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Heft 1

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Dieses Arbeitsheft beginnt mit einem Vorkurs zur “phonologischen Bewusstheit” und übt das Silbenglieder, das Anlauterfassen und das Reimwortfinden.

Erinnerung an den 30jährigen Krieg

Erinnerung an den 30jährigen Krieg

Prof. Dr. habil. Wolfgang Brekle

Wie kam der Name Peterson nach Sachsen?

Der Name Petersohn oder Peterson ist in Nordsachsen sehr verbreitet. Die Schreibweise lässt auf eine skandinavische Herkunft schließen. Aber wie kam der Name nach Sachsen?

Die Suche in Kirchenbüchern ergab, dass in Wöllnau im 30jährigen Krieg (1618 bis 1648) ein schwedischer Soldat mit Namen Lorentz Peterson eingeheiratet hatte und nach Beendigung des Krieges nicht mit der Armee in seine Heimat zurückgezogen war. Er war 15 Jahre Soldat im schwedischen Dienst gewesen, zuletzt Korporal unter dem General Baner, der 1637 von Torgau nach Eilenburg gezogen war und dessen Truppen einige umliegende Dörfer verwüstet hatten.

Der Grund des Hierbleibens von Lorentz Peterson ist nicht geklärt. Sicher war er wie viele andere in Wöllnau einquartiert, vielleicht war er auch verwundet. Oder er war des Soldatenseins müde und ließ sich ausmustern, denn das schwedische Kriegsheer wurde am Ende des 30jährigen Krieges abgerüstet und verkleinert. Auf jeden Fall sah er in der dezimierten Bevölkerung der Dörfer für sich eine Chance des Lebens und Arbeitens. Er heiratete Anna, die Tochter eines Wöllnauer Anspanners (Pferdebauern), und hatte mit ihr sieben Kinder. Damit schuf er den Grundstock der in der Region Nordsachsen weit verbreiteten Sippe Petersohn. Wie wir aus den Chroniken erfahren, war das Hierbleiben eines schwedischen Soldaten kein Einzelfall.

Marodierende Soldaten.
Marodierende Soldaten.


Die Dörfer waren verwüstet und zum Teil entvölkert, die Felder waren nicht oder wenig bebaut. Viele Einwohner waren in den Kriegswirren, in den 30 Jahren wechselnder Besatzung ums Leben gekommen, so dass entlassene Soldaten, auch ausländische als neue Siedler willkommen waren.
Die schwedischen, sächsischen und kaiserlichen Truppen hatten diese Region oft durchzogen, so von Eilenburg nach Torgau oder nach Düben, aber auch in umgekehrter Richtung. Vor allem Eilenburg (Muldenübergang) war mehrfach umkämpft. Dadurch wurden auch die Dörfer und Ländereien der Umgebung in Mitleidenschaft gezogen.


König Gustav Adolf in Düben und Eilenburg

Mitte September 1631 vereinigten sich die sächsischen Truppen unter dem Kurfürsten Johann Georg I. und die Truppen des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf in Düben, um gemeinsam gegen die kaiserlichen Truppen unter Tilly vorzugehen. Der sächsische Kurfürst sowie der schwedische König trafen sich zu ihren Beratungen auf der Burg Düben, wo Gustav Adolf auch übernachtete. An diese Begegnung und das Zusammentreffen der beiden Heere in Düben erinnert noch heute der 1936 aufgestellte Gedenkstein an der Mauer des Dübener Friedhofs, dem sog. Friedhofseck.

Im Ergebnis des Zusammengehens der Sachsen und Schweden wurde die kaiserlich-habsburgische Armee unter Tilly in der Schlacht bei Breitenfeld (im Raum Leipzig) am 17. September 1631 geschlagen. Nach dieser Schlacht wurden viele Verwundete, Tote und Gefangene nach Eilenburg gebracht, was eine starke Belastung für die Stadt darstellte. Auch die Pest forderte viele Opfer, allein 492 in diesem Jahr. Ein Jahr danach verliefen die kriegerischen Auseinandersetzungen für die Schweden weniger günstig. In der Schlacht bei Lützen wurde der Schwedenkönig Gustav Adolf am 16. November 1632 getötet. Auch über dieses Ereignis gibt es Spuren der Erinnerung in Nordsachsen. Gustav Adolfs Leichnam wurde in einem feierlichen Zug mit 4 000 Reitern Begleitung bei seiner Überführung in die Heimat auf dem Weg von Leipzig nach Wittenberg durch Eilenburg geleitet.

Gustav II. Adolf von Schweden.
Gustav II. Adolf von Schweden.

Auf die Bitte des Eilenburger Archidiakons Martin Rinckart wurde Gustav Adolf im Gasthof „Zum roten Hirsch“ am Marktplatz aufgebahrt. Rinckart und viele Eilenburger Protestanten wollten und konnten nun von dem verehrten Schwedenkönig Abschied nehmen. Er war deshalb so geachtet und zu seinen Lebzeiten zum Beispiel bei seinem Einzug in deutsche Städte von den Protestanten begeistert begrüßt worden, weil er, der „Löwe des Nordens“, auf Heereszucht geachtet hatte und als protestantischer „Glaubensheld“ galt. So urteilte ein Historiker: „Wohin er auch kam, beteten sie ihn wie ein Gott im Himmel an.“ (So aufrichtig Gustav Adolfs religiöse Überzeugung gewesen sein mag: er kämpfte vor allem für die Stärkung der schwedischen Hausmacht an der deutschen Ostseeküste und war deshalb ein Gegner all derer, die für eine Festigung Deutschlands eintraten.)

Zur Erinnerung an dieses Ereignis in Eilenburg entstand 1906 ein Gemälde, das das Totenbett Gustav Adolfs, aufgebahrt im Gasthof „Zum roten Hirsch“, darstellt. Es ist im Eilrnburger Museum zu sehen.

Die Leiden des 30jährigen Krieges in Nordsachsen

Da nach dem Tod Gustav Adolfs das schwedische Kriegsvolk und auch andere Armeen immer verwilderter wurden, verließen viele Dorfbewohner aus Angst vor Plünderungen und Folterungen ihre Dörfer. In einer Chronik heißt es dazu über die Situation in und um Eilenburg: „Es ziehen immer mehr Dörfler mit ihrer beweglichen Habe in Eilenburg ein, da sie wegen Annäherung des Kriegsvolkes, welches überall raubt, mordet, sengt, brennt und schändet, hier sicher zu sein glaubt.“ So ist überliefert, dass der Sprottaer Pfarrer Georg Uhle mit seinen „Kirchenkindern“ nach Eilenburg flüchtete, um Schutz zu finden. Dass Dorfbewohner in der Stadt Schutz suchen, belegen auch ff. Angaben. Im Jahr 1637 befanden sich unter den in Eilenburg an Pest Erkrankten und Verstorbenen 44 aus Doberschütz, 31 aus Battaune, 33 aus Sprotta und 13 aus Wölpern sowie 909 Dörfler, deren Namen nicht bekannt waren.

Soldaten plündern einen Bauernhof.
Soldaten plündern einen Bauernhof.

Doberschütz hatte nur noch 20 Einwohner, Paschwitz 19, Mokkrehna 20, Görschltz 6, Authausen 26 (von 72) und Schwemsal 2 (von 20). Der damalige Amtsschlösser Brodkorb berichtete über Düben und die umliegenden Dörfer: „Der große teil liegt wüste, die Felder bleiben unbestellt. Erben und Käufer für die wüsten Güter melden sich nicht.“ Auch der Viehbestand hatte sich stark reduziert. So gab es am Ende des Krieges in Görschlitz kein Pferd mehr (1618 waren es 18), nur noch 7 Ochsen (von 82), keine Kühe (früher 159) und nur noch 3 Schweine (von 120).

Viele Orte waren auch stark durch Brände zerstört, die durchziehende Truppen angelegt hatten, so zum Beispiel Doberschütz und Strelln. Der Pfarrer Samuel Rinckart, Sohn des berühmten Eilenburger Martin Rinckart, berichtete nach seiner Amtseinführung in Weltewitz, die Schweden hätten „die Kirche in Wölpern samt den Dorffe erbärmlich verwüstet, die Pfarrei und Schule zu Weltewitz nebst der einen Seite des Dorffes daselbst in Asche gelegt, so daß endlich drey Dörfer Gordemitz, Wölpern und Bötzen durch den gantzen Krieg und darauff erfolgtes Sterben gantz öde und unbewohnt worden.“

In Sprotta lagen Kirche, Pfarrei und Schule in Trümmern, 22 Güter waren vollständig verwüstet, die übrigen mehr oder weniger. In der Sprottaer Chronik heißt es: „Die verlassenen und verwilderten Äcker sind wertlos geworden, wo vorher Getreide und Kraut üppig gediehen, wuchern jetzt Gestrüpp und Dornen. Weder zahlungsfähige Käufer noch Vieh und Saatgetreide sind vorhanden; für 15 bis 20 Gulden werden ganze herrenlose Güter verkauft.“

Auch Eilenburg hatte ungeheuer unter dem 30jährigen Krieg zu leiden. Es wurde mehrfach umkämpft., von verschiedenen Armeen unterschiedlichster Herkunft besetzt sowie zur Lieferung von Nahrungsmitteln, Tieren und zur Zahlung von Geld verpflichtet. Allein für das Jahr 1637 wurde die Zahl der Pesttoten auf 8 000 geschätzt. Als Folge von Krieg und Pest herrschte besonders 1638 eine große Hungersnot, so dass man selbst um tote Krähen und Hunde auf offener Straße stritt.

Das Ende des Krieges

1646 wird endlich ein Waffenstillstand zwischen den Sachsen und den Schweden abgeschlossen.

Große Freude herrschte über den Friedensschluß von Münster und Osnabrück im Jahre 1648. Die Heerführer hatten jetzt Probleme, ihre Heere zu verkleinern und in die Heimat zurückzuführen. So mussten 100 000 schwedische Soldaten abgerüstet werden. Dieser Prozess dauerte mehrere Jahre. Düben stöhnte noch 1649 über die in ihrer Stadt einquartierten schwedische Soldaten. Der Großteil der Schweden in Nordsachsen zog erst 1650 ab. Viele Soldaten blieben aber hier, entweder offiziell abgemustert oder das Heer illegal verlassend.

Bildnachweis

Das Bild "Der Gustav-Adolf-Stein in Bad Düben" wurde von Wolfgang Brekle fotografiert. Alle anderen Abb. sind Wikimedia entnommen, sie sind gemeinfrei.

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