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Wilfried Bütow
Kennst du Heinrich Heine?

Kunstfertig in vielen Genres, geht Heine souverän mit den Spielarten des Komischen um, erweist sich als ein Meister der Ironie und der Satire und weiß geistreich und witzig zu polemisieren.
Doch hatte er nicht nur Freunde. Erfahre mehr vom aufreibenden Leben Heines, wie er aus Deutschland fliehen musste, in Paris die Revolution von 1830 erlebte und den großen Goethe zu piesacken versuchte.


 

Helmut Schön – ein Sensibler aus Sachsen

Helmut Schön – ein Sensibler aus Sachsen

Prof. Dr. habil. Wolfgang Brekle

Helmut Schön bei einem Spiel der SG Dresden-Friedrichstadt in Reichenberg, Ortsteil von Moritzburg, Landkreis Meißen, Sachsen 1946. Foto: Harry Gorbe, Radebeul.
Helmut Schön bei einem Spiel der SG Dresden-Friedrichstadt in Reichenberg, Ortsteil von Moritzburg, Landkreis Meißen, Sachsen 1946. Foto: Harry Gorbe, Radebeul.

Helmut Schön, vor 100 Jahren am 15.September 1915 in Dresden geboren, wurde einer der erfolgreichsten und beliebtesten Bundestrainer in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes.

Sein Vater war Kunsthändler. Obwohl sein Vater wenig Verständnis für die Leidenschaft seines drittgeborenen Sohnes hatte, Fußball zu spielen, trainierte Helmut mit 10 Jahren in der Knabenmannschaft des SV Dresdenia. Mit 15 Jahren wechselte er zum erfolgreicheren Dresdner SC. Er besuchte das Bischöfliche St. Benno-Gymnasium und schloss erfolgreich mit dem Abitur ab. Schon 1937 hatte ihn der damalige Reichstrainer Sepp Herberger in die deutsche Nationalmannschaft geholt, so dass er in vielen Länderspielen eingesetzt war.

Auffällig ist, dass bedeutende Fußballer im 2. Weltkrieg vom Militäreinsatz befreit waren, so auch Helmut Schön, obwohl er nicht in die NSDAP eingetreten war.

Nach dem 2. Weltkrieg - noch in Dresden wohnend - war er Trainer in verschiedenen Fußballvereinen der Sowjetischen Besatzungszone. Zu Sepp Herberger und anderen Fußball-Trainern in den westlichen Besatzungszonen bzw. später in der BRD pflegte Helmut Schön regelmäßige Kontakte, er nahm dort auch an Trainerlehrgängen teil. 1951 zog er mit der Familie von Dresden nach Wiesbaden (BRD). 1952 wurde er als Trainer der saarländischen Nationalmannschaft berufen. Als der politischen Beitritt des Saarlandes in die BRD vorbereitet war, wurde Schön 1956 Assistent des Bundestrainers Sepp Herberger. 1964 wurde Helmut Schön zum Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft berufen.

Coachs of the German national football team Sepp Herberger and Helmut Schön on a Paraguayan stamp
Coachs of the German national football team Sepp Herberger and Helmut Schön on a Paraguayan stamp

Schöns größter Triumph war der WM-Titel im Jahre 1974: Deutschland besiegte die Niederlande in München mit 1:0. Seine Erfolgsbilanz ist einzigartig: Weltmeister 1974, Europameister 1972, Zweiter der WM 1966, Dritter der WM 1970, Zweiter der EM 1976. In 139 Begegnungen in seiner Amtszeit erreichte seine Mannschaft 87 Siege und erlitt nur 21 Niederlagen.

Neben seinen vielen Erfolgen als Trainer fiel in beiden Teilen Deutschlands die Niederlage der bundesdeutschen Mannschaft 1974 gegen die Mannschaft der DDR auf. Die BRD verlor durch 0:1.

Ab 1978 traten mehrere Schwierigkeiten für die Nationalmannschaft und für den Trainer auf, so beim Kampf um den Weltmeisterpokal in Argentinien:Die deutsche Mannschaft verlor bereits in der Vorrunde gegen Österreich 2:3. Helmut Schön legte auch aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Trainer nieder und ging in den Ruhetand. Er lebte sehr zurückgezogen in Wiesbaden, trat nicht mehr in der Öffentlichkeit auf. In den späten Lebensjahren litt er an der Alzheimer-Krankheit. Am 23. Februar 1996 starb er in Wiesbaden im Alter von 80 Jahren.

Helmut Schön war der bisher erfolgreichste Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Seine Fußballfreunde erinnern sich seiner mit großer Hochachtung. So bezeichnete ihn Gerd Müller als „wunderbaren Mensch". Franz Beckenbauer sagte über ihn: Helmut Schön sei „ein Mensch, den jeder gerne hatte", er sei „ein Trainer großer Menschlichkeit". „Helmut Schöns Stärke war, die Mannschaft mit außergewöhnlichen Individualisten zu führen und dabei jedem seine Individualität zu lassen", so würdigt Hans-Hubert „Berti" Vogts seinen Trainer heute.

Der gebürtige Sachse, „der Mann mit der Mütze", galt im DFB als der „Sensible aus Sachsen".