Sachsen-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Sachsen-Lese
Unser Leseangebot

Eberhard Klöppel

Das Mansfelder Land 1974–1989
Bildband
Mit einem Text von Michael Birkner

Kaum ein Bildreporter hat so intensiv das Geschehen im Mansfelder Land beobachtet wie Eberhard Klöppel. Er begann schon früh zu fotografieren. In seinem Archiv gibt es Tausende Fotos vom Leben in seiner Heimat. Aber wichtigstes Thema waren für ihn Bergbau und Hütten – und vor allem die Menschen, die dort arbeiteten.

Klöppels Fotos zeigen nicht die vermeintliche Tristesse und Resignation, sondern vermitteln Leben. Nie agiert er als Regisseur, sondern konsequent als Beobachter, als Dokumentarist seiner Zeit. Er zeigt, wie es war in diesen Jahren im Mansfelder Land: Ob es der Umzug der Ausgezeichneten am 1. Mai ist, die Hochzeit mit Dreimannkapelle und den tanzenden Gästen, der von Frauen in Kittelschürzen umringte Kosmonaut Sigmund Jähn bei der Autogrammstunde, das Leben in der Mittelstraße in Helbra, das »Dreckschweinfest« der Grunddörfer zu Pfingsten oder auch der Wiesenmarkt in Eisleben.

Hotel Continental Chemnitz

Hotel Continental Chemnitz

Zufällig und unzufällig: tot

Wirt und Vater Schulze wollte seinen Sohn den Kellnerberuf von der Pike auf erlernen lassen, herrschaftlich im Chemnitzer ­Hotel Continental. Dort begann Otto Theodor Schulze Ostern 1917 seine Ausbildung: „Gabel links, Messer und Löffel rechts eindecken, jeweils 1 bis 2 Zentimeter von der Tischkante entfernt. Weingläser über die Messerspitze, Wasserglas rechts davon etwas nach unten …“ November 1918: Wie das Land ist auch der Hotelbetrieb aus den Fugen. Im Continental residiert der Chemnitzer Arbeiter- und Soldatenrat. Die neuen Macht­haber sind bewaffnet. Im Foyer hatten sie ein Maschinengewehr aufgestellt, „eine vollautomatische Schusswaffe.

Maschinengewehre feuern bei Betätigung des Abzugs so lange Projektile ab, bis der Abzug wieder gelöst, die Munitionszufuhr unterbrochen wird.“ Natürlich beeindruckt ein Maschinengewehr Jungen nicht nur in der Nachkriegszeit. Auch Otto Theodor: „Da ich mich lebhaft für die Beschaffenheit desselben interessierte, erklärte mir der diensthabende Posten, das Gewehr und seine Handhabungen. Bei dieser Gelegenheit kam eine im Gewehr sitzende Patrone zur Entladung und tötete einen Menschen.“ Ein Unbeteiligter, der das Vestibül durchschritt, starb an dieser Schussverletzung. Die Polizei ermittelt. Es kommt zum Prozess. Der Lehrjunge wird freigesprochen. Doch wird ihn dieses Erlebnis prägen. Kaum 18-jährig erschlägt der Knabe aus Geldgier seinen Lover samt dem Vermieterehepaar. Vom Tode begnadigt, stirbt der Mörder 1944 an „Lungentuberkulose“ im Vernichtungslager Lublin. „Auf eine Rücksendung der Urne wurde nicht bestanden.“

Bürohaus Continental

(ehemaliges Hotel)

Bahnhofsstraße 6

09111 Chemnitz


*****

Textquelle

Kotte, Henner: Chemnitz: Die 99 besonderen Seiten der Stadt, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2017.


Bildquelle

Vorschaubild: Saal eines Hotels (Hotel baulich stark verändert), 2015, Urheber: (dwt). via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Der Königin Carola Erbe
von Ernst Richard Freytag
MEHR

Hotel Continental Chemnitz

Bahnhofsstraße 6
09111 Chemnitz

Detailansicht / Route planen

Anzeige:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen