Sachsen Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.sachsen-lese.de
Unser Leseangebot

Christoph Werner
Um ewig einst zu leben

Roman

Um 1815 zwei Männer, beide Maler - der eine in London, der andere in Dresden; der eine weltoffen, der andere düster melancholisch. Es sind J. M. William Turner und Caspar David Friedrich. Der Roman spielt mit der Verbindung beider.

Auch als E-Book erhältlich 

Der Gänserich zu Pegau

Der Gänserich zu Pegau

Dr. Jürgen Friedel

Wilhelm Grimm schieb über die Sagen "Die Volkssage will aber mit keuscher Hand gelesen und gesprochen sein. Wer sie hart angreift, dem wird sie die Blätter krümmen und ihren eigensten Duft vorenthalten." In den Sagen stecke ein großer Fund an reicher Entfaltung und Blüte ... Es ist Erbe, das wir bewahren müssen, aufbewahren durch Weitergeben, indem wir es unseren Kindern vorlesen oder erzählen und somit weiterleben lassen.

Jürgen Friedel

Gans, die attackiert Foto: Lucy from manchester, uk
Gans, die attackiert Foto: Lucy from manchester, uk

Unter diesem Seile mußte hoch zu Roß im Galopp hindurchgeritten werden, wenn jemand einen der Preise gewinnen wollte; vor allem aber mußte der Gänserich erhascht und möglichst heruntergezogen werden. Gesiegt hatte der, der das zuerst schaffte, ohne dabei aus dem Sattel zu fliegen. In Pegau war an dem sich an das Rathaus lehnenden Elsterbrückenbogen, der die Ober- von der Niederstadt trennt, ein geköpfter Gänserich in Stein gehauen. Ins Jahr 1664 führt uns diese Skulptur. Bis zu diesem Jahre nämlich hatte die Stadt ein turbulentes Fest gefeiert, das jährlich wiederkehrende Gänserichreiten.

Warum hörte es dann vor nunmehr über 300 Jahren auf? Hört und wundert Euch.

Wieder einmal richtete man einen der Plätze vor der Stadt gründlich her, damit Schaulustige und Reiter auch richtig auf ihre Kosten kommen konnten. Die besten 'Männer' des Gänsevolkes waren gesichtet, ein besonders kräftiger erwählt, am Seile zu hängen. Das war gespannt 8 Ellen hoch über der Erde zwischen zwei hohen Stangen.
Unter diesem Seile mußte hoch zu Roß im Galopp hindurchgeritten werden, wenn jemand einen der Preise gewinnen wollte; vor allem aber mußte der Gänserich erhascht und möglichst heruntergezogen werden. Gesiegt hatte der, der das zuerst schaffte, ohne dabei aus dem Sattel zu fliegen

Der um sich schlagende und kreischende Vogel, die sich im Grase kugelnden Reiter, welche sich nicht stehend in den Steigbügeln hatten halten können, ihr Fluchen beim Aufrappeln, all das war ein willkommenes Spektakel.

Dann ritt einer an, der sah schon verwegen aus. Kräftige, braungebrannte Arme ließ er bewundern. Manche Mädchen wünschten schon insgeheim, ihm den Siegarkranz umhängen zu dürfen.

Doch was war das? "Der nicht, der nicht! Dir werd' ich's zeigen, dir werd' ich's zeigen!" krächzte der große weiße Vogel an seinen Fesseln. Alle hatten's gehört, aber keiner wollte es wahrhaben. Der Bursche fühlte sich herausgefordert, gab seinem Pferd einen kräftigen Druck mit den Hacken, und los stürmten sie mit voller Kraft. Der Reiter richtete sich auf, packte kraftvoll zu und riß den Gänserich mit sich fort.
Sofort brach der Jubel los, so daß der Schmerzensschrei von niemandem vernommen wurde. Als die jubelnde Menge beim Sieger war, wunderte sich alles über das Blut am Arm des Burschen und am Gefieder des Vogels, der eben sein Leben aushauchte.
Schnell war von hilfsbereiten Mädchenhänden die Wunde des Gänserichreiten-Königs verbunden. Das Fest nahm weiter seinen Lauf. Der Sieger aber hatte bald keine Freude mehr daran. Das Blut war nicht zu stillen, er fühlte sich immer matter werden. Bald darauf ist er gestorben.

Die Obrigkeit, die mit zunehmendem Argwohn das Fest als alten Götzendienst verfolgt hatte, nahm diesen tragischen Ausgang zum Anlaß, das Fest fürderhin zu verbieten. Die Tierquälerei hatte somit ein Ende. Innerhalb der Stadtmauer durften Gänse nicht mehr gehalten werden, ja Gänse wurden für vogelfrei erklärt.

Erst im 19. Jahrhundert haben die Pegauer langsam dieses einmalige Gesetz vergessen.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Das steinerne Herz im Schwarzwasser
von Johann August Ernst Köhler
MEHR
Das Holzweibel im Ofenloch
von Ludwig Bechstein
MEHR
Anzeige:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen