Sachsen-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Sachsen-Lese
Unser Leseangebot

Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Vom Flinzsteine am Spreewaldfluss bei Budissin

Vom Flinzsteine am Spreewaldfluss bei Budissin

In der Mundart der deutschsprechenden Wenden in der Oberlausitz

Bautzen nach 1620.
Bautzen nach 1620.

Dr Schteen yß Andenkn an Abgott Flinz, dar uf dan Hibl a mal geschtandn hat, wie sich noche Leite zu aln Getzn gebett haben. Jow! Un wie dr Abgott ufn Platze schtin tat, dow iß ales zengrsym wendsch gewäst. Dow sein haber Deitschn gekomm un haben wendsche Gestzn zarschlagn gewollt. Wie sich nu Wendn haben nich mee vor sche erwährn gekonnt, haben se Flinz in Schpree geschmeißt. Das Bild is vun purn blankn Golde gewäst, daß derhaldn haben se‘s ‘n Deitsch nich gegynnt. Mei Grußvater hat mersch ofte gesagt, das hat eich sei Grußvater gehjert wie Leite vor ahler Zeit was Galbes in Wasser gesahn han, wenn yß Sonne halle geschiehn‘n; jetze yß haber nich meher zu sahne, se haben raus huln gewollt, haber Wasser git hier unter Schteen‘n fort un Balkn sein drynne, dass kee Mensch nich of‘n Bodn kjemt. Un wenn och eener bis runder kjäm, dar kjänn sich gewiß nich meher aus Balkn un Schteen rausfitzn. Grode unter Schteene, wo dar Abgott gewast, yß a Loch; wenn Wasser kleene yß, sieht man‘s greeßer. Das Loch git tief runder un rein unter dan Schteene woll bis untersch Dorf. Und drynne es gruß wie Schtube, da liegt eene Tunne bei andern, vull Gold un Silber un schine Sachn, die se gebraucht han bei dan Abgotte. Haber bis dorte yß kee Mensch nich gekomm. ‘s war mal eener da, dar sich untertauchn konnte; dar hat‘s versucht. Haber Licht yß‘n himmer un himmer ausgeleschn, ooch wenn hat Latarne hubn zugedrikt, dass kee Wasser ‘rein gekonnt hat.

Mer myssn a mal von hubn runter grobn, dass mer kenn‘n dan Herrn Bescheed tun, die gerne von altn Abgotte wolln wissn, un Gold un Silber wern mer schun kenn‘n salber brauchn.

Quelle

Zirkler, Albert: Hausbuch sächsischer Mundartdichtung. Leipzig 1927

Bildnachweis

Kopfbild: Ursula Brekle

Bautzen nach Meridian. Aus Wikimedia, gemeinfrei.

 

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Der versteckte Stapilz
von Albert Schädlich
MEHR
Anzeige:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen