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lla Walter
Die Lust der Kunst
Bildergeschichten

Die Malerin Ulla Walter, einst »Kind« der so genannten »Leipziger Schule«, erzählt ihre Erinnerungen in expressiven Bildergeschichten und, was sie antreibt! Anfang der 1980er Jahre zog es sie in einen ehemaligen Ballsaal an den Stadtrand von Berlin, wo sie bis heute lebt. Mit frisch-ironischem Ton gibt sie Einblicke in ihr intensives Leben und Schaffen. Kuriose, teils auch groteske Erlebnisse ruft sie anhand ihrer gemalten Bilder wach, die sie in den Kontext ihrer Entstehung setzt.

Die erste Bergbesteigung in der Sächsischen Schweiz

Die erste Bergbesteigung in der Sächsischen Schweiz

Henner Kotte

Mit nix Felswände rauf

Die erste öffentlichkeitswirksame Bergbesteigung in der Sächsischen Schweiz gelang Sebastian Abratzky am 19. März 1848: Der 18-jährige Schornsteinfeger befand sich auf der Walz. Seit je begeistert von der Festung Königstein, musste er erfahren, dass Besucher zum Eintritt einen Taler und zehn Neugroschen zahlen müssen. „Da er kein Geld hatte, kletterte er an der fast durchgehend senkrechten Sandsteinwand in einer hohen Felsspalte zur Festung hoch. Nach anderthalb Stunden stieg er mit letzter Kraft über die Brustwehr. Gerade läuteten die Kirchenglocken der Stadt zu Mittag. Die Wache nahm ihn fest und führte ihn vor den Kommandanten, welcher ihn einen halben Tag in den Arrest steckte. Dann entließ er ihn aus der Haft und wies ihn in seinen Geburtsort Mahlis zurück. Abratzky behauptete später, er sei wegen seines verwegenen Streichs 12 Tage arretiert gewesen.“ Eine Legende.

Als Geburtsstunde des Felsenkletterns in der Sächsischen Schweiz gilt der 6. März 1864 und die Bezwingung des Falkensteins durch fünf Schandauer Turner. Sie erklommen die Felsnadel mit Leitern und weiteren Hilfen, stellten aber angekommen auf dem Gipfel fest, dass auch dieser in alten Zeiten als Burgwarte genutzt worden war. Die Ersten waren sie nicht. Dieser „Turnerweg“ bewertet die Schwierigkeitsskala heute mit III. 148 Kletterrouten führen hinauf auf den Falkenstein.

Die Steinmetze Otto Ewald Ufer und Hermann Johannes Frick bezwangen anno 1874 den Mönch nahe Rathen ohne technisches Hilfsgerät. Daraus entwickelte sich das felsschonende freie Bergsteigen in der Sächsischen Schweiz, dessen Regeln bereits 1913 festgehalten wurden. Ohne Hilfen ist der Berg zu bezwingen. Seil, Ring und Karabiner dienen lediglich zur Sicherung und werden nur bei der Erstbesteigung eingeschlagen. Die Felsoberfläche bleibt unverändert. Als Freeclimbing kam die Sportart aus den USA wieder an ihren Ausgang zurück.

Oscar Schuster nutzte die Felsen des Elbsandsteingebirges als Trainingsort fürs alpinistische Bergsteigen. Seine Erfahrungen vermittelte er in der Rubrik „Felsenklettern in der Sächsischen Schweiz“ im Fachblatt „Berg und Tal“. Er war Erstbezwinger von Gipfeln in den Alpen und im Kaukasus. Er starb 1917 in Kriegsgefangenschaft in Astrachan. Bereits am 17. Oktober 1919 weihte man die „Schusterplakette“ auf halber Höhe des von ihm erstbegangenen Schusterweges am Falkenstein, Schwierigkeitsgrad III. Der Schusterturm im Bielatal trägt seinen Namen. Zur Erstbesteigung mit Fritz Böhme am 12. November 1893 schrieb er: „Wir deponierten ein Fremdenbuch in Blechhülse.“ Die Tradition der Gipfelbücher war entstanden.

Noch immer werden im Elbsandsteingebirge neue Routen bezwungen. Weit vorangetrieben und kaum nachzuklettern sind die Aufstiege des Bernd Arnold aus Hohnstein: „Seine im Jahr 1986 erstbegangenen Wege ‚Barometer für Stimmungen‘ am Heringstein und ‚Garten Eden‘ am Rokokoturm im Grad Xc stellen den End- und Höhepunkt dar.“ Bis heute gelangen Bernd Arnold etwa 900 Erstbegehungen bis zum höchsten Schwierigkeitsgrad Xc. Längst sind die Gipfel der Sächsischen Schweiz internationales Klettergebiet. „Going to the mountains is going home.“

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Textquelle:

Kotte, Henner: Sächsische Schweiz: Die 99 besonderen Seiten der Region Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2016.

Bildquelle:

Vorschaubild: Festung mit Abratzkyfelsen, Urheber: Brück & Sohn Kunstverlag Meißen via Wikimedia Commons CC0.

Sebastian Abratzky, 2011, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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