Sachsen Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.sachsen-lese.de

Weiterempfehlen

Unser Leseangebot

Horst Nalewski
Kennst du Rainer Maria Rilke?
Der schwere Weg zum großen Dichter

Der junge Rilke wächst in Prag auf undentwächst den bürgerlichen Vorstellungen seiner familiären Umgebung. Auf der stetigen Suche nach sich selbst, findet er Halt im Schreiben und schreibt viel. "Der schwere Weg zum großen Dichter" ist hier verständlich und interessant dargestellt.

Reise nach Dresden über Meißen

Reise nach Dresden über Meißen

Hans Christian Andersen

P { margin-bottom: 0.21cm; }

Nach einem Aufenthalte von drei Tagen verließ ich das freundliche Leipzig, wo ich mehrere vortreffliche Menschen hatte kennenlernen.

Es war schon dunkel, als wir bei dem Jagdschloß Hubertusburg mit seinem großen Garten vorbeifuhren. Mengs Pinsel soll viele Fremde nach der Schloßkapelle hinlocken; wir hatten keine Zeit, auch keinen Mangel an Bildern; ein Bild wechselte mit dem andern, wenn wir durch die Wagenfenster hinaussahen. Hier ein Wirtshaus mit Reisenden, der Hausknecht mit der brennenden Laterne in der Tür, - das war ein Nachtstück in Rembrandtscher Manier; dort sah man eine sumpfige Gegend in Morgenbeleuchtung, einige wilde Enten plätscherten im grünen Schilfe, eine Manier, die Ruysdael nachzuahmen pflegt; weiterhin lag ein Flecken mit eingestürzten Mauern; im Vordergrunde, unter einem großen Baume, saßen ein Paar junge Leute und küßten sich, - das war eine Manier, die ich selbst gerne hätte nachahmen mögen.

Im Park von Schloss Wackerbarth. Tourismusverband Sächsisches Elbland e.V., Holger Stein Fotografie, Dresden 2006.(1)
Im Park von Schloss Wackerbarth. Tourismusverband Sächsisches Elbland e.V., Holger Stein Fotografie, Dresden 2006.(1)

Je näher wir Meißen kamen, ein um so mehr romantisches Aussehen bekam die Gegend. Hin und wieder sah man Felsen sich erheben, mit einem ganz anderen Charakter, als die im Harz. In rotgelben Steinmassen, mit jungen Buchen bewachsen, hingen sie über unsern Häuptern; auf der andern Seite des Weges lagen die grünen Weinberge mit den roten Weinbergshäuschen, und unten schlängelte sich die Elbe in malerischen Krümmungen. Schiffe wurden von Menschen und Pferden den Fluß hinaufgezogen‚ während andere mit schwellenden Segeln stromabwärts fuhren.

Meißen selbst hat enge Straßen und sah mir recht unheimlich aus; man muß es hier wie mit jedem schönen Gemälde machen, die Augen nicht allzu nahe daran halten.

Albrechtsburg und Dom zu Meißen. (2)
Albrechtsburg und Dom zu Meißen. (2)

Der Dom ist ein herrliches, gotisches Gebäude. Die Sonne schien in die hohen Fenster hinein, wo ein kleiner Vogel, der sich verirrt hatte, umherflatterte und mit den Flügeln an die Fensterscheiben schlug, um herauszukommen.. . .]

Der Weg von Meißen nach Dresden ist mit Akazien und Birnbäumen bepflanzt; auf den Feldern stehen Kohl und Kartoffeln; es ist darauf etwas zugute zu tun, wie sie gerade dadurch das ganze beleben.

Brühlsche Terrasse um 1880. (3)
Brühlsche Terrasse um 1880. (3)

Je weiter man sich von hier entfernt, desto höher werden die Berge, und bald sieht man wie durch einen Schleier das deutsche Florenz, Dresden, mit seinen Türmen und Kuppeln vor sich liegen.

Als ich nach der Augustusbrücke kam, die ich schon so gut aus Kupferstichen und Gemälden kannte, kam es mir vor, als ob ich schon früher einmal im Traum hier gewesen wäre. Die Elbe wälzte ihre gelben Wellen unter den stolzen Bogen durch; auf dem Fluß war viel Leben und Treiben, aber weit mehr noch auf der Brücke; auf der Mitte jagten Wagen und Reiter, und auf beiden Seiten ging eine Masse Fußgänger im buntesten Wechsel; ungefähr mitten auf dem Fluß stand auf einem der Ausbaue, welche die einzelnen Pfeiler bilden, ein Kruzifix von Metall. - Nun kamen wir nach der Altstadt, dem eigentlichen Dresden; die Brühlsche Terrasse mit ihrer breiten Treppe lag links, die katholische Kirche rechts und gerade vor uns das Tor, durch das wir in die eigentliche Stadt hineinfuhren.

Blick auf Dresden von der Brülschen Terrasse. (4)
Blick auf Dresden von der Brülschen Terrasse. (4)


Dresden steht als Übergangspunkt in der Mitte von Nord- und Süddeutschland da und hat auch einen gemischten Charakter von beiden. Es war die letzte große Stadt, die ich nach Süden zu in Deutschland zu sehen bekommen sollte; dieser Gedanke fiel mir ein und war die Ursache, daß ich ganz wehmütig gestimmt in die liebe Stadt hineinfuhr.

Die Stadt hatte für mich etwas einladend Freundliches; ich fühlte mich darin gleich wie zu Hause. [. . .]

Bildnachweis:

 1

Tourismusverband Sächsisches Elbland e.V., Holger Stein Fotografie, Dresden 2006

 2,3  Wikimedia Commons, gemeinfrei

Bruehl´s Terrace in Dresden, Germany, seen from the Carolabrücke bridge. license: This old image is public domain, for example because the author died long time ago.

Quelle des Textes:

Auszug aus Band 17 der Gesammelten Werke, Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz.