Sachsen-Lese

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Leben und Wirken des Schöngeistes und erfolgreichen Unternehmers im klassischen Weimar aufgezeigt und vorgestellt von Klaus-Werner Haupt.

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Der Berggeist in der Grube

Der Berggeist in der Grube "Siebenschlehen"

Johann August Ernst Köhler

Eines Jahres fuhr am 24. Dezember ein Bergmann in der Grube Siebenschlehen getrosten Mutes ein, nachdem er sein Gebet verrichtet hat. Rüstig ging er an seine Arbeit. Da gegen Mitternacht ließen sich in einiger Entfernung Schritte vernehmen, und der Bergmann glaubte, einer seiner Gesellen komme um ihn abzulösen. Doch als die Schritte näher kamen, erblickte er einen Unbekannten, der trug an der Brust eine golden funkelnde Blende mit einer Kerze darin, seine Kleidung war dunkel bis auf die weißen Strümpfe; an den Füßen hatte er glänzend schwarze Schuhe, und auf dem Kopf trug er einen Hut, ähnlich den Hüten, wie sie Napoleon getragen hat.
Sein Gesicht konnte jedoch der Bergmann in dem Gegenlicht nicht sehen; nur das Eine sah er, dass ein silberweißer Bart bis auf die Brust herniederging. Die Erscheinung blieb vor ihm stehen und sagte nichts, leuchtete ihn aber an und kehrte auf demselben Wege zurück. 


Als der Bergmann am anderen Morgen von seinem Erlebnis erzählte, sagten ihm seine Gesellen, dass sei der Berggeist gewesen.


In demselben Schachte arbeitete am Karfreitag des folgenden Jahres ein anderer Bergmann. Derselbe hörte in seiner Nähe ein unaufhörliches Sägen und Hämmern, obwohl er wusste, dass keine Zimmerleute da waren. Er zeigte dies beim Ausfahren dem Steiger an, der sogleich einfuhr und die Töne ebenfalls hörte. Darauf ließ der Steiger den Ort mit Brettern verschlagen.


Nach wenigen Tagen war er tot.

Bildnachweis

Porträt eines Steigers. Aus Wikimedia - gemeinfrei.

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