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Weihnachten bei Familie Luther

Christoph Werner

Luthers jüngster Sohn erzählt vom Christfest

Paul Luther, der jüngste Spross der Lutherfamilie, gewährt dem Leser Einblick in sein Leben und das seiner Familie.
Er berichtet von seiner Kindheit in Wittenberg und der Krankheit seines Vaters, von seiner Verwicklung, die ihm als Leibarzt widerfuhren, und von den Intrigen am Gothaer Hof. Reichlich illustriert öffnen sie dem Leser die Tür zur Weihnachtsstube der Familie Luther.

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus

Christof von Tschirnhaus

Die Erfindung des europäischen Porzellans

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus
Ehrenfried Walther von Tschirnhaus
In Dresden und Meißen erinnert auch heute noch viel an Johann Friedrich Böttger und wenig an Ehrenfried Walther von Tschirnhaus. In beiden Städten stehen Gedenksteine allein für den Porzellanerfinder Böttger, der "Gold machen sollte und dabei zufällig das Porzellan erfand", wie heute noch in der älteren Literatur zu lesen steht.
Der Naturforscher, Mathematiker und Physiker Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, Schöpfer der ersten großen Brennspiegel und Brennlinsen, ist Gründer der ersten sächsischen Glashütte. Er initiierte die Voraussetzungen für ein modernes Forschungslabor, in dem unter seiner Leitung die Erfindung des europäischen Porzellans stattfand. Dieser Gelehrte war auch ein Bahn brechender Philosoph der deutschen Frühaufklärung.
Kieslingswalde damals
Kieslingswalde damals
Von Tschirnhaus wurde am 10.04.1651 in Kieslingswalde bei Görlitz geboren. Er erhielt im Elternhaus, auf dem Gymnasium in Görlitz und beim Studium an der Universität Leiden eine bestmögliche Ausbildung. Eine "Kavalierstour" nach England, Frankreich und Italien (1674-1679) machte ihn mit führenden Gelehrten seiner Zeit bekannt: in den Niederlanden mit Baruch de Spinoza und Christiaan Huygens sowie in England mit Isaac Newton und Henry Oldenburg. In Paris schloss er enge Freundschaft mit dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz. Der umfangreiche Briefwechsel, der folgte, ist uns erhalten. Von Tschirnhaus machte sich mit den Erkenntnissen dieser führenden Wissenschaftler in Europa vertraut.
Brennspiegel
Brennspiegel
Als erster Deutscher wurde von Tschirnhaus 1682 als auswärtiges Mitglied in die Pariser Akademie der Wissenschaften gewählt. Er baute große Brennspiegel, stellte die größten Brenngläser seiner Zeit her und erzielte Ergebnisse, von denen zeitgenössische Berichte geradezu Märchenhaftes zu erzählen wissen. Für diese Leistungen erhielt von Tschirnhaus 1692 den Titel eines kurfürstlichen Rates. Einige seiner Brennspiegel und Brennlinsen sind noch heute in verschiedenen Museen, in Dresden, München und Kassel zu sehen.
Im Februar 1694 berichtete von Tschirnhaus in Briefen an Leibniz über seine Experimente und erwähnte dabei, dass diese ihn auf den Gedanken gebracht hätten, Porzellan herzustellen.
Die Chinesen hatten dieses Geheimnis schon im 7. Jahrhundert entschlüsselt.
Porzellandose von E.W. von Tschirnhaus 1697/99
Porzellandose von E.W. von Tschirnhaus 1697/99
Von 1697-1699 machte von Tschirnhaus weitere systematische Experimente zum chemischen Verhalten von Erden und Silicaten bei hohen Temperaturen. Schon 1704 zeigte er dem Sekretär von Leibniz Stücke seiner Porzellanerzeugnisse, wobei dieser erläuternd sagte: "Die Chinesen könnten ohnmöglich den Porcelan anders als auf seine Manier machen."
Von Tschirnhaus hatte daraufhin dem König August II., genannt August der Starke, einen Entwurf zur Errichtung einer Porzellanfabrik vorgelegt, der aber in eine politisch ungünstige Zeit fiel (Großer Nordischer Krieg, 1700-1721) und deshalb zunächst nicht realisierbar war. 1706 verzichtete August der Starke auf die polnische Krone und kehrte nach Sachsen zurück.
Kurz danach kam nun der aus Berlin geflüchtete Apothekergehilfe und Alchemist Johann Friedrich Böttger (1682-1719) nach Dresden, der in Berlin insgeheim alchemistische Versuche betrieben und seinem Chef 1701 eine angeblich völlig "geglückte Probe" seiner Goldmacherkunst vorgelegt hatte. Als auch August der Starke davon hörte, verlangte er die Einziehung des "Kerls". Böttger floh, wurde aber gefasst und in Dresden arretiert, wo er jahrelang unter strenger Aufsicht Gold herstellen sollte, was ihm natürlich nicht gelingen konnte. 1704 wurde nun auch von Tschirnhaus zur Beaufsichtigung des "Goldmachers" herangezogen. Böttger sträubte sich noch bis September 1707 gegen eine Mitarbeit,
er wolle sich nicht "in die Porcellain-Arbeit melieren, die Tschirnhausens Angelegenheit sei". Erst auf höheren Befehl begann Böttger mitzuarbeiten.

Im Dezember 1707 kam der König in das neue für von Tschirnhaus eingerichtete Forschungslaboratorium in den Kasematten der Venusbastei (heute Brühlsche Terrasse) und ließ sich die Ergebnisse vorführen. Unter von Tschirnhaus' Leitung wurden die planmäßigen Versuche mit verschiedenen Erden fortgesetzt, wobei mehrere Freiberger Berg- und Hüttenleute mitwirkten. Das Jahr 1708 brachte einen wesentlichen Fortschritt der Arbeit, da sich zwei Mineraliensendungen als besonders geeignet erwiesen: eine gelieferte Probe Kaolin, gefunden bei Schneeberg, und ein Alabaster als Flussmittel. August der Starke ernannte von Tschirnhaus zum Geheimen Rat und Direktor der zu gründenden Manufaktur und verfügte, "daß wir dem Herrn von Tschirnhausen 2561 Thaler haben auszahlen lassen... ." Von Tschirnhaus allerdings bat, diesen Titel erst nach Anlaufen der Fertigung führen zu dürfen.
Das Grabmal von E.W. von Tschirnhaus
Das Grabmal von E.W. von Tschirnhaus
Das Schicksal wollte es jedoch, dass der Leiter des Ganzen plötzlich starb. Am 11.10.1708 wurde Ehrenfried Walther von Tschirnhaus von der roten Ruhr dahingerafft. Im Forschungslaboratorium herrschte große Betrübnis, denn keiner wusste, wie es mit den Porzellanarbeiten weitergehen sollte.
Drei Tage nach von Tschirnhaus' Tod berichtete Böttger in einer Meldung an den Statthalter Egon Fürst von Fürstenberg von einem Einbruch, bei dem ein von Tschirnhaus gefertigter kleiner Porzellanbecher abhanden gekommen sei. Dieser Bericht ist ein besonders wichtiges Zeugnis, denn hier bestätigt Böttger selbst, dass es sich um ein echtes Porzellanerzeugnis von Tschirnhaus handelt.
Leibniz schrieb an den Mathematiker M.G. Hansch nach dem Tode von Tschirnhaus`:
"Ich habe einen alten Freund und einen hervorragenden Förderer im gemeinsamen Forschen verloren. Aber auch ganz Deutschland verliert in Tschirnhaus einen hervorragenden Mann, von dem sehr viel Großartiges noch hätte erwartet werden können."

Bis zum 20.3.1709 ruhten die Porzellanarbeiten, dann traf Melchior Steinbrück in Dresden ein. Steinbrück war der Hauslehrer der Familie von Tschirnhaus und hatte nun die Aufgabe, den Nachlass zu sichten. Am 20.3.1709 unterzeichnete Steinbrück vor einem Notar die Aufstellung des Nachlasses von Tschirnhaus` und traf in diesen Tagen mit Böttger zusammen, der dann plötzlich am 28.3.1709 - also nur acht Tage später - dem König die Erfindung des Porzellans meldete. Böttger wurde ab 1710 Leiter der ersten Porzellan-Manufaktur Europas. Er ernannte Steinbrück zum Inspektor, der dann Böttgers Schwester heiratete.

Quellen und Anmerkungen

*Ende September 1707 wird Böttger erst in der Porzellan-Forschung tätig.
(Hauptstaatsarchiv Dresden -H.St.A. genannt - Loc.1341).


*Brief Böttgers vom 14.10.1708, geschrieben drei Tage nach dem Tode von Tschirnhaus, in dem er die Herstellung eines Porzellanbechers durch E.W.v.Tschirnhaus bestätigt
(H.St.A.Dresden Loc.976).

*v.Tschirnhaus wird vom König zum Geheimen Rat und Direktor der zu gründenden Manufaktur ernannt (H.St.A.Dresden, Königliche Resolution über die Böttgerschen Rechnungen, 1708)
- und August verfügte, "...daß wir dem Herrn von Tschirnhausen 2561 Thaler haben auszahlen lassen..." (H.St.A.Dresden Loc 2097, Nr.49).


Der Generalsekretär der Meißner Manufaktur
-Caspar Bussius- schreibt in seinem Bericht vom 19.1.1719: "daß die Porzellanerfindung nicht von Böttger, sondern von dem seeligen Herrn von Tschirnhausen herkommt und dessen schriftliche Wissenschaft ihm durch den Inspektor Steinbrück zugebracht worden sey." (H.St.A.Dresden,Hempel 1823, S.292,

Peter Mohrenthal aus Dresden schreibt 1732:

"Ganß Sachsen wird so leicht den Herrn von Tschirnhausen nicht vergessen, und sein Ruhm wird ewig bestehen, so lange nehmlich, als die Porcellain-Fabriqve in Meißen welche nächst der Chinesischen, ihres gleichen in der Welt nicht hat,... Denn eben der Herr von Tschirnhausen ist derjenige, so die Massam zu Porcellain am ersten glücklich gefunden, und hat sie nach ihm der bekannte Bötticher völlig ausgearbeitet... Der Tod nehmlich unterbrach alle schönen Bemühungen des Herrn von Tschirnhausen, welche die Welt nicht mit Golde bezahlen kann."
(P.G.Mohrenthal: Lebens-Beschreibung des Welt-berühmten E.W.von Tschirnhaus in gleichen Nachrichten von seinen Schriften und seltenen Erfindungen. In: Curiosa Saxonica, Drittes repoitorium Probe 38 und 39.Dresden 1731).

Die Abkürzung "H.St.A.Dresden Loc" bedeutet Hauptstaatsarchiv Dresden, Archivstraße 14, 01074 Dresden.

Der Bertuch Verlag dankt dem Autor, Herrn Christof von Tschirnhaus, für die Bilder, die er für seinen Artikel zur Verfügung gestellt hat.