellen Nachwuchstalente sich und ihre Bücher vor. Ist das Alter oder die Erfahrung des/der Schreibenden ein Kriterium oder gar ein Garant für den Erfolg eines Buches? Wie spiegeln sich die Lebensrealität oder globale Krisen in der Literatur? Jede Autorin und jeder Autor gibt einen spannenden Einblick in den eigenen Schreibprozess und berichtet unter anderem von ersten Erfahrungen mit Verlagen.

Das Chemnitzer Schauspielhaus

Das Chemnitzer Schauspielhaus

Henner Kotte

Theater schlägt Flammen

„Ja, es liegt an uns selber, was wir aus uns machen.“ Die Stücke Volker Brauns waren der DDR Provokation. Selbstbewusst setzt Tinka ihren eigenen Anspruch auf Arbeit und in Liebe durch und „redet sich nicht mehr heraus“. Das Chemnitzer Theater war als Experimentierbühne kritischer Autoren und Sprungbrett für Talente wohl bekannt. „Damals war das Schauspielhaus ein Ort, an dem man die offenen oder verschlüsselten Botschaften hinsichtlich des Lebens in der DDR und der Kritik an den Verhältnissen aufsaugte.“ Für Schauspieler Ulrich Mühe, Corinna Harfouch, Michael Gwisdek und Regisseure wie Frank Castorf, Michael Thalheimer, Armin Petras begannen hier Karrieren. 1976, kurz vor der Premiere von Brauns Skandalstück, schlugen aus dem Bühnenhaus Flammen.

Das gibt Verschwörungstheoretikern bis heute Stoff. Konnte sich der Sozialismus selbst nicht trauen? Die verbliebene Ruine riss man ab und baute am Park der Opfer des Faschismus neu. Die Programmatik verlor man nicht: „Als eine der großen Chemnitzer Kultureinrichtungen mit überregionaler Ausstrahlung fühlen wir uns besonders dem Chemnitzer Publikum verpflichtet, den Fragen und Themen, die in dieser Stadt drängend sind.“ So mischt sich das Theater als 5-Sparten-Haus mit Oper, Schauspiel, Philharmonie, Ballett und Figurenbühne mit diskutierten Erstaufführungen oder gewagten Interpretationen auch heute ein. So war „Tinka der verzweifelte Versuch, durch Provokation zu erzwingen, was durch bloßes Zureden nicht zu erreichen war: Dialog in der Öffentlichkeit.“ Genau das soll/kann/muss Theater leisten.

Figurentheater und Schauspielhaus

Zieschestraße 28

09111 Chemnitz

Tel.: 0371 / 4000430

https://www.theater-chemnitz.de/


Opernhaus

Theaterplatz 2

09111 Chemnitz

Tel.: 0371 / 69695


*****

Textquelle

Kotte, Henner: Chemnitz: Die 99 besonderen Seiten der Stadt, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2017.


Bildquelle

Vorschaubild: Das historische Schauspielhaus Chemnitz, nach 1925, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons gemeinfrei.

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