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Wilfried Bütow
Kennst du Heinrich Heine?

Kunstfertig in vielen Genres, geht Heine souverän mit den Spielarten des Komischen um, erweist sich als ein Meister der Ironie und der Satire und weiß geistreich und witzig zu polemisieren.
Doch hatte er nicht nur Freunde. Erfahre mehr vom aufreibenden Leben Heines, wie er aus Deutschland fliehen musste, in Paris die Revolution von 1830 erlebte und den großen Goethe zu piesacken versuchte.


Germany shaft itself up

Germany shaft itself up

Richard Gutjahr

Immer wieder schreiben mir pensionierte Studienräte, ich möge bei meinen Moderationen im Fernsehen doch bitte nicht ständig Anglizismen verwenden. Ich? Anglizismen? Niemals! Ich bin natürlich sofort rein ins Internet und hab das Wort erst mal gegoogelt.

Der Vorwurf lautet in etwa wie folgt: Ich solle gefälligst deutsch reden und auf diese neumodischen englischen Wörter verzichten. Begriffe wie Shoppen oder Tickets seien ein absolutes No Go, ein absolutes Geht Nicht. Und weil ich mir die Kritik meiner Zuschauer stets zu herzen nehme, beschloss ich, ab sofort ausländische Begriffe zu meiden.

Ich setzte mich also vor meine PR, meine Persönliche Rechenmaschine. Als die Fenster-Oberfläche hochgefahren war, startete ich die Schreib-Weichware Wort. Da ertönte mein ichFon: eine KND - Kurznachrichtendienstleistung. Ein Kollege warnte vor einem Rechner- Wurm, der im WWN, im weltweiten Netz unterwegs sei. Schnell öffnete ich den Zwischennetz-Erforscher und fand einen Artikel bei Spiegel Angeleint. Die Firma Mikroweich empfahl den Einsatz einer Feuerwand. Weiter hieß es, man solle sein Betriebssystem hochdatieren, das entsprechende Programm dazu stünde auf der Firmen-Heimseite zur Runterlade bereit.

Wo ich schon mal im Zwischennetz war, rief ich mein Netztagebuch auf. Wie wohl mein letzter Eintrag angekommen war? 12.000 Einschläge - das musste ich natürlich sofort zwitschern. Wofür hat man über 5000 Verfolger? Auch bei Gesichtsbuch fand mein Netztagebucheintrag großen Anklang: 70 Gefälle!

Am Abend hatte ich ein Treffen-Sie-sich in einer französischen Wiederherstellung. Meine Begleitung trug hohe Hacken und betörenden Durchrauch. Wir aßen Zwischenrippe. Alles lief wunderbar, bis zu dem Moment, als ich sie fragte, ob sie noch Lust auf Geschlecht habe. Sie schaute irritiert und zog ab.

Auf dem Nachhauseweg begann ich zu begreifen, dass Sprache immer auch etwas Lebendiges ist, das einem permanenten Wandel unterliegt. Mögen die Söders oder Sarrazins dieser Republik noch so maulen und in deutschen Talkshows für die Reinheit unserer Sprache kämpfen. Wenn man nicht mit der Zeit geht und sie laufend anpasst, stirbt sie aus. Oder wir.

Lesen sie weiter: G! gutjahrs blog.

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