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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle
ISBN 978-3-86397-097-0

Das ist die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Ulrich von Hassell

Ulrich von Hassell

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Zum Gedenken an den Widerstand des 20. Juli 1944

Ulrich von Hassel vor dem Volksgerichtshof 1944. Bild: Bundesarchiv, Bild 151-22-35 / CC-BY-SA
Ulrich von Hassel vor dem Volksgerichtshof 1944. Bild: Bundesarchiv, Bild 151-22-35 / CC-BY-SA

Der Jurist und Diplomat Ulrich von Hassell wird nach dem Ersten Weltkrieg an Botschaften in verschiedenen europäischen Staaten eingesetzt. Ab 1932 leitet er die deutsche Botschaft in Rom. 1911 heiratet er Ilse von Tirpitz. Das Paar hat vier Kinder, Fey von Hassell wird 1918 geboren, sie lebte bis zu ihrem Tod überwiegend in Italien und starb auf ihrem Besitztum, dem Castello di Brazza bei Udine, im Alter von 92 Jahren. Sie schrieb das Buch Niemals sich beugen. Erinnerungen einer Sondergefangenen der SS. Als "Schutzhäftling" wurde sie als Tochter von Ulrich von Hasselll 1944/45 von einem Lager in's nächste verschleppt und erlitt am eigenen Leibe, was die Nationalsozialisten unter "Sippenhaft" verstanden.

Von Anbeginn ist Ulrich von Hassell entschiedener Kritiker von Hitlers Außenpolitik, insbesondere kritisiert er die Wendung gegen die Westmächte. Er weiß, dass diese Politik in den Krieg führen wird, und will den Krieg in Europa verhindern, betont jedoch die Bedeutung des Deutschen Reiches als Vormacht zur Verteidigung der „abendländischen Kultur". Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Krise und der Ablösung des Außenministers Neurath durch von Ribbentrop wird Ulrich von Hassell 1938 in den Wartestand versetzt, als Botschafter in Rom abgelöst. Nach Kriegsausbruch reist er viel und läßt seine internationalen Verbindungen zu Vertretern Englands und der USA nicht abreißen. Er hofft nach Hitlers Sturz durch einen Staatsstreich auf einen baldigen Friedensschluss mit den westlichen Kriegsmächten und beteiligte sich an den Gesprächen in den konservativen Widerstandsgruppen um Carl Friedrich Goerdeler sowie Ludwig Beck; er hatte Kontakte zu Johannes Popitz. Auf der Kabinettsliste des Widerstands für die Zeit nach dem Umsturz war von Hassell als Außenminister genannt.

Am 28. Juli 1944 nimmt ihn die Gestapo fest. Nach zweitägiger Verhandlung vor dem Volksgerichtshof wird er am 8. September 1944 zum Tode verurteilt und am selben Tage in Berlin-Plötzensee ermordet. Altkanzler Helmut Schmidt war von Ulrich von Hassell vor dem Volksgerichtshof tief beeindruckt: „sehr männlich, sehr tapfer und voller Verachtung für dieses Gericht, dem er ausgeliefert war." So beschrieb er als Augenzeuge die Haltung Hassells.

Das Ehepaar von Hassell. Bild: Agostino von Hassell, gemeinfrei
Das Ehepaar von Hassell. Bild: Agostino von Hassell, gemeinfrei

Am Tage seiner Verurteilung und Hinrichtung schrieb Ulrich von Hassell einen Abschiedsbrief an seine Frau Ilse:

                                                                                                                Berlin-Plötzensee, den 8.9.1944

Mein geliebtes Ilseken! Heute vor 30 Jahren habe ich meine französische Kugel bekommen, die ich bei mir trage. Heute ist auch das Urteil des Volksgerichtshofes gefällt worden. Wenn es wie ich annehme vollstreckt wird, so endet nun das über alle Maßen reiche Glück, das mir durch Dich geschenkt worden ist. Es war gewiß zu reich, um länger zu dauern! Ich bin auch in diesem Augenblick vor allem von tiefer Dankbarkeit erfüllt, gegen Gott und gegen Dich. Du stehst neben mir und gibst mir Ruhe und Stärke. Dieser Gedanke übertönt den heißen Schmerz, Dich und die Kinder zu verlassen. Gott lasse meine und Deine Seele einst sich wiederfinden. Aber Du bist im Leben; das ist mein ganzer Trost in allen Sorgen um Euch, auch den materiellen, und um die Zukunft der Kinder, daß Du stark und tapfer bist, ein Fels, aber ein lieber süßer Fels!, für die Kinder. Sei immer so gut und gütig wie Du bist, verhärte Dich nicht. Gott segne Dich und segne Deutschland!

Ich hoffe, Du bekommst meine Lebenserinnerungen ( bis Kopenhagen einschl.), als meinen Nachlaß und Denkmal unseres Glücks und der Dankbarkeit.

Großmutter, Tante Mani, Wolf, allen Freunden Grüße von Herzen.

In tiefer Liebe und Dankbarkeit küsse ich Dich!

Dein Ulrich

Quellen:

Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin. Materialien

Fest, Joachim C.: Hitler. Eine Biographie. Berlin 2006 (9. Auflage) 

http://ulrich-von-hassell-haus.de/ulrich-von-hassell.htm

Gregor Schöllgen: Ulrich von Hassell. 1881-1944. Ein Konservativer in der Opposition. Aktualisierte Neuausgabe. München 2004,

Hassell, Fey von: Niemals sich beugen. Erinnerungen einer Sondergefangenen der SS. (2. Auflage)

München 2001