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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Spaziergang im April

Spaziergang im April

Lene Voigt

Su häd's wärn soll'n. Gemälde von Carl Spitzweg(1808-1885): Spaziergang.
Su häd's wärn soll'n. Gemälde von Carl Spitzweg(1808-1885): Spaziergang.

Er: ,,Na, nu hau awer hin, Emma, jetz illert grade de Sonne a häbbchen 'raus. Wenn de nadierlich so lange mit Anbeebeln 'rummährfcht, bis se widder 'neingegrochen is, hernachens hat's ja iberhaupt geen Zwäck, daß mr uns noch 'nausmachen."

Sie: ,,Ob 'ch dn Schärm mitnähme, mei Adolf?"

Er: ,,Nu, das is doch ganz glar jetz im Abbrile, wo de sowieso egal so emfindlich wäächsen jeden gleen'n Räächenschbritzerchen uff dein Bibbi bist."

Sie: ,,Ich gloowe, 's is grade Widder ä Grauwebwädderchen im Anzuche. Gucke bloß ämal hinten zum Gichenfänster 'naus, da gommt's gohlbächrahmschwarz nähm dr Feierässe nuffgegrochen. Das gennt mr eechentlich noch ohm abwarten." 

Er: ,,I, desderwäächen genn mr doch ruhig losrammeln, Emma. Wenn mr dadrnach gehn wollte, dann därfte mr sich im Abbrile iberhaupt nich aus dr Buwerzche 'nausdraun."

Sie: »Na, wenn de meenst, leiern mr ähmd los. Haste denn ooch ä frifches Daschenduch eingeschtäckt, mei Adolf?"

Er: ,,Allemal, gomm nur nu ändlich - glooß dich aus!"

Sie: „Na gucke doch, jetz grauwelks wärklich, un wie! De reen'n Wärfelzuggerschtickchen schmeißt' s 'nunter."

Er: ,,Laß nur, dadrfier hammer doch dn Schärm. Un außerdäm ihlt vorne in dr guden Schtuwe schon widder de liewe Sonne ä häbbchen vor. Dadsächlich, 's wärd widder hälle."

Sie: ,,Also scheen, ich will gee Schbielverdärwer sin- rabbeln mr uns uff! Willste mit dein'n Schlissel zuschließen, mei Adolf?"

Er: „Ja, ja, mach' d'chs bloß ändlich 'naus uff de Dräbbe, sonst schtehn mr heite ahmd um achte immer noch da!"

Sie: ,,Haste ooch richtch eingeglinkt. Mache liewer ärscht noch ämal de Browe."

Er: ,,Weeste, Emma, mr sin jetz siemunzwanzch Jahre verheirad', awer ich wißte geen Sonndaach, wo de mich das nichs gefraacht hätt'st!"

Sie: „Du, wenn de anziechlich wärst, da mach'ch glei widder gehrt und dann gannste alleene schbaziern laatschen. 'S wärd iberhaupt schone widder ganz greilich dunkel, da muß 'ch doch färmlich ärscht ämal zum Dräbbenfänster 'nausillern. Härrjeh, jetz hat's doch geblitzt. Hastes ooch gesähn, mei Adolf?"

Er: „Na ähmd - un jetz donnert's!"

Sie: ,,Nee, weeßte, in ä Gewidder 'nein loofen mr nu doch nich, das wär' ja de Hehe! Mir sin doch schließlich nich bleedsinnch. Gomm, schließ' nur widder uff, mei Adolf, 'S hat ähmd nich soll'n sin."

Quelle für den Text:
Voigt, Lene: Mir Sachsen! Leipzig o.J.

Bilder:
Beide Bilder stammen aus Wikimedia Commons; sie sind gemeinfrei.

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