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Martinsfest - Wir feiern Martini

Florian Russi

Kleine Broschüre mit Texten und Liedern zum Martinstag

Laterne, Laterne ... Im dunklen Monat November hält das Martinsfest einen Lichtpunkt für uns bereit. Vor allem Kinder freuen sich weit im Voraus auf den Martinstag, um mit ihren leuchtenden Laternen durch den Ort zu ziehen. Die Hintergründe zur Geschichte des festes und den traditionellen Bräuchensind in dieser Broschüre festgehalten. Mit einer Anleitung für eine selbstgebastelte Laterne, drei leckeren Rezepten und vielen Liedern, Gedichten und Reimen ist sie ein idealer Begleiter für jedermann.

Die Schule von Schnaditz

Die Schule von Schnaditz

Lutz Fritzsche

Vor mir liegt eine alte Akte über die Schule von Schnaditz. Die Seiten sind teilweise schon vergilbt und die Ränder ausgefranst. Dafür ist der Inhalt um so schöner. So lesen wir auf den ersten Seiten einen Zustandsbericht und die Beschreibung des Schulgebäudes, erstellt im Jahre 1880 vom damaligen Schulmeister und Küster Carl Friedrich Pretzsch. Ein Mann, der geachtet und anerkannt war im Ort, der bescheiden lebte und nur selten klagte, obwohl es des Öfteren Grund dazu gab. Er hatte am 4.Januar 1834 seine erste Lehrerprüfung bestanden, war dann Kinderlehrer in Hohenossig, ging 1838 nach Podelwitz und wurde schließlich 1840 nach Schnaditz versetzt. Dort war er dann bis zu seiner Pensionierung 1886 Lehrer.

Alte Schule in Schnaditz.
Alte Schule in Schnaditz.

Pretzsch hinterließ uns folgende Zeilen:" Schnaditz, im Kreis Delitzsch, liegt eine halbe Stunde westlich von Düben. Es besteht aus einem Ritterguts- und einem Gemeindebezirk. Die Einwohner des Dorfes beschäftigen sich mit Ackerbau und Viehzucht. Die Anzahl derselben beläuft sich auf 300 Seelen. Schulkinder sind jetzt 48 vorhanden. Das Schulhaus liegt so ziemlich in der Mitte des Ortes, in der Nähe der Kirche und ist von Gärten und dem Friedhof umgeben. Das Gebäude ist im Jahre 1826 erbaut und ruht auf starken Lehmwänden. Durch die bei der Erbauung des Schulhauses eingetretenen Uneinigkeiten zwischen der Vertretung des Rittergutes und der Gemeinde, ist die innere Einrichtung eine höchst mangelhafte geworden." Das zeigt, dass jeder eine neue Schule wollte, aber keiner gern dafür Geld gab.

Noch im Jahre 1840 war weder eine Schlafkammer für den Lehrer, noch eine benutzbare Küche vorhanden. Es gab keine Fensterläden und der Fußboden war nicht mit Lehm ausgefüllt, noch mit Brettern belegt.

Schule und Kirche in Schnaditz
Schule und Kirche in Schnaditz

Weiter schrieb der Lehrer Pretzsch: „1853 ließ der Schulpatron, Rittergutsbesitzer Freytag, ein kleines Dachstübchen im westlichen Teil des Bodenraumes einrichten. Ansonsten war alles noch so, wie bei der Erbauung." Später muss es aber eine Lehrerwohnung gegeben haben, denn Pretzsch schreibt weiter:" Die Wohnstube des Lehrers ist 3m breit, 4m lang und 3m hoch. Neben der selben befand sich die Schlafkammer 2,5m breit und 2,75m lang. Die Wohnstube hat zwei Fenster auf der Südseite und die Schlafkammer ein solches auf der Nordseite des Hauses. Das Haus ist sehr feucht. Der Eingang zur Haustür ist auf der Nordseite. Vom 2,5m breiten und 3m langen Flur führt eine Treppe nach den Bodenräumen. Die Küche ist 1,5m breit und 3m lang und hat kein Fenster. Sie bekommt ihr Licht aus dem Hausflur. Ein Keller ist nicht vorhanden, aber ein nicht eingezäunter Hof auf welchem sich ein Stallgebäude befindet. Die Schulstube ist 5,25m breit und 5m lang, ist mit sechs Fenstern versehen, von je 1m breite. In der Schulstube befinden sich 9 Subsellien (Schulbänke), wovon jede 3,75m lang ist. Das Katheder befindet sich in der Südseite der Stube, von welchem aus die Kinder gut übersehen werden können." Des weiteren war noch ein Kachelofen und ein Schulschrank vorhanden. Und an den Pfeilern zwischen den Fenstern befanden sich Landkarten und eine Wandtafel.

Wenn wir heute solche Zeilen lesen, können wir uns kaum noch die damals herrschende Armut vorstellen: die Wohnbedingungen des Lehrers, welcher dort mit Frau und Kindern lebte, die nur 26,25 Quadratmeter große (kleine) Schulstube, samt Inventar für 48 Schulkinder. Es waren schon harte Zeiten, die unsere Vorfahren durchlebten.