Sachsen-Lese

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Sachsen-Lese

Martin Kulinna
Feste – Festivals
Riten und Wallfahrten/Rituals and Pilgrimages
Bildband
Mit Texten von André Meier

Berührende, atmosphärisch dichte Schwarz-Weiß-Aufnahmen

Unsere Welt verliert rasant an Diversität. Multinationale Konzerne besetzen die Innenstädte und verwandeln sie in uniforme Einkaufs- und Vergnügungszonen. Und auch der Einzelne selbst hat sich längst diesem Egalisierungsgebot unterworfen. Martin Kulinna weiß, dass dieser Marsch in die Monotonie kaum zu stoppen ist. Aber gerade deshalb bereist er mit seiner Kamera beharrlich jene Orte, an denen kulturelle Vielfalt nicht nur behauptet, sondern auch tatsächlich gelebt wird. Seine Bilder zeigen uns Menschen, die sich gegen den globalen Trend stemmen, die an den Ritualen und Bräuchen ihrer Ahnen festhalten und sich mit ihren Kostümen, Tänzen und Gesängen stolz als eigenständige Wertegemeinschaft behaupten. Unter anderem werden Feste und Rituale in Bulgarien, Deutschland, Kuba, Litauen, Malta, Peru, Rumänien, Spanien und Teneriffa thematisiert.

Unser Leseangebot
Deutsche Kunstblume Sebnitz

Deutsche Kunstblume Sebnitz

Henner Kotte

Von Hand geblümelt

Die Königin von Saba prüfte, ob Salomon ihr würdig sei, mit Rätseln. Eines davon: Er müsse erkennen, welche von zwölf Lilien künstlich seien. Die Tradition unnatürlicher Blüten, sie ist lang: Bereits in der Antike flocht man in die Kränze Wachs. Kaum ein Heiligenbild, vor dem es nicht ständig grünt und blüht. Damenhüte ohne Blumen aus Papier undenkbar. Solch Blütenproduktion ward bald in Deutschland üblich. Selbst Goethes Gattin wirkte mit: „Denn wir halten es verdienstlich, / Lobenswürdig ganz und gar, / Unsere Blumen, glänzend künstlich, / Blühen fort das ganze Jahr“ (Faust II). Sachsen importierte diese Blütenpracht aus Böhmen. Mit seinem Beitritt zum Zollverein 1834 wurden die Produkte mit erheblichen Zahlungen belegt. Man produzierte fortan selbst. Die fortschreitende Industrialisierung ließ Handwebereien schließen, Arbeiterinnen lernten um.


Vor allem in der Gegend um Neustadt/Sebnitz wurde geblümelt. Der Sprung auf den Weltmarkt gelang, da 1870/71 Pariser Firmen nicht mehr liefern konnten. Bis zur Weltwirtschaftskrise setzte sich der Aufschwung fort. Kunstblumen als Accessoires an Kleid und Kopfbedeckung kamen aus der Mode. Der Nationalsozialismus unterbrach Handelsbeziehungen. 1953 wurden im Raum Sebnitz-Neustadt über 100 Firmen im VEB Kunstblume zusammengeführt und die stark subventionierten Produkte für Devisen in den Westen verkauft. Die „Deutsche Kunstblume Sebnitz“ stellt auch nach der Wende Blüten her, das Kunstblumen- und ­Heimatmuseum stellt aus. Beides kann besichtigt werden.

PS: Salomon erkannte die Kunst: Er ließ Bienen fliegen.


Deutsche Kunstblume Sebnitz

Neustädter Weg 10

01885 Sebnitz

Tel.: 035971 / 53181


Kunstblumen- und Heimatmuseum "Prof. Alfred Meiche"

Hertigswalder Straße 12-14

01855 Sebnitz

Tel.: 035971 / 80730


*****

Textquelle:

Kotte, Henner: Sächsische Schweiz: Die 99 besonderen Seiten der Region Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2016.

Bildquelle:

Vorschaubild: Begrüßungslogo der Stadt Sebnitz, 2018, Urheber: SchiDD via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Strauß aus Seidenblumen, 2009, Urheber: Flor4U|Wolfgang Roth|Blumenwerkstatt Roth via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

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