Sachsen Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.sachsen-lese.de
Unser Leseangebot

Paulus Luther

Sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben. Ein wahrhaftiger Roman

Christoph Werner

Ein lesenswerter und informativer historischer Roman, der das Leben Paul Luthers - jüngster Sohn Martin Luthers und seines Zeichens fürstlicher Leibarzt und Alchimist - erzählt.

Sommertheater Malve

Sommertheater Malve

Dr. Konrad Lindner


0. Multitalente


Sie sind farbliche Multitalente: Die Malven oder Stockrosen. Ihre Blütenstengel ragen bis zu zwei Metern in die Höhe und zeigen während der Sommermonate farbenfrohe Blüten. Hier Pflanzen mit weißen Blüten und dort Blumengesichter in den Farbtönen Gelb und Rosa oder Violett sowie Dunkelrot und sogar Schwarzrot. Bereits im Mittelalter wuchsen Malven in den Klostergärten, breiteten sich aber auch in Bauerngärten aus. Editha Weber macht darauf aufmerksam, dass auf dem Gemälde das „Paradiesgärtlein“ von etwa 1410 – es hängt im Städel Museum in Frankfurt am Main - rot- und weißblühende Malven zu entdecken sind. (01) Seit vielen Jahrhunderten wurde aus Malven Kunst.

1. Malvenfeste

Ein großer Malvenliebhaber war Johann Wolfgang von Goethe. Am 27. August 2012 machte ich für ein Feature über die Pflanzen- und Gartenpassion des Ministers in Weimar Radioaufnahmen. Dorothee Ahrendt von der Klassikstiftung Weimar erzählte beim Rundgang durch Goethes Garten im Park an der Ilm über die Malven am Wegesrand: "Das sind ganz normale Stockrosen oder Bauernrosen, wie man auch sagt. Diese ganz einfache Malve, die man auch in den Bauerngärten findet. Die hat Goethe aber fasziniert, weil sie in vielen verschiedenen Blütenfarben vorkommt und weil die einzelnen Blüten oder Knospen den Stiel hinauf wandern. Wie kleine Soldaten stehen die dann da - so hat er sich auch mal geäußert – in ihren bunten Röcken. Das hat ihm sehr gefallen." Für den Blumenfreund war die Zeit der Malvenblüte der gärtnerische Höhepunkt des Jahres. Georg Balzer schreibt in seinem Buch "Goethe als Gartenfreund" (1966) über die Malvenvorliebe des Dichters und Naturforschers, die er inmitten des Gartens im Park an der Ilm auslebte: "Brachen die Blüten an den mannshohen Malven hervor, dann breitete sich ein festlicher Glanz prunkender Farben über den stillen Sommergarten. Dann leuchteten unzählige großer Blütenrosetten in brennendem Gelb, in zartem Rosa, in kräftigem Lackrot, in feierlichem Violett vor dem dunklen Grün der Bäume und Sträucher." (02; S. 79/80.) Den Hauptweg zum Stein des guten Glücks schmückte im Parkgarten zu beiden Seiten eine "lange Allee hoher Malven". (02; S. 68.)


Aus Anlass des Blühens der Stockrosen fanden "Malvenfeste" statt. Im Gartentagbuch notierte Goethe noch im Jahr 1831 für den 14. August: "Mit Ottilien in den untern Garten, die Malvenallee in ihrer vollen Blüthe zu sehen". (02; S. 211.) In Goethes Herbarium ist eine getrocknete Malvenblüte überliefert, deren Beschriftung "Malva arborea L." von dem Jenaer Botanikprofessor Johann Georg Carl Batsch durch den Namen "Alcea rosea L." aktualisiert und korrigiert worden ist. (03; S. 29.) Der Name "Alcea rosea L." war in der Mitte des 18. Jahrhunderts von dem schwedischen Arzt und Botaniker Carl von Linné eingeführt worden. (04; S. 687.) Im Linnaean Herbarium, das in London aufbewahrt wird, wird die Pflanze mit dem Namen "Alcea rosea" unter der Nummer 869.1 gezeigt. Als Herkunftsort ist der Botanische Garten in Uppsala angegeben.

2. Malven am Haus

Ein eindrucksvolles Malvenbild hängt im Großformat 100,5 cm x 87,5 cm in den Kunstsammlungen Chemnitz. Karl Schmidt-Rottluff schuf das Ölgemälde "Malven am Haus" im Sommer 1926. Entstanden in dem Fischerdorf Jörshöft in Hinterpommern. (05; S. 260.) Ein Strauch Stockrosen mit großen roten Blüten beherrscht den Bildraum vor einer Hausfassade. "Schmidt-Rottluff hat für diese hochwachsenden Blütenstängel ein für ihn ungewöhnliches helles Rosé und ein intensives Pink gewählt. Die Farbe ist ... mit breiten Pinselstrichen aufgetragen und besteht aus auf der Palette gemischten, farbig differenzierten und auch relativ dickflüssigen, stark deckenden Farben." (05; S. 260.) Aus dem Bild drängt durch die exzessive Farbigkeit kraftvoll das Wärme- und Lebensgefühl eines Sommertages hervor. In ihrem Kommentar schreibt Beate Ritter: "Der Sommer 1926 war sehr wechselhaft, sodass der Künstler die kurze Schönwetterperiode Anfang August sicher als besonders wohltuend empfand, was sich in diesem Motiv mit dem von Sonne beschienenen Garten widerspiegelt." (05; S. 259.) Malven in Blau gibt es kaum; dafür beeindrucken diese Pflanzen mit den geraden und hohen Blütenstengeln durch viele andere Blütenfarben. Stockrosen sind einfallsreiche Künstler, die zur Feier des Sommers in Weiß und Rot und Gelb erstrahlen. Bricht aus den grünen Kugelknospen über Nacht zum Beispiel das Violett der trichterförmigen Blüten hervor, erleben wir die Seinsweise des Wirklichen eindringlich als ein Geschehen in Raum, Zeit und Farbe. Blüten werden bei den zweijährigen Pflanzen erst im zweiten Sommer gebildet und reifen zu Samen, die von Neuem den Wachstumsrhythmus der Pflanzen beginnen. Erstaunlicher Weise aquarellierte Goethe keine Malven. Aber ihr Formen- und Farbenspiel hatte er im Blick, als er im Juni 1798 auf dem Pflanzenberg zu Jena sein Liebes- und Lehrgedicht über "Die Metamorphose der Pflanzen" mit den Zeilen zu Papier brachte: "Rings im Kreise stellet sich nun, gezählet und ohne / Zahl, das kleinere Blatt neben dem ähnlichen hin. / Um die Achse gedrängt, entscheidet der bergende Kelch sich, / Der zur höchsten Gestalt farbige Kronen entläßt."

Malven-Blüten-Farbenkreis
Malven-Blüten-Farbenkreis

3. Blütenfarbenkreis Malve


Die hier versammelten Aquarelle entstanden Ende Juli 2021. Es ging mir darum, mich jeweils für eine Blüten- und Hauptfarbe zu entscheiden. In Abhängigkeit vom zentralen Farbton galt es, ein insgesamt stimmiges Blumenbild zu arrangieren. Vincent van Gogh, der auch Malven porträtierte, meinte 1885, dass "ein Maler gut daran tut, wenn er von den Farben auf seiner Palette ausgeht, statt von den Farben der Natur". (06; S. 139.) Das Miteinander der Farben auf dem Blatt entscheidet darüber, ob ein Aquarell als gelungen erscheint oder nicht. Die Serie zeigt, dass sich Sommerblumen mit ihren Blütenfarben zu einem reichen Farbenkreis addieren. Seit Menschengedenken schenken uns Blumen ein Exempel der Farbigkeit des Wirklichen. Wer Blumen am Haus malt, übt sich in der Geste des Dankens und der Feier der Farben.

Literatur:

(01)

Editha Weber: Stockrosenblüte: Goethe würde feiern. 05. Juli 2021. Vgl. den Link:

http://www.ulrich-travelguide.de/stockrosenbluete-...

(02)

Georg Balzer: Goethe als Gartenfreund. München 1966.

(03)

Dorothee Ahrendt/Gertraud Aepfler: Goethes Gärten in Weimar. Leipzig 2009.

(04)

Carl von Linné: Species Plantarum.Band 2. Stockholm 1753. Vgl. den Link:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gewöhnliche_Stockros...

(05)

Karl Schmidt-Rottluff. Werke in den Kunstsammlungen Chemnitz. Herausgegeben von Ingrid Mössinger. Kunstsammlungen Chemnitz 2015.

(06)

Dieter Jähnig: Der Weltbezug der Künste. Schelling, Nietzsche, Kant. Freiburg im Breisgau 2011.


03. August 2021


Bildnachweis

Alle Malvenbilder malte und fotografierte der Autor Dr. Konrad Lindner.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Der Name Sachsen
von Andreas Schneider
MEHR
Herdenschutz Workshops
von Naturpark - Verein Dübener Heide e. V.
MEHR
Anzeige:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen