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Jürgen Klose
Kennst du Friedrich Schiller?

Ein kreativer Querkopf mit allerlei Flausen scheint Schiller wohl gewesen zu sein, wenn man ihn mal ganz ohne Pathos betrachtet.

Die Sagen vom Scheibenberge und seinem Zwergkönig

Die Sagen vom Scheibenberge und seinem Zwergkönig

Das Städtchen Scheibenberg im Obererzgebirge hat seinen Namen von dem an seiner nordwestlichen Seite befindlichen tafelförmigen Basaltberge gleiches Namens. Derselbe soll von Zwergen bewohnt sein und reiche Schätze in sich schließen. So trug es sich zu, dass im Jahre 1605 M. Lorenz Schwabe, Pfarrer in Scheibenberg, mehrere Gäste aus Annaberg bei sich hatte und seine Frau etliche darunter befindliche Freundinnen über und um den Scheibenberg führte, um ihnen die Gegend zu zeigen. Sie trafen ein Loch darin an, in welches drei Stufen führten, und in diesem lag ein glänzender Klumpen wie glühendes Gold. Darüber erschraken sie, gingen eilends wieder heim und führten den Pfarrer samt den Gästen heraus, konnten aber das Loch nicht wieder finden.

Scheibenberg, Orgelpfeifen, Landschaftsschutzgebiet c 23
Scheibenberg, Orgelpfeifen, Landschaftsschutzgebiet c 23


Allerdings befindet sich auch an der Morgenseite des Berges eine Art Höhle, das Zwergloch genannt. Darin wohnten sonst der Sage nach viele Zwerge, deren König Oronomassan (nach anderen Zembokral) hieß. Sie waren nicht über 2 Schuh lang und trugen recht bunte Röckchen und Höschen. Es schien ihr größtes Vergnügen zu sein, die Leute zu necken; sie taten aber auch manchem viel Gutes und halfen vorzüglich frommen und armen Leuten. Einst im Winter ging ein armes Mädchen aus Schlettau in den am Fuße des Scheibenberges gelegenen Wald, um Holz zu holen. Da begegnete ihr ein kleines Männchen mit einer goldenen Krone auf dem Haupt, das war Oronomassan. Er grüßte das Mädchen und rief gar kläglich: »Ach, Du liebe Maid, nimm mich mit in Deinen Tragkorb! Ich bin so müde, und es schneit und ist so kalt, und ich weiß mir keine Herberge! Drum nimm mich mit zu Dir in Dein Haus!« Das Mädchen kannte den Zwergkönig zwar nicht, aber da er gar zu flehentlich bat, so setzte sie ihn in ihren Tragkorb und deckte ihre Schürze über ihn, damit es ihm nicht auf den Kopf schneien möchte. Darauf nahm sie den Korb auf den Rücken und trat den Rückweg an. Aber das Männchen in dem Korb war zentnerschwer, und sie musste alle Kräfte zusammennehmen, dass sie die Last nicht erdrückte. Als sie nach Hause gekommen, setzte sie den Tragkorb keuchend ab, und wollte nach dem Männchen darin sehen, und deckte ihre Schürze ab. Aber wer schildert ihr freudiges Staunen? das Männchen war fort und statt seiner lag in dem Tragkorb ein großer Klumpen gediegenen Silbers.

Bildnachweis

Kopfbild: Am Scheibenberg. Deutschland. (LSG) C23. Urheber Kora27

Bild im Text: Urheber Matthias Frank