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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Das Mordkreuz zu Schköna

Das Mordkreuz zu Schköna

Willy Winkler

Das Mordkreuz. Holzschnitt von Hermann Schiebel.
Das Mordkreuz. Holzschnitt von Hermann Schiebel.

Altersgrau und verwittert steht ein steinernes Kreuz am Wege, dort, wo das Dorf endet und der Weg nach Krina von der Straße nach Hohenlubast abzweigt. Grob und nicht besonders kunstvoll hat es der Steinmetz vor Jahrhunderten aus einem ungefügten Block gehauen. Keine Jahreszahl gibt Auskunft über sein Alter, keine Inschrift nennt seinen Zweck. Not und Gewalttat, Unsicherheit und Drangsal umgeistern es sagenhaft, und alte Erzählungen von Raub und blutigem Mord, von bäuerlicher Rauferei und ehrlicher Rache umranken das Denkmal.

Über das, was sich einst hier zugetragen, schweigt die Geschichte. Keine vergilbte Urkunde gibt Zeugnis und hat die Tat herübergetragen in unsere Zeit. Menschen aber, die davon wüßten, liegen in langen Reihen auf dem Gottesacker des Heidedorfes, sind schon Staub geworden und Heimaterde und schweigen – schweigen wie der kalte, graue Stein am Wege.

Es wird noch lange vor der Zeit der kirchlichen Reformation gewesen sein, als der Stein errichtet wurde. Wird einer des Weges gekommen sein, ein Bauer, der heimkehrt vom Viehverkauf, ein Händler, der mit seiner Ware preisend von Haus zu Haus gezogen, oder einer, der den Wucherzins den Bauern im Dorfe abgenommen. Den soll ein anderer ermordet haben, als er nichtsahnend daher kam. Mag sein, dass einer die Schuld mit seinem Leibe büßte, mag auch sein, dass hier eine Seele aus unbußfertigem Leibe der Erlösung harrt. Es soll um die Zeit zwischen 1200 und 1500 so gewesen sein , dass man solche Male den Ermordeten zum Gedenken und zu ewiger Ermahnung an der Stätte der Untat setzte.

Es wird auch zu Schköna damals so gewesen sein, dass man den Täter fand, der hier Blut vergossen hatte. War er ein Land fahrender wüster Gesell oder der neidische Nachbar des Toten, war es ein Fremder oder ein Freund? So hatte das Gericht entschieden: Der Mörder zahle Buße dem Gericht und der Kirche, gleiche den Schaden an den Hinterlassenen des Ermordeten aus, setze ein Kreuz dem Gedenken des Leibes und lasse Seelenmesse halten zum Heile der Seele. Wird damals ein großer Auflauf gewesen sein von allerlei Volk, als der Stein gesetzt wurde, der uns nun grau und verwittert mit hohlen Augen anschaut, als hätte er selbst die schreckliche Tat am Dorfrande zu Schköna vergessen – wie wir!

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