Sachsen Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.sachsen-lese.de
Unser Leseangebot

Kennst du Antoine
de Saint-Exupéry?

Karlheinrich Biermann

Großer Beliebtheit erfreut sich noch heute die Geschichte vom kleinen Prinzen, jenem philosophischen Märchen, das von Liebe, Freundschaft und Tod handelt. Darin geht Saint Exupery der Frage nach dem Sinn des Lebens nach und blickt zurück auf sein eigenes: das Abenteuer einer Bruchlandung, das Überleben in der Wüste, die Sehnsucht nach der verlorenen Liebe … all das war dem Autor nur allzu vertraut.

Richard Strauss - doch ein Genie

Richard Strauss - doch ein Genie

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Zum 150. Geburtstag

Hans von Bülow
Hans von Bülow

Als der Pianist und Stardirigent Hans von Bülow den jungen Richard Strauss im Alter von 18 Jahren kennen lernte, urteilte er: „Kein Genie nach meiner innigsten Überzeugung, sondern höchstens ein Talent, wo sechzig auf 's Schock gehen . . . "

Er war in seiner Zeit nicht der einzige Musiksachverständige, der diese Zweifel hegte.

Eduard Hanslick, der damals bedeutendste Musikkritiker, sagte über die frühe Tondichtung „Tod und Verklärung": „. . .eine grausige Dissonanzenschlacht, in welcher die Holzbläser mit chromatischen Terzenläufen herunterheulen, während alles Blech erdröhnt, alle Geigen rasen . . ."

Und ein anonym gebliebener Kritiker verstieg sich zu folgenden Vorschlägen für die Verwendung neuer Musikinstrumente, nachdem er 1905 eine Aufführung der Oper „Salome" erlebt hatte: Wir finden diesen Tonkörper sehr lückenhaft und erwarten, daß Richard Strauss bei seiner nächsten Oper noch folgende Musikinstrumente verwende: vier von den neuen Schnellzugslokomoliven mit Doppelkessel (auf den fis-Moll-Akkord gestimmt), drei Dampfnebelhörner (im fünfgestrichenen C) und eine Batterie von I5-crn-Haubitzen für die Verstärkung der Paukeneffekte..."

Aber all diese Herren haben sich gründlich geirrt. Heute sind sich Musikkritiker und Publikum einig: Er war ein verkannter Visionär.

Die Semperoper zu Dresden
Die Semperoper zu Dresden

2014 jährt sich der Geburtstag von Richard Strauss zum 150. Mal. Der Komponist wurde am 11. Juni 1864 in München geboren und starb am 8. September 1949 hochbetagt in Garmisch-Partenkirchen.

Die Semperoper in Dresden ehrt den Jubilar mit einem hochkarätigen Programm. Schließlich war die Verbindung von Richard Strauss zur Semperoper und zum Dresdner Publikum besonders eng, wurden doch unter den Generalmusikdirektoren Ernst von Schuch, Fritz Busch und Karl Böhm immerhin neun seiner 15 Opern hier uraufgeführt. Darunter die Welterfolge „Salome", „Elektra" „Der Rosenkavalier" und „Die schweigsame Frau". Einer der Höhepunkte im Festjahr stellen die »Richard-Strauss-Tage« vom 6. bis 23. November 2014 in Dresden dar. Wiederaufgeführt werden die drei Strauss-Opern »Capriccio«, »Daphne« und »Arabella«, die in exquisiter Besetzung zu erleben sein werden.

Auch in der Musikstadt Leipzig wird Richard Strauss zum 150. Geburtstag gratuliert.

So fand am Mittwoch, dem 11. Juni - also genau zum Geburtstag - das Große Concert im Gewandhaus statt. Auf dem Programm standen ein Block Orchesterlieder des großen Komponisten, der darin seine Fähigkeiten zeigte, in Tönen Emotionen einzufangen und Bilder, Farben und Stimmungen. Zwei sehr bekannte Tondichtungen folgten: „Don Quixote" und „Till Eulenspiegels lustige Streiche". Den Schlusspunkt setzte die Sinfonia Concertante für Cello, Bratsche und Orchester, die im Zeichen des Abschieds stand, denn Jürnjakob Timm geht als Solocellist des Gewandhauses mit diesem letzten Konzert in den Ruhestand. Dem Dirigenten Riccardo Chailly gelang es mit seiner stilsicheren Effektsicherheit den tosenden Jubel der Zuhörer zu entfachen.

Richard Strauss. Aufnahme um 1910.
Richard Strauss. Aufnahme um 1910.

 

Auch die Oper Leipzig würdigt Richard Strauss im Jubiläumsjahr 2014. So ist die Wiederaufnahme der Oper „Der Rosenkavalier" ebenso als Ehrung gedacht wie die Premiere der Oper „Die Frau ohne Schatten" am Sonnabend, den 14.06.2014. Ulf Schirmer dirigierte "Die Frau im Schatten", Balàzs Kovalik inszenierte sie. Die Premiere ist zurecht  bejubelt worden - eine einfach großartig gelungene Aufführung, das Beste seit Jahren.

Große Opernhäuser wie die Deutsche Staatsoper Berlin oder die Mailänder Scala, die Wiener Staatsoper oder die Salzburger Festspiele 2014 - sie alle feiern den Komponisten Richard Strauss und führen seine Opern im Programm.


In diesem Jubel wird die dunkle Seite des Jubilars weitgehend verdrängt. Bereits am 19. April 1933 setzt er seine Unterschrift unter den „Protest der Richard-Wagner-Stadt München" gegen Thomas Mann; ein Paukenschlag, mit dem die Nationalsozialisten die kulturelle Säuberung in Deutschland einläuten und Thomas Mann aus Deutschland vertreiben. http://www.br.de/radio/brklassik/sendungen/allegro/protest-der-richard-wagner-stadt-muenchen-thomas-mann100.html#link
Strauss lässt sich auch zum Präsidenten der Reichsmusikkammer küren und die Nationalsozialisten benutzen seinen Namen und seine internationale Berühmheit für ihre Zwecke.

Aber er schreibt an seinen jüdischen Librettisten Stefan Zweig, der wenig später ins Exil gehen musste: „Glauben Sie, dass ich jemals aus dem Gedanken, dass ich Germane bin, bei irgend einer Handlung mich habe leiten lassen? Glauben Sie, dass Mozart bewusst ,arisch' komponiert hat? Für mich gibt es nur zwei Kategorien Menschen; solche die Talent haben und solche die keins haben, und für mich existiert das Volk erst in dem Moment, wo es Publikum wird. Ob dasselbe aus Chinesen, Oberbayern, Neuseeländern oder Berlinern besteht, ist mir ganz gleichgültig, wenn die Leute nur den vollen Kassenpreis bezahlt haben." Die Gestapo fängt den Brief ab, Goebbels schäumt und veranlasst die Absetzung von Strauss aus dem Amt des Präsidenten der Reichsmusikkammer. Einleuchtend ist, dass Strauss in den folgenden Jahren nicht offen in Opposisition zur Diktatur ging. Er musste Angst haben, denn seine Schwiegertochter Alice war Jüdin. Sie stand ihm nahe, pflegte und begleitete ihn bis ins hohe Alter. Seine Enkelkinder galten nach der kruden Rassenideologie der Nationalsozialisten als „jüdische Mischlinge".
Klaus Mann urteilte nach dem 2. Weltkrieg: „Ein Künstler von solcher Sensitivität - und dabei stumpf wie der Letzte, wenn es um Fragen der Gesinnung, des Gewissens geht! Ein großer Mann - so völlig ohne Größe!"

Rosen im Glas. Maler: Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865) .
Rosen im Glas. Maler: Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865) .

Strauss' Leistung als Komponist und Künstler blieb weltweit stets unbestritten.

Über die eigene Bedeutung geriet Strauss nie in Zweifel: „Ich kann nur in Musikgeschichte denken und da gibt es nur einen ganz schroffen Wagnerschen Standpunkt: die Klassiker von Bach bis Beethoven, von da nur die eine Linie: Liszt, Berlioz, Wagner und meine bescheidene Wenigkeit." Und:

„Es ist schwer, Schlüsse zu schreiben. Beethoven und Wagner konnten es. Es können nur die Großen. Ich kann's auch."
 
Gratulieren wir also dem Genie in Anspielung an die Rose im Rosenkavalier:

Diese Rose von heimlichen Küssen schwer:
Sieh, das ist unsre Liebe.
Unsre Hände reichen sie hin und her,
Unsre Lippen bedecken sie mehr und mehr
mit Worten und Küssen sehnsuchtsschwer,
unsre Seelen grüßen sich hin und her -
wie über ein Meer - wie über ein Meer.
Diese Rose vom Duft unsrer Seele schwer:
Sieh, das ist unsre Liebe.

(Christian Morgenstern)

Quellen:

Strauß, Dietmar: Sämtliche Schriften. Aufsätze und Rezensionen von Eduard Hanslick. Wien 1993

Ernst Krause: Richard Strauss. Breitkopf & Härtel 1980

http://www.semperoper.de/

http://oper-leipzig.de/ 

Programmheft der Oper Leipzig "Der Rosenkavalier"

Bildnachweis: Alle Bilder stammen aus Wikimedia Commons, sie sind gemeinfrei.