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Martinsfest - Wir feiern Martini

Florian Russi

Kleine Broschüre mit Texten und Liedern zum Martinstag

Laterne, Laterne ... Im dunklen Monat November hält das Martinsfest einen Lichtpunkt für uns bereit. Vor allem Kinder freuen sich weit im Voraus auf den Martinstag, um mit ihren leuchtenden Laternen durch den Ort zu ziehen. Die Hintergründe zur Geschichte des festes und den traditionellen Bräuchensind in dieser Broschüre festgehalten. Mit einer Anleitung für eine selbstgebastelte Laterne, drei leckeren Rezepten und vielen Liedern, Gedichten und Reimen ist sie ein idealer Begleiter für jedermann.

Wie in Söllichau das Vieh  durch Feuer gereinigt wurde

Wie in Söllichau das Vieh durch Feuer gereinigt wurde

Willy Winkler

Zu den Zeiten, da die Felder der Heimat nicht genug Frucht trugen, um alle die Menschen zu ernähren, die an der Scholle hingen, war das Vieh der Reichtum und der Stolz der Heidebauern.

Das ernährte der Wald, der ewige gütige , er gab Futter in reicher Menge. Kühe und Schafe fanden Gras auf den Hutungen und an den Waldwegen, die Schweine wurden zur Eichelmast getrieben, und alles gab der Wald so nebenbei, gewissermaßen als Zugabe zu all dem schönen Holz.

So hattejedes Heidedorf eine stattliche Herde von mehreren hundert Kühen und Schweinen, welche die Hirten durch den Wald weideten, und das Klingen der Herdeglöckchen ertönte wie lieblicher Gesang durch die stilIen Kiefern.

Heidelandschaft. Foto: W. Brekle.
Heidelandschaft. Foto: W. Brekle.

Da aber kam ein großer Schrecken unter die Heidebauern, der auch dem Chronist von Düben die Feder in die Hand zwang, welcher schrieb: "Anno 1599 ist nebst der Pest auch ein großes Viehsterben hier gewesen, dass manchen Tag 60 Stück Rindvieh gefaIlen!"

Die Bauern waren voller Sorge. Sie beteten alle Tage in der kleinen Dorfkirche und wandten alle Mittel an, die ihnen geeignet erschienen, und die Gesundbeter gingen von Stall zu Stall, um die Seuche zu bannen. Nichts aber von allem half. Das Vieh starb, und der Besitz wurde immer geringer. Die buntfleckigen Kühe, welche noch vor Tagen gesund und kräftig auf der Weide am Waldrand grasten‚ standen bald fiebernd und schweißig in den niedrigen Ställen, bis dieses und jenes Stück zusammenbrach und in der großen Grube vor dem Dorfe verscharrt werden mußte.

Da wußte einer der Männer des Sonntags in der Schenke, als die Bauern zusammensaßen und sich ihre Not klagten, zu erzählen, daß in früheren Zeiten die Reinigung von Mensch und Vieh durch das Feuer geschehen msei, wie man auch das Metall Iäutere, daß durch die Glut das Schlechte sich säubere und das Reine übrig bleibe. Nur müsse das Feuer neu entzündet sein.

Die Bauern machten ungläubige Gesichter, als aber die Not stieg, waren sie zu dieser Prozedur für das Vieh bereit. Auch der Pfarrer Caspar Junghannes, der damals in Söllichau amtierte‚ wollte mitwirken.

Man grub zunächst eine Holzsäule aufrecht in die Erde und bestrich diese mit Pech. Um die Säule legte man einen Riemen, welcher von zwei Bauern abwechselnd hin und her gezogen wurde, bis durch die Reibung Stroh entzündet werden konnte. So erhielt man ein Feuer, das man mit Reisig und Holz nährte.

Nun trieb die Gemeinde das noch vorhandene Vieh herzu und jagte dieses mit viel Geschrei durch die Flammen. Der Prediger Pastor Junghannes sprach dazu das Vaterunser.

Es ist nicht überliefert, ob die Seuche nach dieser Reinigung der Tiere erlosch. Der Prediger Caspar Junghannes aber erhielt von seiner vorgesetzten Kirchenbehörde einen strengen Verweis, weil er sich an solch "heidnischem TeufeIswerk" beteiligt habe.

Osterfeuer 2002. Foto: W. Brekle.
Osterfeuer 2002. Foto: W. Brekle.
Dies aber war wirklich kein "Teufelswerk"‚ sondern uralter, längst nicht mehr gewohnter Urahnenglaube. Noch heute ist in manchen Gegenden das Osterfeuer und das Uberspringen des Johannisfeuers üblich, damit die Flamme das Leben läutere.