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Tanja Langer
Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday oder Die Erfindung der Erinnerung
Roman

Träumen, Erfinden, Erinnern: Ein großer Roman über eine kleine Frau

Ich habe meine Großmutter gekannt, aber ich wusste nicht, dass sie es war. Linda, Übersetzerin aus dem Persischen, lässt sich gern von ihren Träumen lenken, und so findet sie sich eines Tages in Lüneburg wieder: Dort lebte ihre kaum gekannte Großmutter Ida unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, geflohen aus Oberschlesien, verwitwet, mit fünf Kindern. Knapp eineinhalb Meter groß, arbeitete sie für den »Direktor des englischen Kinos«. Dieser Halbsatz entzündet Lindas Phantasie, und schon ist sie mitten in der Zeit der britischen Besatzung, von 1945 bis 1949: Ida verliert ihren Mann, Ida schrubbt Wäsche für die Tommys, und Ida begegnet Mr. Thursday. Sie fängt bei ihm im »Astra Cinema« an und merkt vor lauter Begeisterung für die Filme kaum, dass er sich in sie verliebt … Das Kino wird zum Gegenbild für die raue Wirklichkeit, durch die Ida und ihre kleine Rasselbande sich als »Flüchter« durchboxen, mit Einfallsreichtum, der Kraft der Träume und der Liebe, die sie verbindet. Indem Linda aus Sehnsucht nach der Großmutter, die sie nicht hatte, zu deren Erzählerin wird, verändert sie sich selbst – und erzählt noch dazu die Geschichte einer ganzen Epoche.

Kirnitzschtal

Kirnitzschtal

Henner Kotte

Wasser, Holz, Wege

Die Kirnitzsch ist ein Flüsschen, das seit 1451 die Grenze zwischen der Tschechei und Deutschland trennt. Seit Jahrhunderten ist es nicht nur Wasserader, sondern Flößerweg. Doch ist die Wassertiefe kaum für den Holztransport geeignet. So begann man etwa 1580 den Flusslauf zu stauen, um beim Ablass mit Schwall die Stämme bergab zu schwemmen. Erst 1817 ersetzte man die hölzerne Staumauer durch Stein. Doch war der Betrieb bald unrentabel. Der Lehrpfad Flößersteig berichtet von der ehedem gehandhabten Technik und Arbeit. Er führt hinab zum Lichtenhainer Wasserfall. Für die Obere Schleuse wird das Wasser der Kirnitzsch noch immer gestaut. „Die Idee zur Einrichtung einer Bootsfahrt hatten der damalige Hinterhermsdorfer Oberförster Hermann Schlegel und die Mitglieder des ‚Vaterländischen Gebirgsvereins Saxonia‘, aus diesem Grund wurde der erste Kahn auch auf den Namen ‚Saxonia‘ geweiht.

Im darauffolgenden Jahr kam wegen der großen Beliebtheit schon ein zweites Boot hinzu.“ Seit dem 25. Mai 1879 befördern hölzerne Kähne auf gut 700 Metern Interessierte und Erholungssuchende durch die Kirnitzschklamm. Fachkundige erklären Vegetation, Wild und Geschichte. Bei Beginn misst die Tiefe etwa einen Meter, an der Mauer gute sieben Meter. Auch im Sommer erreicht die Temperatur kaum mehr als 8 °C. Die Kulisse bietet Stoff für Gefühle und Geschichten. „Ein Schritt zu weit“ benannte Hans-Joachim Hildebrandt seine verzwickte Mordstory. Das Fernsehen der DDR sendete 1985 im Rahmen „Polizeiruf 110“. Herbert Köfer gab einen verzweifelten Täter. Oberleutnant Hübner stellte den Verbrecher souverän.

Kirnitzschtal

Die Kirnitzsch fließt quer durch die Sächsische Schweiz.

Filmtipp

Polizeiruf 110: "Ein Schritt zu weit", Regie: Hans-Joachim Hildebrandt, 1985.

*****

Textquelle:

Kotte, Henner: Sächsische Schweiz: Die 99 besonderen Seiten der Region Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2016.

Bildquelle:

Vorschaubild: Kirnitzschtal: Blick auf den Lichtenhainer Wasserfall, 2011, Urheber: Norbert Kaiser via Wikimedia Commons CC BY-SA 2.0.

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