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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Ännchen von Tharau

Ännchen von Tharau

Simon Dach

Brunnenfigur Ännchen von Tharau in Klaipeda
Brunnenfigur Ännchen von Tharau in Klaipeda

Die Lebensgeschichte der Anna Neander, geboren 1615 in Tharau, ist deshalb historisch verbürgt, weil Anna zwei Amtsnachfolger ihres ersten Mannes heiratete, der als Pfarrer zuletzt an der Kirche in Laukischken (heute Saranskoje) tätig war, wo er 1646 verstarb. Anna überlebte auch die nächsten zwei Ehemänner, Amtsnachfolger als Pfarrer in Laukischken. Anna lebte dort 35 Jahre. Das war damals durchaus die übliche Praxis der Witwenversorgung in Pfarrstellen. Danach zog Anna zu ihrem ältesten Sohn Friedrich Portatius nach Insterburg, wo sie 1689 verstarb. Sie wurde auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.

Heute ist der Nachweis gesichert, dass Simon Dach (1605 in Memel – 1659 in Königsberg) das Gedicht "Anke van Tharaw" verfasste, ursprünglich in samländischem Niederdeutsch, anlässlich Anna Neanders erster Hochzeit mit dem Pfarrer Johannes Portatius. Der Ostpreuße Johann Gottfried Herder übertrug das Gedicht 1778 in die hochdeutsche Form. Er veröffentlichte es in "Stimmen der Völker in Liedern" 1807 unter dem Titel "Annchen von Tharau". Der schwäbische Musiker Friedrich Silcher unterlegte 1827 die heute allgemein bekannte Melodie. Das Lied ging in die Welt.
Zum Gedenken steht im litauischen Klaipeda (ehemals Memel) der Simon-Dach-Brunnen, auf dem auch Ännchen von Tharau dargestellt wird.

Hier werden die 17 Strophen zitiert, wie sie ursprünglich verfasst worden sind. Heute werden häufig nur 10 Strophen gedruckt und gesungen.

Ursula Brekle

Ännchen von Tharau

Ännchen von Tharau ist’s, die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.

Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet in Lieb’ und in Schmerz.

Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!

Käm alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
Wir sind gesinnt, beieinander zu stahn.

Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung sein.

Recht als ein Palmenbaum über sich steigt,
hat ihn erst Regen und Sturmwind gebeugt,

So wird die Lieb’ in uns mächtig und groß
Durch Kreuz, durch Leiden und traurigem Los.

Würdest du gleich einmal von mir getrennt,
Lebtest da, wo man die Sonne kaum kennt;

Ich will dir folgen durch Wälder und Meer,
Eisen und Kerker und feindliches Heer.

Ännchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn,
Mein Leben schließ’ ich um deines herum.

Was ich gebiete, wird von dir getan,
Was ich verbiete, das lässt du mir stahn.

Was hat die Liebe doch für ein Bestand,
Wo nicht ein Herz ist, ein Mund, eine Hand?

Wo man sich peiniget, zanket und schlägt,
Und gleich den Hunden und Katzen begeht.

Ännchen von Tharau, das wolln wir nicht tun;
Du bist mein Täubchen, mein Schäfchen, mein Huhn.

Was ich begehre, begehrest du auch,
Ich lass den Rock dir, du lässt mir den Brauch.

Dies ist dem Ännchen die süßeste Ruh’,
Ein Leib und Seele wird aus Ich und Du.

Dies macht das Leben zum himmlischen Reich,
Durch Zanken wird es der Hölle gleich.

Bildnachweis

Kopfbild: Simon Dach aus Wikimedia Commons, gemeinfrei

Die beiden Abb. im Text sind ebenfalls Wikimedia Commons entnommen, sie sind gemeinfrei.

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