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Der Bronstein-Defekt

und andere Geschichten 

Christoph Werner

"Ich stellte bald an mir selbst die Verführung durch Zählen und Auswerten fest und empfand die Wonne, Gesetzmäßigkeiten bei gewissen Massenerscheinungen festzustellen. Nichts war vor mir sicher. Als erstes machte ich mich über die Friedhöfe her..."

Dr letzde Geenij von Sachsen

Dr letzde Geenij von Sachsen

Im Auto saust S. M. von Dresden nach Königsbrück zu einer öffentlichen, mit Ovationen verknüpften Feierlichkeit.

Die ersten Häuser von Königsbrück tauchen auf. August streicht sich über Kinn und Wangen -- und konstatiert, dass er schauderhaft unrasiert ist. Läßt halten, begibt sich in den ersten besten Barbierladen, versenkt sich prustend in einen Lehnstuhl und schmettert dem vor patriotischen Gefühlen schier zerfließenden Barbier zu:

,,Rassiehrn"

Der ländliche Meister hüpft um den König herum, seift dessen violett leuchtendes Angesicht umständlich ein, zieht eine viertel Stunde lang das Messer ab und fängt endlich an, das Haupt des Landesoberhauptes zu schaben. Er schwitzt Stecknadelkuppen vor Angst, den König zu schneiden.

Seine Hand tremoliert. August nimmt die Nervosität des Baders wahr und stößt aus rauher Kehle die Worte hervor:

»Das gommd vom Saufn!« -

»Jia,« nickte eifrig der Meister, »das macht de Haut so schbreede!«

(Er meinte die spröde Haut des zu Rasierenden.)

 

In Frohburg wurde ein Denkmal eingeweiht. An Denkmälern war immer ihre Einweihung

die Hauptsache.

Der Geenij hat so mancher Einweihung beigewohnt. Auch der in Frohburg .

Als der Rummel vorüber war, stiefelte er zum Auto. Zwei ehrenwerte Frohburger gaben ihm das

Geleit. August nahm im Plafonds des Automobiles Platz und gedachte zu entfleuchen.

Doch der Adjutant knuffte ihn in die Seite: er möge doch einige Töne äußern.

August druckst und druckst. Resultat: »Na, Ihr zwee beedn . . «

Und ab durch die Mitte.

Quelle der Anekdoten:

Reimann, Hans: Dr Geenij in Memoriam Friedrich August von Sachsen. Hannover 1923

Die Bilder sind gemeinfrei.