Sachsen-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Sachsen-Lese
Unser Leseangebot

Martinsfest - Wir feiern Martini

Florian Russi

Kleine Broschüre mit Texten und Liedern zum Martinstag

Laterne, Laterne ... Im dunklen Monat November hält das Martinsfest einen Lichtpunkt für uns bereit. Vor allem Kinder freuen sich weit im Voraus auf den Martinstag, um mit ihren leuchtenden Laternen durch den Ort zu ziehen. Die Hintergründe zur Geschichte des festes und den traditionellen Bräuchensind in dieser Broschüre festgehalten. Mit einer Anleitung für eine selbstgebastelte Laterne, drei leckeren Rezepten und vielen Liedern, Gedichten und Reimen ist sie ein idealer Begleiter für jedermann.

Das Aschenweibchen zu Zittau

Das Aschenweibchen zu Zittau

Johann Georg Theodor Gräße

In der Neujahrsnacht des Jahres 1756 und um die Mitternachtsstunde der folgenden Tage hatte eine Anzahl von Personen ein verkrüppeltes und verrunzeltes altes Frauenzimmer vor der Johanniskirche und auf vielen Straßen mit einem Besen eifrig den gerade gefallenen Schnee zusammenkehren sehen. Einige, die sich ein Herz fassten, fragten sie, was sie da mache und wer sie sei, und sie antwortete: „Ich bin das Aschenweibchen der Stadt und kehre die Asche zusammen, allerorten wo welche liegt; ich habe noch lange zu tun, denn sie liegt berge hoch und auf allen Gassen, doch hier (vor der Johanniskirche) gerade zumeist.“ Da sich nun diese Erscheinung täglich wiederholte und die ganze Stadt in Schrecken versetzte, beschloss ein hoch edler Rat, der Sache ein Ende zu machen und die Landstreicherin, denn dafür hielt man sie, einzufangen. Die Stadtsoldaten, mehrere Ratsherren an der Spitze, lauerten ihr auch eines Nachts auf. Sie erschien auch wie gewöhnlich, man rief sie an, allein sie ließ sich in ihrem Kehren nicht stören. Und als man nach ihr schlug und griff, verschwand ihre Gestalt in der Luft.

 

Sie kehrte aber darauf die nächsten Nächte zurück, und kehrte nach wie vor. Doch wagte sich niemand mehr an sie heran, und so konnte man sie jede Nacht eifrig kehren sehen, bis am 23. Juli des Jahres 1757 die mit den Sachsen verbundenen Kaiserlichen die von einigen 100 Preußen besetzte Stadt auf einmal bombardierten und zum größten Teil in Asche legten. Eine der ersten Bomben schlug in die St.-Johannis-Kirche ein und zündete, und überall, wo das graue Mütterchen sich früher hatte sehen lassen, waren glühende Kugeln gefallen und hatten die Gebäude in Brand gesteckt. Während des Brandes aber sah man eine graue Gestalt über die glühenden Trümmer schweben und mit einem Besen Wolken von Asche vor sich her fegen. Nun begriff man die warnende Erscheinung des grauen Mütterchens, aber leider zu spät. Seitdem schwebt es in der Silvesternacht und am Vorabend des sogenannten Brandfestes (22. Juli) wie ehedem fegend durch die Straßen der Stadt und ruft dadurch allen leichtfertigen Bürgern die Lehre zu: „Seid wachsam und hütet euch, dass das Unglück nicht noch einmal unerwartet über euch komme und euch ganz vernichte.“

Bildnachweis

Kopfbild

Urheber: Schmidti (CC BY-SA 3.0)

 

Abb. im Text: Wikipedia - gemeinfrei

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Der Schatz der Lutki
von Florian Russi
MEHR
Der Goldwäscherbach
von Willy Winkler
MEHR
Anzeige:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen