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Die Broschüre kann beim Autor Friedrich H. Hofmann bestellt und bezogen werden - siehe Text.
Schwarzenberg in der DDR (1949 bis 1990)

Schwarzenberg in der DDR (1949 bis 1990)

Friedrich H. Hofmann

Zur wirtschaftlichen Entwicklung

Bei Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 sicherte sich die SED alle wichtigen Positionen und binnen weniger Monate wurden auch die letzten Politiker von CDU und LDP, die sich nicht bedingungslos unterordnen wollten, ausgeschaltet bzw. verhaftet. Mit der „Volkskammerwahl" am 15. Oktober 1950 begannen die bis 1989 fortdauernden Wahlfarcen mit einer „Einheitsliste", wobei auf dem Stimmzettel nicht einmal die Alternative Ja/Nein vorgesehen war.

Zum Jahresbeginn 1952 trat in der DDR eine umfassende Verwaltungsreform in Kraft. Die bisherigen fünf Länder wurden aufgelöst und 15 Bezirke gebildet. Gleichzeitig erfolgte eine deutliche Verkleinerung der Landkreise. Bereits mit Wirkung vom 17. Dezember 1951 entstand in unserer Region aus dem östlichen Teil des bisherigen Kreises Aue ein neuer Landkreis Schwarzenberg.
Er umfasste 2 Städte und 12 Gemeinden. Gleichzeitig erhielt Johanngeorgenstadt aufgrund des enormen Bevölkerungszuwachses den Status eines selbständigen Stadtkreises. Nach starkem Rückgang des Erzbergbaues erfolgte per 20. Juni 1957 dessen Au?ösung und die Eingliederung von Johanngeorgenstadt in den Kreis Schwarzenberg. Diese Verwaltungsstruktur blieb bis Juli 1994 unverändert bestehen. Im Juli 1954 wurde Schwarzenberg erneut von einem Hochwasser betroffen, das entlang des Flusses viele Schäden anrichtete.
Überfüllter Wismut-Schichtzug 1950. Foto: Sammlung A. und G. Borak.
Überfüllter Wismut-Schichtzug 1950. Foto: Sammlung A. und G. Borak.

Als der Uranerzbergbau 1947/48 im Raum Johanngeorgenstadt in ungeahnten Dimensionen begonnen hatte, waren dort zeitweise etwa einhunderttausend Bergleute beschäftigt. Die eingleisige Eisenbahnstrecke Schwarzenberg-Johanngeorgenstadt war völlig außerstande, den anfallenden enormen Arbeiter- und Güterverkehr zu bewältigen. So begann 1949 der Bau einer neuen zweigleisigen Trasse Vom Bahnhof Schwarzenberg in einem großen Bogen um die Stadt. Dabei entstand das sogenannte „Viadukt" an der Annaberger Straße sowie ein Tunnel durch den Brückenberg. Kurz Vor dem Bahnhof Erla traf die neue Trasse auf die alte Streckenführung und führte ebenfalls zweigleisig weiter nach Johanngeorgenstadt. Sobald das erste Gleis der neuen Strecke befahrbar war, begann im Sommer 1951 der Betrieb. Nach endgültiger Fertigstellung der gesamten Neubaustrecke erfolgte am 20. Oktober l95l in Anwesenheit des Verkehrsministers und des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn die of?zielle Einweihung. Die alte Führung durch die Stadt mit 6 Straßenquerungen und dem Schlosstunnel ent?el. Nach dem Ende des Uranbergbaues in Johanngeorgenstadt wurde das zweite Gleis nach und nach abgebaut und seit Oktober 1965 die Strecke als „Nebenbahn" betrieben. In Zusammenhang mit dem starken Rückgang des Uranerzbergbaues in unserem Landkreis
stand wohl auch der Abzug der bisher in Schwarzenberg in der „Kutzscherfabrik" stationierten Einheit der Sowjetarmee am 7. August 1956.

Es dauerte bis in die 50er Jahre, ehe die Demontagen überwunden und die Betriebe wieder aufgebaut waren. Das Waschgerätewerk stellte lange Zeit nur kleinere Mengen verschiedener Metallwaren her. Erst 1956 konnte die Produktion von Waschmaschinen in größerem Maße wieder aufgenommen werden. Die Arbeitskräftezahl stieg rasch auf reichlich 500 an. 1961 bestanden in unserer Stadt sechs Volkseigene Betriebe: Waschgerätewerk, Formenbau, Saxonia, Feueremaille (ehem Reinstrom & Pilz), Wasserstoff-Sauerstoff-Werk sowie der VEB Bau (K). Außerdem gab es inzwischen 10 halbstaatliche Betriebe. Die größten waren das Emaillierwerk Schmidt & Sohn, die Eisengießerei Voigtmann, die Pressspanfabrik Untersachsenfeld und die Konservenfabrik Louis Becher. Daneben existierten 16 kleinere Privatbetriebe. 1965 bestanden in der Stadt 8 VEB, 11 halbstaatliche und 12 private Betriebe. Von diesen 31 Firmen gehörten 17 zur Metallindustrie.

1972 wurden sämtliche Betriebe mit mehr als 10 Beschäftigten verstaatlicht. In den nächsten Jahren erfolgten zahlreiche Zusammenschlüsse. Beispielsweise gehörten jetzt sämtliche Schwarzenberger Emaillierwerke zum VEB Schwerteremaille Lauter. In den führenden Industriebetrieben nahmen nach beachtlichen Investitionen die Beschäftigtenzahlen weiter zu. Die größten Betriebe in Schwarzenberg per 30.9.1977 waren:

VEB Waschgerätewerk, Werk 1. Urheber: Harald Wunderlich, Schwarzenberg.
VEB Waschgerätewerk, Werk 1. Urheber: Harald Wunderlich, Schwarzenberg.

 

VEB Waschgerätewerk     3322 Beschäftigte (davon ca. 2000 in Schwarzenberg)

 

VEB Formenbau               1060  Beschäftigte

 

VEB Schmiergerätewerk     630  Beschäftigte

 

VEB Handklöppelspitze      588   Beschäftigte

 

VEB (K) Bau                       541  Beschäftigte

 

Die Broschüre (134 Seiten mit über 120 Abblildungen) kann beim Autor zum Preis von 9,80 € + 1,70 € Versandkosten bezogen werden: Friedrich H. Hofmann, Bärenackerweg 25, 08340 Schwarzenberg.