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Die Mätresse des Königs: Fürstin von Teschen und August der Starke

Die Mätresse des Königs: Fürstin von Teschen und August der Starke

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Ursula Katharina von Altenbockum, verh. Fürstin von Lubormirska
Ursula Katharina von Altenbockum, verh. Fürstin von Lubormirska

Diese Frau wird mehrmals ihren Namen wechseln, entsprechend den Wechselfällen in ihrem Leben:

Ursula Katharina von Altenbockum, Fürstin von Teschen, vormals verheiratete Gräfin Lubormirska, nachmals  verheiratete Prinzessin von Württemberg - Winnental. In die Geschichte „August der Starke und seine Mätressen" ging sie als „die Lubormirska" ein. Sie war die erste polnische Frau, die sich offenbar für den Anwärter auf die polnische Königskrone, Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen, später August der Starke, interessierte. Als diese Frau ihn kennen lernte, war sie schon einige Jahre mit dem polnischen Kronoberherrn George Dominicus von Lubomirski verheiratet, sie war eine geborene Ursula Katharina von Altenbockum, Tochter eines Truchsess (das war ein Hofamt) aus Litauen; sie gab ihr Geburtsdatum mit dem 25. November 1680 an, es wird in einigen Quellen mit einem Fragezeichen versehen. Diese Ehe mit dem 30 Jahre älteren Kronoberherrn war nach katholischem Ritus geschlossen, gewöhnlich war es nicht möglich, diese zu scheiden.

Es ist nicht mehr nachzuweisen, wann und wo genau der hochbegabte, ehrgeizige und willensstarke Friedrich August diese schöne, charmante, kluge und gebildete Frau kennen gelernt und wann der große Frauenheld sie endgültig erobert hatte. Jedenfalls war es noch vor der Jahrhundertwende, wahrscheinlich schon 1698.

August II., König von Polen, genannt August der Starke
August II., König von Polen, genannt August der Starke

Der „Klatschjournalist" in der damaligen Zeit, Baron Carl Ludwig von Pöllnitz, recherchierte sämtliche Affären und Mätressen des Kurfürsten. Er hatte zuverlässige Gewährsleute am Hofe. In seinem Buch „Das galante Sachsen" breitete er sein Wissen über Liebeswerbungen und über die üppigen Festlichkeiten am „überaus verbuhlten" sächsischen Hof aus. Er bot vor der Veröffentlichung die mit erotischen Details gespickte „chronique scandaleuse" Friedrich August gegen ein Schweigegeld an. Der Kurfürst überging das souverän. In diesem Buch finden wir die Legende, Kurfürst Friedrich August sei nach einem Ringelstechen* bei einem Reitunfall aus dem Sattel geworfen worden. Es sah so aus, als sei er gefährlich verletzt. Als die Gräfin Lubomirska Blut sah, soll sie in Ohnmacht gefallen sein. Der König blickte später zu ihr auf und sie war darüber so froh, dass sie ohne Rücksicht auf ihren anwesenden Gatten ausrief: „Gott sei Dank Majestät, Sie leben! Ich sehe Sie wieder!" Der König antwortete: „Ja, aber die Beweise Ihres Mitgefühls sind mir teurer als mein Leben." Abends zum Ball soll er ihr zu geraunt haben: „Diesen Tag zähle ich zu den schönsten meines Lebens!" So könnte es gewesen sein.

Fest steht jedoch, der gehörnte Noch-Ehemann Lubomirski fühlte sich in seiner Ehre verletzt. Seine Aufforderung, die Gattin möge sich aufs Land zurückziehen, blieb ungehört. Friedrich August machte Ursula Katharina in aller Öffentlichkeit den Hof und zeigte seine Zuneigung. Der Fürst drohte dem Wettiner. Ein Skandal braute sich zusammen und so musste gehandelt werden. Und siehe, die große katholische Kirche erbarmte sich und der Papst schied die „wenig glückliche Ehe", was höchst ungewöhnlich war. Noch ungewöhnlicher war der Erlass, Ursula Katharina durfte sich wieder verheiraten.

Was war da im Spiel?

Eine Spur führt zum Onkel der Lubomirska, zum Kardinalprimas Michal Radziejowski, dem Erzbischof von Gnesen, der gute Beziehungen zum Papst gehabt haben dürfte. Vor der Wahl zum polnischen König hatte Friedrich August dem einflussreichen Kardinalprimas 100 000 Taler zukommen lassen, übergeben von der Nichte Ursula Katharina. Und Ihre Hochwürden nahm gern. Friedrich August I. wird am 26./27. Juni 1697 vom polnischen Adel zum polnischen König gewählt, gekrönt wird er am 15. September in Krakau. Fortan nennt er sich August II., König von Polen. Zuvor trat er am 1. Juni 1697 zum katholischen Glauben über. Vorausgegangen waren kostenaufwendige Verhandlungen, denn Friedrich August war nicht der einzige Anwärter auf die Krone. Es flossen immer wieder hohe Summen an Bestechungsgelder nach Polen, insgesamt 39 Millionen Reichstaler - eine schier unvorstellbare Summe. Diese Sachverhalte sind mit historischen Dokumenten zu belegen. Einige Historiker hegen den Verdacht, dass es polnische Adlige gab, die sich von der polnischen Mätresse Lubomirska versprachen, Einfluss auf den König zu gewinnen, ihn im Interesse Polens zu lenken und zu führen. Sie hätten sogar diese Frau zu diesem Zweck in die Nähe des Königs platziert. Sollte die königliche Geldquelle vielleicht immerfort weiter sprudeln? Dafür gibt es aber keine Belege. Wer sollte es auch aufgeschrieben haben. Diese Wünsche gingen nicht in Erfüllung - die Lubomirska bestärkte unbeirrt den Wettiner, auch in den schwierigsten Zeiten und sie beriet ihn, sich gegen den polnischen Adel zur Wehr zu setzen.

Karl XII. empfängt 1704 Stanis?aw Leszczy?ski (1677-1766), Kupferstich von D. N. Chodowiecki (1726-1801)
Karl XII. empfängt 1704 Stanis?aw Leszczy?ski (1677-1766), Kupferstich von D. N. Chodowiecki (1726-1801)

Die Personalunion zwischen Kursachsen und Polen führten nicht nur zu enormen Geldausgaben, sondern zu Verwicklungen in den Nordischen Krieg. Und nun sagen die historischen Quellen: Bei der Belagerung von Riga Anfang 1700 war die Lubomirska dabei, an der Seite von Friedrich August. Sie hatte darauf bestanden, den König in den Krieg zu begleiten. Das wird ihm gefallen haben, die geliebte Frau an seiner Seite zu wissen. Sie scheute sich nicht, Entbehrungen auf sich zu nehmen, und trat mutig auf. 1702 ernannte der König Gräfin Lubormirska zur Maîtresse en titre. Diese Ernennung der Geliebten des Königs erfolgte erst dann, wenn sie offiziell der Königin am sächsischen Hof vorgestellt worden war. Das Zusammentreffen der beiden konkurierenden Frauen an der Seite von Friedrich August ist wiederum von dem Klatschreporter von Pöllnitz genüßlich notiert worden. Der Dialog, den die angetraute Christiane Eberhardine und die Mätresse führten, gipfelte in den Sätzen: Christiane Eberhardine, die sehr kühl war, fragte Gräfin Lubormirska, seit wann sie in Sachsen wäre. Die Mätresse antwortete schlagfertig: " Ich bin mit dem König von Polen gekommen, Majestät, und ich gedenke, bald mit ihm zurückzureisen." Die Ehefrau soll sich daraufhin gekränkt zurückgezogen und ihr Schloss Pretzsch nur noch selten verlassen haben.
Als für Friedrich August in Polen eine Niederlage der anderen folgte, er als Verlierer in Bedrängnis kam, die Opponenten in Polen immer stärker wurden, hielt sie eisern zu ihm. Zunächst rückte Karl XII. mit seinen Truppen in Warschau ein, dann fiel Krakau. Der Sachse hatte wiedermal kein Kriegsglück.
Dennoch begleitete Gräfin Lubomirska den Wettiner auf seinen weiteren Kriegszügen, sie wich nicht von seiner Seite. Der Kardinalprimas sah sich nicht verpflichtet, den Wettiner zu schützen, und schwenkte ins Lager der Opponenten. Die mutige Lubomirska sprach bei ihrem Onkel vor. Bekannt geworden sind die Worte: „Man hat ihn zum König gewählt, nun soll er es auch bleiben." Der einflussreiche Kardinalprimas schwieg fortan. Damit zog sie sich den Groll der Gegner des Königs zu. Weil die Schweden aber in Polen plünderten, marodierten und grausam gegen die Bevölkerung vorgingen, erhielt der Wettiner schließlich in Polen politischen und militärischen Beistand. Es wurde eine Konföderation gegründet, und Gräfin Lubormirska sagt man nach, dass sie Anteil daran hatte. Auf Dr&aauml;ngen der schwedischen Sieger wurde in Polen aber ein neuer König gewählt, der Wojwode von Posen, Stanislaw Leszynski. Nun gab es zwei Könige, ein zerstrittenes Land und ein Krieg ohne Ende.
Mitten in den Kriegswirren schickte im Mai 1704 Friedrich August seine Mätresse nach Dresden und diese Entscheidung hatte einen guten Grund: Ursula Katharina Gräfin Lubormirska war schwanger. Die schwangere Mätresse am Dresdner Hof war ein Eklat. Doch der König sorgte sich sehr um die schwangere Mutter seines Kindes. Er schrieb seinem Statthalter Fürstenberg nach Dresden, kündigte die Geburt seines Kindes an und bat "mit der Mutter das Taufzeremoniell zu besprechen", denn er setze auf sie "nächst Gott seine größten Hoffnungen".

Ursula Katharina Fürstin von Teschen. Pastellgemälde von R. Carriera, ca. 1743.
Ursula Katharina Fürstin von Teschen. Pastellgemälde von R. Carriera, ca. 1743.

Am 21. August 1704 gebar sie dem König einen Sohn, der auf den Namen Johann Georg getauft wurde, in Erinnerung an den Vater von Friedrich August. Am 26. August 1704, also nur fünf Tage später, erhob Kaiser Leopold I., deutscher Kaiser und österreichischer Herrscher, Ursula Katharina als Reichsfürstin von Teschen in den persönlichen Fürstenstand, initiiert durch den Wettiner. Das war die Belohnung. Weiter überschrieb Friedrich August ihr die Herrschaft von Hoyerswerda, später erhielt sie noch einige Güter in der Oberlausitz. Weiterhin bekam sie ein Palais in Dresden in der Pirnaischen Straße geschenkt. Sie erhielt außerdem eine Jahresrente von 20 000 Talern. Somit war ihr Auskommen „fürstlich" gesichert.

Friedrich August war am 30. November 1704 nach Dresden zurückgekehrt, aber er wandte sich bald einer neuen Frau zu: Er hatte sich in Anna Constantia von Hoym Hals über Kopf verliebt. Sie wird später unter dem Namen Gräfin Cosel in die Geschichte eingehen und ab 1705 lange Zeit die glanzvolle Mätresse des Wettiners bleiben, bis sie 1713 in Ungnade fällt.
Ursula Katharina Fürstin von Teschen zog sich zunächst vom sächsischen Hof zurück, sie nahm Wohnsitz auf dem Schloss in Hoyerswerda, später ging sie nach Breslau.

„Ihre 32 Jahre währende Herrschaft über Hoyerswerda gilt als sehr segensreich. Sie förderte das ansässige Handwerk und den Handel und berief mit Theophil Lessing, einem Onkel des Dichters der Ringparabel, einen klugen und fähigen Verwalter zum  Amtmann der Stadt." Vergleiche dazu:

http://www.hoyerswerda-lese.de/index.php?article_id=396,  Artikel von Florian Russi.

Schloss Neschwitz. Bild viia Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Schloss Neschwitz. Bild viia Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Klug wählte sie fähige Pächter für ihre Güter aus. Sie wirtschaftete geschickt und mehrte ihr Vermögen. Als die Gräfin Cosel vom sächsischen Hof verbannt war, söhnte sich Ursula Katharina mit dem König aus und war ihm fortan wieder eine kluge Beraterin. Sie kehrte nach Dresden zurück und genoss in der Hofgesellschaft hohes Ansehen, umgab sich gern mit jungen Leuten und Künstlern. 1722 erhörte die immer noch schöne Frau die Werbung des 10 Jahre jüngeren Prinzen Friedrich Ludwig von Württemberg - Winnental und heiratete ihn. Das war - ungewöhnlich in diesen Kreisen - eine Liebesheirat. Der Prinz schenkte seiner Gemahlin das Barockschloss Neschwitz als Brautgabe, er ließ es ausbauen. Das Ehepaar lebte in dieser Sommerresidenz, bis Friedrich Ludwig in der Schlacht bei Guastalla 1734 fiel. Da war Friedrich August, oder wie er genannt wurde, August der Starke schon ein reichliches Jahr tot. Er starb am 1. Februar 1733 in Warschau und wurde in der Kathedrale des Krakauer Schlosses beigesetzt. Sein Herz aber wird in einer innen vergoldeten silbernen Kapsel nach Dresden gebracht, wie er es befohlen hatte, und befindet sich heute in der Gruft der Wettiner in der Katholischen Hofkirche. Die Legende sagt, wenn ein schönes, junges Mädchen vorbeigeht, beginnt es wieder zu schlagen...

Ursula Katharina hatte mit der Heirat den Namen und das Wappen ihres Mannes angenommen, beides führte sie bis zu ihrem Tod am 4. Mai 1743 weiter und setzte sich damit gegen die Familie ihres Ehemannes durch, die das zu verhindern suchte. Dieser Name, den sie am längsten trug, ist der Nachwelt weitgehend unbekannt. Beigesetzt ist sie in der Jesuitenkirche im böhmischen Leitmeritz. Bei ihrer Beerdigung folgten ihrem Sarg junge Adlige und Künstler, so Carl Friedrich von Pöppelmann (1696 - 1750); er war der zweite Sohn des berühmten Dresdner Baumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann.

Was aber geschah mit dem Sohn Johann Georg? Bitte lesen Sie dazu:  http://www.sachsen-lese.de/index.php?article_id=351

*Enzyklopädie: Ringelstechen, Ringreiten. Ritterlicher Übungs- oder Wettkampfsport, bei welchem der Reiter vom galoppierenden Pferd aus mit der Lanzenspitze einen Ring oder Kranz zu treffen und mitzuführen suchte.

Quellen:

Piltz, Georg: August der Starke. Biographie. Berlin 1994

Naumann, Günther: Sächsische Geschichte in Daten. München, Berlin 1994

Delau, Reinhard: August der Starke und seine Mätressen. Sächsische Zeitung 1995

Künnemann, Otto: Streifzug durch das Sächsische Fürstenhaus. Leipzig 1997

Pöllnitz, Carl Ludwig von: Das galante Sachsen. München 1995

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