Sachsen-Lese

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Sachsen-Lese

Unter den Monden des anbrechenden Lebensabends dehnt sich die Zeit und doch ist ihr Vergehen anders zu spüren als sonst. Jetzt wirken alle Fragen entscheidend, die Endgültigkeit scheint zum Greifen nah und Einsichten beginnen dort, wo alles Denken innehält.

Lyrikband von Berndt Seite

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Trost in bescheidenen Verhältnissen

Trost in bescheidenen Verhältnissen

Dasdrwaign simm‘r ne uf Ardn,

doß mr sellte denken, ‘s wär asu:

volle Toage Broatn un a Töppl

vo dn bestn Biere no dazu.

 

I behitte, nee,

‘s is ack ennerlee.

 

Ob mr Broatn assn odr Gritze

odr trinken aus dr Entenpfitze.

Nee, dos is es ne. Mr sellte‘s denken,

schiene Kleeder troin 1), dos wär dr Zweck,

denn mr sitt 2) ollantchen 3)schiene Kleedr,

die de kehrn den Stoob von Wage weg.

 

I behitte, nee,

‘s is ack ennerlee.

 

Ob mr, wenn zeletzt mrch niederleite 4),

hot a Kleed oo Sackzoig odr Seide.

Odr, wenn mrsch oansitt viele Loite,

wie se huppn, springn ganz wie närsch,

enne Froide jagt de anre Froide,

sellt mr denkn, dasdrwaign wärsch,

 

I behitte, nee,

‘s is ack ennerlee.

 

1) tragen

2) sieht

3) überall

4) wenn man sich zuletzt niederlegt

 

Überliefert aus Gersdorf bei Hohenstein-Ernstthal

Quelle: Hausbuch sächsischer Mundartdichtung. Erster Band, Leipzig 1927.

 

Bildnachweis

Kopfbild: Ausschnitt aus Back of the 1000 Swiss Francs banknote, part of series 5 of Swiss banknotes. See. Wikimedia, gemeinfrei.

 

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