Sachsen-Lese

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Unter den Monden des anbrechenden Lebensabends dehnt sich die Zeit und doch ist ihr Vergehen anders zu spüren als sonst. Jetzt wirken alle Fragen entscheidend, die Endgültigkeit scheint zum Greifen nah und Einsichten beginnen dort, wo alles Denken innehält.

Lyrikband von Berndt Seite

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Auch ein König

Auch ein König

 Carl Heinrich Graun. Radierung von Andreas Möeller.
Carl Heinrich Graun. Radierung von Andreas Möeller.

Der Musikmeister Carl Heinrich Graun war einer der beliebtesten Opernkomponisten und stand beim Alten Fritz in höchster Gunst. Eines Tages erhielt er von dem Könige den Befehl, sofort eine Probe seines neuesten Werkes abzuhalten, da er verhindert wäre, der Aufführung beizuwohnen.

Graun tat wie befohlen und Friedrich folgte dem Vortrage mit der größten Aufmerksamkeit. Am Schluss der Probe ließ er sich die Partitur geben, nahm seinen Bleistift und strich einige Seiten derselben durch. »Alles, was ich gestrichen habe, muss geändert werden. Es missfällt mir«, sagte er und reichte dem Meister die Partitur zurück.

»Das tut mir sehr leid, Ew. Majestät«, erwiderte Graun. »Aber ich werde keine Note ändern, denn übermorgen ist Generalprobe und bis dahin ist es mir unmöglich, Neues zu schreiben und einzustudieren. Außerdem habe ich noch einen Grund. Diesen darf Ew. Majestät erst dann hören, wenn Sie gnädiger sein werden.«

»Ich bin ja gar nicht ungnädig auf Ihn, Graun. Darum will ich den Grund gleich wissen.« Graun sah den König ruhig an, nahm seine Partitur an sich und sagte mit freundlicher Miene: »Majestät, überdies hier bin ich König!«

»Da hat Er recht«, rief Friedrich lachend. »Ich lasse mir auch nicht ins Handwerk pfuschen.«

Bildnachweis

Kopfbild: Friedrich II., Gemälde von Anton Graff, 1781 aus Wikimedia, gemeinfrei.

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