Sachsen-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Sachsen-Lese
Unser Leseangebot

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts.

Philosophie des Rechts –  Gipfelpunkt im Denken Hegels

Philosophie des Rechts – Gipfelpunkt im Denken Hegels

Dr. Konrad Lindner

 

"Das Kernwort Hegels ist 'Freiheit', wie jeder merkt, der die Texte auch nur oberflächlich überfliegt." (Pirmin Stekeler am 25. Juni 2020 in Leipzig.)

Das Hegel-Denkmal in Berlin. (1)
Das Hegel-Denkmal in Berlin. (1)

0. Leipzig im Sommer 2020

 

Der 25. Juni 1820 war ein Sonntag. Der 25. Juni 2020 war ein Donnerstag. Am 25. Juni 1820 verfasste Georg Wilhelm Friedrich Hegel in Berlin seine "Vorrede" zu den Grundlinien der Philosophie des Rechts. Das Manuskript des Buches mit seinen 360 Paragraphen war gerade fertiggestellt. Bereits im Oktober 1820 erschienen die Grundlinien in Berlin in der Nicolaischen Buchhandlung. Am 25. Juni 2020 schrieb Pirmin Stekeler in Leipzig den Satz: "Kein Text der Weltgeschichte der Philosophie hat einen dialogischen Kommentar als Gespräch zwischen einem heutigen Verstehen und der Schreib- und Denkweise seiner Zeit so nötig wie Hegels Rechtsphilosophie." (6; S. 09.) Mit diesem Satz eröffnete der Philosoph von der Universität Leipzig das "Vorwort" seines dialogischen Kommentars zu Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts, der seit dem Sommer 2021 als Band 740 der Philosophischen Bibliothek im Felix Meiner Verlag zu Hamburg vorliegt. Hat die Ausgabe der Grundlinien der Philosophie des Rechts, die Horst D. Brandt im Jahr 2013 als Band 638 der Philosophischen Bibliothek herausgegeben hat, einen Umfang von 370 Seiten, beläuft sich der Kommentar von Stekeler auf 1135 Seiten. Sein dialogischer Text ist keine bloße Übersetzung, sondern eine kritische Kommentierung und somit ein konzentriertes Sach- und Fachgespräch, das aus dem geistig-politischen Hier und Heute heraus erfolgt. Stekeler tritt nicht als Schüler Hegels in Erscheinung, sondern als ein wacher wie scharfsinniger Kollege mit seiner eigenen geistigen Persönlichkeit. Dabei ist der Autor des Dialogs bestrebt, das analytische Gegenwartspotential von Hegels Philosophie des Rechts Paragraph für Paragraph zu bergen. Bereits Brandt beschrieb den Denkeinsatz der Grundlinien mit Worten, die aufhorchen lassen: "Die gestalterische Einsetzung des Rechts und die tätige Verwirklichung des Rechtsstaats ist Aufgabe und reales Ziel des freien Willens aller autonomen Subjekte, also Form und Maß der Wirklichkeit von Freiheit." (1; S. X.) Wem daran liegt zu verstehen, worauf trotz der Krise der westlichen Demokratien die Ausstrahlung, die Stärke und die Bindungskraft der freiheitlich-demokratischen Grundordnungen der Gegenwart beruht, findet im dialogischen Kommentar eine kritische Sozialphilosophie, in der die Bedingungen der Möglichkeit von Freiheit analysiert werden. Es handelt sich um ein streitbares Philosophieren, weil sich Hegel mit einer jeden Missachtung der Freiheit konsequent auseinandersetzt. Aus seinem Denken erwächst nicht weniger als eine Philosophie, die es sich zur Aufgabe macht, das zu begreifen, was ist, wenn die bürgerliche Gesellschaft in ihrer Struktur und in ihrem Funktionieren erkundet werden soll. Genau 200 Jahre nach Hegel schrieb Stekeler am Donnerstag, den 25. Juni 2020 im Geisteswissenschaftlichen Zentrum der Universität Leipzig: "Die Rechtsphilosophie erweist sich so als Gipfel des publizierten Schaffens Hegels, dem die beiden anderen Hauptwerke, die Phänomenologie des Geistes und die Wissenschaft der Logik, als notwendige Vorstufen dienen. Ohne sie kann man das höchste Ergebnis von Hegels gesamtem Denken nicht erreichen." (6; S. 15.)

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts. (2)
Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts. (2)

1. Keine Freiheit ohne Institution

 

Der Idealismus Hegels mit dem Satz in der Vorrede zur Philosophie des Rechts, wonach in der Menschenwelt "nichts wirklich ist, als die Idee", (6; S. 97.) ist kein Irrtum, sondern eine Leistung. Hegels Idealismus beinhaltet keine "Mystifikation" oder eine Nebelkerze oder einen Kopfstand der Philosophie, wie Karl Marx noch im Januar 1873 im Nachwort zur zweiten Auflage des ersten Bandes des Buches "Das Kapital" behauptet hat, (2; S. 826.) sondern ein solides Wissen dessen, dass das Wort "Geist" das praktische Handeln der Menschen meint und dass sich mit der Rede von "Ideen" nichts anderes als Institutionen verbinden und damit das kooperative Agieren von Personen angesprochen wird. Was bedeutet, dass Ideen sich nicht auf Worte oder Vorstellungen reduzieren, sondern zuallererst reale gesellschaftliche Verhaltens- oder Handlungsformen sind. Der Zugriff auf die Idee wird im Idealismus Hegels höchst bodenständig vollzogen und beinhaltet keine Weltflucht. Werden Geist, Idee und Wille analysiert, ist das kein Mangel, sondern ein Wirklichkeitsgewinn deshalb, weil die Menschen nicht nur in ihrem biologischen Verhalten gesehen, sondern in ihrem gesellschaftlichen Handeln und in ihrer institutionellen Verfasstheit entdeckt werden. Auch Klaus Vieweg von der Universität Jena stellt in seiner Biographie Hegel heraus, dass der Autor der Phänomenologie des Geistes (1807), der Wissenschaft der Logik (1812 – 16) und der Philosophie des Rechts (1821) systematisch die Fähigkeit der Menschen herausgearbeitet hat, "die Perspektive eines Anderen anzunehmen und Freiheit als das Bei-sich-selbst-Sein im Anderen seiner selbst zu verstehen". (8; S. 24.) Die Folge der Einsicht in die Sozialität des Ideellen ist, dass von der Warte der menschlichen Praxis aus Verträge und Verordnungen, Gesetze und Verfassungen und nicht zuletzt unser hiesiges Grundgesetz nicht als toter Buchstabenkram aufgefasst, sondern als Bewegungs- und Erscheinungsform sowie als Rahmenbedingung freiheitlichen Zusammenlebens unter die Lupe genommen werden können. Die basale Einsicht, dass in menschlicher Lebenspraxis "nichts wirklich ist, als die Idee", setzt sich zu Beginn des dritten Abschnitts der Philosophie des Rechts in Paragraph 257 mit der ebenso grundlegenden Bestimmung zum Großraum des Politischen fort: "Der Staat ist die Wirklichkeit der sittlichen Idee, - der sittliche Geist, als der offenbare, sich selbst deutliche, substantielle Wille, der sich denkt und weiß und das, was er weiß und insofern er es weiß, vollführt." (1; S. 231. 6; S. 789.) Der Staat im Sinne Hegels schließt das Regierungshandeln und das Rechtswesen, die Parteien und das Parlamentieren sowie die Polizei und die Armee ein, benennt aber weitaus mehr, zumal ein Wir und das heißt ein bürgerschaftliches Subjekt sichtbar wird. In der Bestimmung des Staates als "Wirklichkeit der sittlichen Idee" tritt die elementare Dimension einer gewollten und einer gesamtgesellschaftlichen Praxis hervor, die alle Lebensbereiche der Gesellschaft und alle Schichten der Gemeinschaft und somit die Mannigfaltigkeit der Institutionen durchwirkt. Die geistige Tiefendimension der Staatlichkeit brachte Stekeler im Juli 2012 im Rahmen des XVI. Internationalen Theodor-Litt-Symposiums in Bonn zum Thema Vom Grund des Grundgesetzes auf die verständliche Formel: "Das, was die Liebe in der Familie ist, ist die Solidarität im Staat." (3; S. 64.)

2. Begriff der abstrakten Arbeit eingeführt

 

In seiner Philosophie des Rechts beleuchtet Hegel sowohl den Raum der Familie als auch den Raum der Gesellschaft, der über die Familie hinausgeht. Es geht um gesellschaftliche Sphären, die sich unterscheiden und ausschließen, die sich aber auch berühren und bedingen. Der Abschnitt über die Familie erstreckt sich von Paragraph 158 bis Paragraph 181. Danach geht Hegel zur Analyse der bürgerlichen Gesellschaft über, die er in den Paragraphen 182 bis 256 behandelt. Zu den bahnbrechenden Leistungen Hegels gehört, dass er die Dynamik der bürgerlichen Geselschaft bis runter in ihre technologische Produktionsweise untersucht und dabei in Paragraph 198 zu der wichtigen und bis in die Gegenwart relevanten Beobachtung gelangt: "Die Abstraktion des Produzierens macht das Arbeiten ferner immer mehr mechanisch und damit am Ende fähig, daß der Mensch davon wegtreten und an seine Stelle die Maschine eintreten lassen kann." (1; S. 193.)

Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz. (3)
Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz. (3)

In seinem Buch "Das Kapital" (1867) steht Marx sowohl im Kapitel über "Maschinerie und große Industrie" auf den Schultern von Hegel als auch im ersten Kapitel über "Waare und Geld". Bei der Waren- und Wertformanalyse unterscheidet Marx nicht nur die Begriffe "Gebrauchswert" und "Tauschwert", sondern auch die Begriffe "konkrete Arbeit" und "abstrakte Arbeit". Der Ideengeber für den wichtigen Begriff der "abstrakten Arbeit" ist nun aber niemand anders als Hegel, der sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingehend und tiefgründig mit der Analyse von Technologie und Wirtschaft in der kapitalistischen Produktionsweise beschäftigt hat. Paragraph 198 beginnt Hegel mit dem Satz: "Das Allgemeine und Objektive in der Arbeit liegt aber in der Abstraktion, welche die Spezifizierung der Mittel und Bedürfnisse bewirkt, damit eben so die Produktion spezifiziert und die Teilung der Arbeiten hervorbringt." (6; S. 676.) Stekeler erläutert den Begriff der "abstrakten Arbeit": "Die Teilung der Arbeit erzeugt einen allgemeinen Wirtschaftsraum. In ihm spielen die Personen und Bürger verschiedene Rollen, so aber, dass man Rollen auch tauschen kann, jedenfalls um ihre Unterschiede weiß. Alle Objektivität ergibt sich aus einem solchen realen oder vorgestellten Wechsel der Rollen und Perspektiven. Daher ist es gerade die abstrakte Arbeit, welche zu einem objektiven Begreifen der Allgemeinheit der gesellschaftlichen Arbeits- und Rollenverteilungen führt und damit zu einer Perspektive auf das Ganze, welche nicht an die bloß erst lokale Sicht des binären Tausches des Mein und Dein von bloß zwei Parteien gebunden bleibt." (6; S. 676/677.) Durch seine Kommentierung der Philosophie des Rechts öffnet Stekeler mehrere Pfade hin zu dem Buch Das Kapital. Seine Ausführungen über abstrakte Arbeit, aber auch über Pöbel oder Proletariat sowie über industrielle Reservearmee zeigen, dass "das Kapital von Karl Marx" durchaus "produktiv als Abschluss des Deutschen Idealismus gelesen werden" kann. (2; S. XVII.) Eine kluge und noch längst nicht ausgeschöpfte Perspektive der Lektüre, die Michael Quante von der Universität Münster in seiner Einleitung zur Studienausgabe des Kapital in Band 612 der Philosophischen Bibliothek vorgeschlagen hat.

Prof. Dr. Stekeler 2019. (4)
Prof. Dr. Stekeler 2019. (4)

3. Bürgerliche Gesellschaft als dynamisch entdeckt

 

Marx forderte im Januar 1873 im Einklang mit Heraklit und mit Hegels Wissenschaft der Logik dazu auf, "jede gewordne Form im Flusse der Bewegung, also auch nach ihrer vergänglichen Seite" zu betrachten. (2; S. 826.) Eine Maxime, die in der Sozialphilosophie völlig richtig ist. Doch der Autor des Kapital scheiterte beim Abschätzen des Bewegungs- und Transformationsvermögens der bürgerlichen Gesellschaft und des Privatkapitalismus. Das hat mit einem anarchischen Unterschätzen der bürgerlichen Gesellschaftsform und der Tragweite von Hegels Analyse der Staatlichkeit und der Institutionalität als Rahmen von Freiheit zu tun.

Eine Einsicht, von der ich als Assistent der marxistisch-leninistischen Philosophie in der DDR weit entfernt war. Ich glaube, dass Stekeler allen Grund hat, den Marxismus-Leninismus – der trotz der Differenz durchaus mit Marx zu tun hat - noch einmal zu beerdigen, indem er schreibt: "Halbwissen führt vom Staat weg, etwa zur These, der Staat sei sekundär zur Gesellschaft oder am Ende wie in der kommunistischen Utopie bei Marx gar nicht mehr nötig. Der Staat gehört zum organisatorischen Rahmen des Systems aller geistigen Institutionen, ähnlich wie 'Gott' das Gesamt der Welt als Sein oder im Vollzug nennt." (6; S. 109.) Von Hegel wird bei der Analyse der bürgerlichen Gesellschaft begriffen, dass Staatlichkeit Eigentum sichert und dass Eigentum die Staatlichkeit befördert, aber auch herausfordert. Hegel hatte "den entstehenden britischen Manchesterkapitalismus" vor seinen Augen, wie Stekeler im Juli 2012 in Bonn ausgeführt hat. (3; S. 57.) Hegel hat sowohl "gegen den liberalistischen Missbrauch einer bloß formalen Verfassung wie in Großbritannien angeschrieben" (3; S. 68.) als "auch gegen sozialistische und kommunistische Experimente wie bei den falschen Anhängern Rosseaus in der französischen Revolution". (3; S. 57.) Im Kommentar zur Philosophie des Rechts zeigt Stekeler auf, dass Hegel die bürgerliche Gesellschaft im Unterschied zu Marx nicht als gesellschaftliches Auslaufmodell betrachtet, sich aber zugleich einem ungezügelten Liberalismus widersetzt. Der Philosoph in Berlin nahm wach und kritisch wahr, dass "ein unkontrolliertes Eigentumsregime zu einer unerträglichen Unfreiheit der Besitzlosen führen" kann. (6; S. 418.) Da Hegel die Gefahren der Erzeugung "eines solchen Pöbels oder Proletariats" durch einen unregulierten Kapitalismus "klar gesehen hat", (3; S. 68.) fordert er, wie Stekeler im Exkurs zu Kants Moralphilosophie ausführt, "einen steuerfinanzierten Sozialstaat" und das heißt transformatorische Arbeit. (6; S. 418.) Das bedeutet nun aber nicht weniger, als dass Hegel im modernen Sinne sozialdemokratisch denkt. Redete Marx im März 1852 von der "Diktatur des Proletariats", dann geht es ihm wie schon Hegel 1807 in der Phänomenologie darum, dass "der Lohnabhängige oder Arbeitslose" die Chance erhält, "den Staat als Vertreter seiner Freiheitsrechte gegen die Kapitaleigner und Bestimmer der Arbeitsteilung" anzurufen. (5; S. 315.) Eine Leistung, die Hegel nun aber anders als Marx der bürgerlichen Gesellschaft zutraut. Indem der Berliner Philosoph das Zusammenspiel von Rechts- und Sozialstaat dann auch in den Grundlinien herausarbeitet, denkt er die Bürgergesellschaft als ein dynamisches und lebensfähiges Netz von Institutionen.

Pirmin Stekeler: Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts. (5)
Pirmin Stekeler: Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts. (5)

4. Sonntag im Sommer 1820 in Berlin

 

Am letzten Sonntag im Juni 1820 dürfte Hegel auch ein Glas Wein mit am Schreibpult stehen gehabt haben. Immerhin fügte er seinem Theorie-Kompendium über Politik und Staat eine kleine Frechheit bei. In der Vorrede rezitiert er zunächst den Spruch: "Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand". Diese Redewendung kommentiert Hegel mit der lakonischen Bemerkung: "... ein alter Scherz, den man wohl in unseren Zeiten nicht gar für Ernst wird behaupten wollen." (1; S. 14.) Man könnte meinen, dass Hegel das Gerede über die Neubesetzung der Beamtenposten von 1991/92 im deutschen Osten in den Ohren gehabt hat. Doch Stekeler weicht der Ironie nicht etwa aus. (6; S. 85.) Hegel wie Stekeler beziehen als Schwaben, die auch mehrfache verdrehte Ironie verstehen, den Spruch von Gott und Verstand als Kritik auf sich selbst, lassen ihn also sich selbst zur Warnung vor Überheblichkeit & Selbstüberschätzung dienen. Die Universität Leipzig wurde in den zurückliegenden drei Jahrzehnten ein beachteter Schauplatz der Philosophie des Geistes und der Neuentdeckung des deutschen Idealismus. Seit 2014 ist es Stekeler dann auch gelungen die Meisterwerke Hegels in dialogischen Kommentaren lebendig, konzentriert und originell zu besprechen. Eine seit 200 Jahren ausstehende und in der Gegenwart wichtige publizistische Leistung im Raum des Felix Meiner Verlages. Vielleicht werden die Hegel-Kommentar-Bücher aus Leipzig, einfach deshalb weil sie geistige Feuerwerke sind, eines Tages weltweit derart geschätzt, gelesen und gerühmt wie die Dialoge Platons aus Athen.

Flagge der Ukraine. (6)
Flagge der Ukraine. (6)

5. Kein Aufstellen eines Jenseitigen

 

Der Kommentar zur Philosophie des Rechts ist aber auch im jetzigen Moment des Widerstands und der Proteste gegen eine russische Besetzung in der Ukraine aktuell: Bei Hegel ist in seiner Vorrede vom Juni 1820 zu lernen, dass der Kampf gegen jede "Missachtung der personalen Freiheit" lohnt und Früchte trägt. (6; S. 93.) Die Aufgabe der Philosophie ist bis in unsere Tage hinein "das Ergründen des Vernünftigen" und "eben damit das Erfassen des Gegenwärtigen und Wirklichen, nicht das Aufstellen eines Jenseitigen". (6; S. 90.) Den Satz Hegels über die Abkehr vom Jenseitigen verstehe ich als Leser heute so: Wer bereit ist, sich von gesellschaftlichen Luftschlössern und politischen Traumgebilden abzuwenden und wer bestrebt ist, die Freiheit als Grundwert zu achten und zu befördern, wird sich populistischen Ideologen – wie Donald Trump – und nationalistischen Diktatoren – wie Wladimir Putin – ebenso entgegenstellen wie den Marktfundamentalisten im Jetzt und den Staatssozialisten im Gestern.

Literatur:

 

(1)

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts. Herausgegeben von Horst D. Brandt. Felix Meiner Verlag Hamburg 2013.

Und neuerdings:

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts. Herausgegeben von Klaus Grotsch. Felix Meiner Verlag Hamburg 2017.

(2)

Karl Marx: Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. Mit einer Einleitung und einem Kommentar herausgegeben von Michael Quante. Felix Meiner Verlag Hamburg 2019.

(3)

Pirmin Stekeler-Weithofer: Das Ethos der Gemeinschaft und die Grundlagen des Rechts. Zu Hegels Analysen der Idee des Rechtsstaates im Blick von Theodor Litt. In: "Vom Grund des Grundgesetzes" Zeitgeschichtliche Dimensionen des Wirkens von Theodor Litt 1947 – 1962. Barbara Drink, Peter Gutjahr Löser, Dieter Schulz (Hg.). Leipziger Universitätsverlag GmbH 2013. S. 55 – 81.

(4)

Pirmin Stekeler-Weithofer: Eine Kritik juridischer Vernunft. Hegels dialektische Stufung von Idee und Begriff der Rechts. Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden 2014.

(5)

Pirmin Stekeler: Hegels Phänomenologie des Geistes. Ein dialogischer Kommentar. Band 2: Geist und Religion. Felix Meiner Verlag Hamburg 2014.

(6)

Pirmin Stekeler: Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts. Ein dialogischer Kommentar. Felix Meiner Verlag Hamburg 2021.

(7)

Klaus Vieweg: Das Denken der Freiheit. Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts. Wilhelm Fink Verlag München 2012.

(8)

Klaus Vieweg: Hegel. Der Philosoph der Freiheit. Biographie. 2. Auflage. Verlag C. H. Beck München 2020.

 

Bildrechte:

 

Die Aufnahmen der Hegel-Denkmale in Jena und Berlin machte Konrad Lindner im Sommer 2013.(Abb. 1 und 4)

 

Die Aufnahmen der Cover von Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts und von Stekelers dialogischem Kommentar von Hegels Grundlinien stellte dankenswerter Weise Jakob Meiner vom Felix Meiner Verlag in Hamburg zur Verfügung.(Abb. 2 und 5)

 

Abb. 3 und 6 via Wikimedia, gemeinfrei.

 

Stand: 28. Februar 2022

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Atheistisch Glauben I
von Friedemann Steiger
MEHR
Anzeige:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen