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Albrecht Daniel Thaer –  Begründer der Landwirtschaftslehre in Deutschland

Albrecht Daniel Thaer – Begründer der Landwirtschaftslehre in Deutschland

Doz. Dr. agr. habil. Eberhard Schulze

Seit Juni 2011 steht das von dem Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel geschaffene Denkmal für Albrecht Daniel Thaer wieder an der Lenné-Anlage neben der Moritzbastei in Leipzig.(Vergl.: Das Thaer-Denkmal in http://www.leipzig-lese.de/index.php?article_id=632.)

Der am Denkmal Vorbeigehende, dem Thaer nicht bekannt ist, wird sich die Frage stellen, wer er war, warum sich das Denkmal in Leipzig befindet und vielleicht auch über die Aufschrift am Sockel Vermutungen anstellen. Sein Leben gibt darauf Antwort.


IHREM

VEREHRTEN LEHRER

ALBRECHT THAER

DIE DEUTSCHEN LANDWIRTHE

MDCCCL

Das Thaer-Denkmal in Leipzig, Ausschnitt.
Das Thaer-Denkmal in Leipzig, Ausschnitt.
Albrecht Daniel Thaer wurde 1752 als Sohn eines aus Liebenwerda in Sachsen stammenden Arztes in Celle geboren. Er studierte Medizin in Göttingen, kehrte aber 1774 nach Celle zurück. Auf Grund seiner ärztlichen Erfolge ernannte ihn der Kurfürst von Hannover, Georg III., zugleich König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, zu seinem Leibarzt. Zum Ausgleich seiner ihn oft bedrückenden Tätigkeit als Arzt, wenn alle Hilfe vergebens war, befasste sich Thaer mit Blumenzucht und Landwirtschaft, in die er immer tiefer eindrang. So wurde er 1784 Mitglied der Königlich kurfürstlichen Landwirtschaftsgesellschaft zu Celle und erwarb ein Jahr später ein 133 Morgen (1 ha = 4 Morgen) großes Gut. Das landwirtschaftlich fortschrittliche England diente ihm als Vorbild und 1798 wurde er mit dem Erscheinen des ersten Bandes seines dreibändigen Werkes „Einleitung zur Kenntniß der englischen Landwirthschaft und ihrer neueren praktischen und theoretischen Fortschritte, in Rücksicht auf Vervollkommnung deutscher Landwirthschaft für denkende Landwirthe und Cameralisten" im ganzen Reich als hervorragender Landwirt bekannt. Die Leipziger Ökonomische Societät, nach dem Siebenjährigen Krieg 1764 als Vereinigung von Unternehmern, Staatsbeamten und Wissenschaftlern zur Hebung der Land- und Stadtwirtschaft Sachsens gegründet, ernannte ihn deshalb 1799 zu ihrem Ehrenmitglied. Seit 1799 gab er auch die Zeitschrift „Annalen der niedersächsischen Landwirtschaft" heraus, der in Preußen die „Annalen des Ackerbaus" und danach die „Möglinschen Annalen" folgen sollten. 1802 gründete er in Celle das erste deutsche landwirtschaftliche Lehrinstitut. Er konnte insbesondere zeigen, dass mit der Fruchtwechselwirtschaft höhere Erträge als mit der Dreifelderwirtschaft erzielt werden, was wegen der wachsenden Bevölkerung von außerordentlich großer Bedeutung war. 1804 wechselte er in preußische Dienste, wo er auf dem Gut Möglin die erste deutsche landwirtschaftliche Akademie errichtete, die 1819 zur „Königlich Preußischen Akademie des Landbaus" erhoben wurde. Er führte hier seine erfolgreichen wissenschaftlichen und praktischen Arbeiten fort, die in seinem vierbändigen Werk „Grundsätze der rationellen Landwirthschaft" (1809 - 1812) ihren Niederschlag fanden. Das Werk wurde in acht Sprachen übersetzt, womit es auch eine große internationale Bedeutung erlangte. 1810 erhielt er außerdem eine Professur an der Universität Berlin. Nach 1811 entwickelte Thaer sich zudem zum berühmtesten Schafzüchter. Im Jahre 1816 erfolgte seine Ernennung zum Generalintendanten der Königlich-Preußischen Stammschäfereien. 1823 wählten ihn die aus dem ganzen Reich anwesenden Landwirte, Wollhändler und Tuchmacher auf dem Leipziger Wollkonvent zu dessen Präsidenten, was der Auslöser für die Wahl des Ortes für das Denkmal in Leipzig werden sollte. Anlässlich der Feierlichkeiten zu seinem 50. Doktorjubiläum 1824 widmete ihm Goethe ein ihn rühmendes Gedicht. 1828 ist er verstorben. Sein Sohn Albrecht Philipp führte Gut und Akademie weiter.

Albrecht Thaer hat auf allen Gebieten der Landwirtschaft Hervorragendes geleistet, besonders aber bekanntes und neues Wissen in ein System gebracht, das ein nachhaltiges Wirtschaften erlaubt. Er ist aber auch sowohl ein Vorläufer von Gregor Mendel, da er sich über die Aufspaltung in der 2. Kreuzungsgeneration im Klaren gewesen ist (Spaltungsregel nach Mendel), als auch von Charles Darwin, denn er spricht bereits vor ihm in einem Zusammenhang von vererbbarer Variation und Auslese und schreibt: „So glaube ich, das Celten, Mongolen und Mohren eines Ursprungs seyn."

Um Thaers herausragende Leistungen zu ehren, stiftete die 1837 gegründete „Versammlung der deutschen Land- und Forstwirthe" das Denkmal, das 1850 geweiht wurde. In den Grundstein hinterlegten die Stifter eine Urkunde, die leider nicht mehr auffindbar ist, mit folgendem Text:

Albrecht Daniel Thaer ... Doktor der Heilkunde, königl. preußischer Staatsrat im Ministerium des Innern, Stifter der landwirtschaftlichen Anstalt zu Celle, Begründer und Leiter der Akademie des Landbaus zu Möglin, Ritter mehrerer Orden, Verfasser zahlreicher, höchst bedeutungsvoller Schriften und Abhandlungen über Heilkunde, Naturwissenschaften und Landwirtschaft, dem Begründer der Landwirtschaftslehre, Förderer der Wechselwirtschaft, des Kartoffelbaus, der Schafzucht, dem tapferen siegreichen Vorkämpfer für die Freiheit des landwirtschaftlichen Gewerbelebens, dem Ausstreuer fruchtbaren Samens zur mannigfaltigen Verbreitung von Wohlstand und Bildung, dem tiefen und scharfen Denker, dem kühnen und großartigen Schöpfer, dem ruhmgekrönten Vollbringer, dem anerkannten Meister deutscher Schreibart, dem unendlich Verdienten, Deutschlands hoher Zier, Deutschlands gerechtem Stolze, ihm dem Großen, setzt im Geiste deutscher Einheit zu Leipzig, im Mittelpunkte Deutschlands, an der Geburtsstätte der Jahresversammlung dieses eherne Denkmal die Wandergesellschaft deutscher Land- und Forstwirthe."

Später wurden neben einigen Büsten bzw. Gedenktafeln noch drei mit dem Leipziger vergleichbare Denkmale für Thaer errichtet:

-       1860 in Berlin, entworfen von Christian Daniel Rauch, dem Lehrer von Ernst Rietschel,

-       1873 in Celle, geschaffen von Ferdinand Hartzer und

-       1905 in Kadan (Kaaden) in Tschechien, damals zu Österreich gehörend, entworfen von Moritz Cernil.

Die Deutsche Reichsbank würdigte Thaer 1929 mit der 10-Reichsmarkbanknote, die Deutsche Demokratische Republik 1977 und die Bundesrepublik Deutschland 2002 mit jeweils einer Briefmarke anlässlich seines Geburtstages vor 225 bzw. 250 Jahren.