Sachsen-Lese

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Henner Kotte

Leipzig 99 Mal entdecken!

Leipzig ist Messe und Universität, Völkerschlacht und Kabarett. Es ist Heimstatt des Buchs, des Sports und der schwarzen Szene. Doch welche Menschen prägten die Stadt häufig im Verborgenen? Welche Geschichten verstecken sich hinter manch unscheinbarer Fassade? Welche Hymne singt der Leipziger seit 1989? Und wo trinkt er seinen Kaffee? Das und mehr ist nicht nur für Zugezogene neu. Henner Kotte zeigt in seinen vergnüglichen Betrachtungen, dass sich abseits ausgetretener Tourismuspfade, aber auch im Altbekannten noch viel Überraschendes finden lässt.

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Der Mädchenmörder von Chemnitz

Der Mädchenmörder von Chemnitz

Henner Kotte

Eine Tote identifiziert ihren Mörder

Im Herbst des Jahres 66 gelang es der Deutschen Volkspolizei, einen Sittenstrolch zu verhaften. Seit gut acht Jahren entblößte der sich in Parks und bedrohte seine Opfer mit dem Messer. Richtete sich sein Begehr zunächst an Frauen, zwang er später kleine Mädchen, ihm Befriedigung zu verschaffen. 91 Misse­taten gestand Gerhard W. Doch klafft bei den Tatzeiten eine Lücke: Im Gesamtjahr 61 will W. nicht straffällig geworden sein. Kripo-Chef Hans-Gert Z. erinnert sich, dass am 3. Januar jenes Jahres eine Mutter ihr Kind vermisste: Michaela K., zehn Jahre. Panik in der Stadt. „Gewissenlose Gerüchtemacher versuchen wegen des verschwundenen Kindes Unruhe in die Bevölkerung zu tragen.“

Michaela K. wird nicht gefunden, der Vorgang 95/61 zu den Akten gelegt. Gerhard W. passt ins psychologische Profil solchen Untäters, glaubt der erfahrene Kriminalist. Wenn es unbeabsichtigt zum Tod von Michaela gekommen ist, belastet Gerhard W. der Mord. Doch wie beweisen? W. ist intellektuell zurückgeblieben, arbeitet als Heizer bei der Reichsbahn, seine Ehe ist zerrüttet. Von „schweinischen Praktiken“ berichtet die Gattin, die sie „nicht gewillt war durchzuführen“. Die Kriminalpolizei entscheidet sich für ein gewagtes und unsicheres Experiment: Mit einem gleichaltrigen Mädchen will sie W. konfrontieren, in der Hoffnung, dass dessen Reaktion Geständnis ist. Am 14. Juli 1967, nachmittags zwei, betritt die geschminkte Tochter eines Hauptmanns den Verhörraum und beginnt zu schreien. W. gesteht. Michaelas Leiche hat er im Heizkessel einer Lokomotive verbrannt.

Polizeidirektion Chemnitz

Hartmannstraße 24

09113 Chemnitz

Tel.: 0371 / 3870

https://www.polizei.sachsen.de/de/pdc.htm


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Textquelle

Kotte, Henner: Chemnitz: Die 99 besonderen Seiten der Stadt, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2017.


Bildquelle

Vorschaubild: Polizeidirektion Chemnitz, 2010, Urheber: gravitat-OFF via Wikimedia Commons CC BY 2.0.

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