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Florian Russi | Andreas Werner

Krabat ist die bekannteste Sagenfigur aus der Oberlausitz. Das Müllerhandwerk und das Zaubern hatte er vom "schwarzen Müller" erlernt, von dem man gemunkelte, dass er mit dem Teufel im Pakt stand. Irgendwann musste es zum Machtkampf zwischen Meisetr und Schüler kommen. Die Hauptwirkungsstätte Krabats war die Mühle in Schwarzkollm, einem Dorf, das heute zu Hoyerswerda gehört. Die Mühle besteht noch und hat nach umfänglicher Restaurierung nichts von ihrer Romantik und Magie verloren. Seit 2012 finden hier die Krabat-Festspiele statt.

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Die Verwandlung

Die Verwandlung

Florian Russi

Gerade noch rechtzeitig hatte Krabat im geheimen Zauberbuch seines Meisters gelesen. Zwar hatte der Schwarze Müller nichts davon bemerkt, dass Krabat ihm den Schlüssel zur Dachkammer entwendet hatte, doch missttraute er Krabat grundsätzlich. Er fürchtete uns hasste ihn. Deshalb fasste er den Entschluss, ihn für immer loszuwerden. Er wusste, dass der Mann, der ihn immer mal wieder besuchte und den seine Lehrlinge den „Alten“ nannten und für einen Teufel hielten, auf der Suche nach einem neuen Diener war. Also wollte er ihm Krabat heimlich überstellen, was er auch schon mit anderen Lehrlingen getan hatte, nachdem sie ihm missliebig geworden waren. Der Schwarze Müller hatte kein Gewissen. Er wusste, dass der alte Krabat missbrauchen, misshandeln und zu Tode quälen würde.

Eines Tages ließ der Schwarze Müller nach Krabat rufen und als der ihm in seiner Arbeitsstube entgegentrat, warf er flink ein Netz über ihn und verzauberte ihn in einen Raben. Je mehr Krabat sich wehrte und mit den Flügeln schlug, desto mehr verheddderte er sich in dem Netz und war schließlich voll darin verfangen. Der Schwarze Müller verließ daraufhin seine Stube und gab seinen Lehrlingen und Gesellen verschiedene Befehle, so dass alle die Mühle verließen, um die ihnen aufgetragenen Besorgungen zu machen. Keiner von ihnen sollte sehen, was nun mit Krabat geschah.


Inzwischen war eine Kutsche des Alten vor der Mühle in Schwarzkollm vorgefahren. Sie war ganz aus schwarz lackiertem Holz g efertigt und hatte keine Fenster. Auf dem Kutscherbock saß ein Mann mit abgerissenen Kleidern und hielt, ohne um sich zu schauen, die Zügel der beiden Zugpferde fest. Der Schwarze Müller öffnete die Tür zur Kutschenkabine, die innen leer war, und warf das Netz mit dem gefangenen und in einen Raben verwandelten Krabat auf deren Boden.

Dann schloss er die Tür schnell wieder und rief: „Fahr zum Teufel, du eingebildete Rotznase.“ Sofort hob der Kutscher die Zügel und setzte die Pferde in Gang.
Etwa 30 Meilen fuhr er, dann erreichte er seinen Gutshof, der abseits des Dorfes am Rande eines Waldes lag.

Hier wurde er schon ungeduldig von dem Alten erwartet. Hastig öffnete der die Kutschentür und griff nach dem Netz, das auf dem Boden der Kabine lag. Doch darin saß kein zitternder Vogel gefangen. Stattdessen löste sich aus dem Gewirr eine kleine giftige Natter, die nach der Nase des Alten schnappte. Voller Schreck ließ der Netz und Natter fallen, worauf sich die Schlange mit einem Schlage wieder zurück in einen Raben verwandelte, der krächzende Laute ausstieß und eilig davon flog.

Der Alte stand starr und blickte seinen Kutscher an. Dann rief er: „Der Schwarze Müller hat mich reingelegt. Das wird er bitter büßen müssen.“ Mit scheußlichen Worten verfluchte er den Müller und wünschte ihm, dass er schon bald auf grausame Weise ums Leben kommen solle. Der Rabe aber flog mehrere Meilen übers Land bis er ans Ufer der Spree gelangte. Dort landete er und verwandelte sich zurück in den Müllergesellen Krabat. Er dankte dem lieben Gott für seine Rettung und dafür, dass er beim Belauschen des Schwarzen Müller und beim Lesen in dessen Zauberbuch herausgefunden hatte, wie man sich in einen Raben oder in ein anderes Tier verzaubern konnte. Als sein Meister wenig später von der Verwandlung erfuhr, verfluchte er seinen früheren Gesellen nach allen ihm bekannten Regeln der schwarzen Magie. Doch Krabat hatte bei ihm nicht nur gelernt, sich und andere zu verzaubern, sondern auch, böse Wünsche von sich abzuwehren. Zufrieden kniete er nieder, um seine Stirn mit Spreewasser zu kühlen. Dann brach er auf und wanderte den Fluss entlang, um in einer anderen Mühle eine neue Arbeit zu suchen.

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